Schuljahr 2014/2015: Mehr Abiturienten & Quote der Schüler ohne Berufsreife stabil

Minister Brodkorb: „Akademisierungswahn“ kann wirtschaftlichen Erfolg gefährden

Nr.020-16  | 15.02.2016  | BM  | Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur

In Mecklenburg-Vorpommern war im Schuljahr 2014/2015 die Quote der Abiturientinnen und Abiturienten so hoch wie nie zuvor in der Geschichte des Landes. Die Quote der Schülerinnen und Schüler, die das Abitur erreicht haben, konnte von 35,3 Prozent im Schuljahr 2013/2014 auf 37,1 Prozent im Schuljahr 2014/2015 gesteigert werden. Damit setzte sich der Trend der vergangenen Jahre fort.

Die Quote der Schülerinnen und Schüler, die nicht mindestens den Abschluss der Berufsreife erworben haben, konnte auf dem Niveau von 8,4 Prozent stabilisiert werden. Bereits im Schuljahr 2013/2014 hatte Mecklenburg-Vorpommern mit einem ähnlichen Wert durch die Ausweitung des freiwilligen 10. Schuljahres an Förderschulen deutschlandweit die rote Laterne abgegeben. Im Jahr 2008 hatte der Anteil dieser Schülerinnen und Schüler mit 15,8 Prozent noch nahezu doppelt so hoch gelegen. Im Schuljahr 2014/2015 haben insgesamt 12.826 Schülerinnen und Schüler das allgemein bildende Schulsystem verlassen.

„Das Schuljahr 2014/2015 war erneut ein erfolgreiches Jahr. Besonders freut es mich, dass wir die Quote der Schülerinnen und Schüler ohne Berufsreife mit rund 8,4 Prozent auf dem Niveau des Vorjahres halten konnten“, sagte Bildungsminister Mathias Brodkorb. „Wir bewegen uns damit inzwischen im Durchschnitt der ostdeutschen Länder. Ohne Niveauabsenkung wird dieser Wert kaum noch zu unterbieten sein. Eine Reduzierung des Niveaus kommt für mich aber nicht in Frage. Ungefähr fünf bis sechs Prozent der Schulabgängerinnen und Schulabgänger ohne Berufsreife holen sie an der beruflichen Schule oder an den Volkshochschulen nach. Deswegen haben wir gebührenfreie VHS-Abschlüsse möglich gemacht“, so der Minister.

Brodkorb verwies auf den bemerkenswerten Befund, dass die Schülerinnen und Schüler Ostdeutschlands in einschlägigen Leistungstests zwar besser abschnitten als die Westdeutschlands, bei den Absolventenquoten aber hinter ihnen zurückblieben. „Das legt die Vermutung nahe, dass die ostdeutschen Schulen den Schülerinnen und Schülern deutlich mehr abverlangen als die westdeutschen“, schlussfolgerte Brodkorb.

„Die immer weiter steigende Abiturquote hat aber nicht nur Vorteile“, betonte Bildungsminister Mathias Brodkorb. „Seit mehreren Jahren warnen Wissenschaftler in Deutschland vor einem ‚Akademisierungswahn‘. Immer mehr junge Menschen erwerben ihr Abitur und wollen anschließend studieren. In der Folge stehen immer weniger junge Menschen für eine Berufsausbildung zur Verfügung. Außerdem liegt die Abbrecherquote an den Hochschulen auf hohem Niveau“, so Bildungsminister Brodkorb.

„Deutschland muss aufpassen, es mit der Akademisierung nicht zu übertreiben. Wir brauchen nicht nur gut qualifizierte Akademiker, sondern auch hervorragende Handwerker und Facharbeiter. Deutschlands Erfolg in der Wirtschaft hängt entscheidend von diesem Gleichklang ab. Gerät das System der dualen Ausbildung ins Straucheln, so hat dies für alle gravierende Auswirkungen. Das gilt für ein Land wie Mecklenburg-Vorpommern mit weniger Jugendlichen umso mehr“, sagte Brodkorb.