Rügens Landwirte tragen Bedenken gegen Ausgleich für Bau der Nord Stream 2-Pipeline vor

Nr.159/17  | 20.07.2017  | EM  | Ministerium für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung

Am vierten Tag der Erörterung der Stellungnahmen und Einwendungen zum Bau der Erdgasleitung Nord Stream 2 heute (20. Juli 2017) in Stralsund kamen vor allem die privaten Einwender zu Wort. Sie thematisierten überwiegend die geplanten Ausgleichsmaßnahmen für den Bau von Nord Stream 2.

Zunächst stellte der Vorhabenträger den mehr als 100 zum Termin erschienenen Einwendern die im Planfestellungsantrag aufgeführten Kompensationsmaßnahmen vor. Diese sehen die Aufwertung von Flächen an Land und vor allem die Umwandlung intensiv bewirtschafteter Agrarflächen in extensiv bewirtschaftetes Weideland vor, mit deren der Stickstoff-Eintrag in den Greifswalder Bodden reduziert werden soll.

Neu: Die Maßnahme Mellnitz/Üselitzer Wiek wollen die Projektentwickler nach heutigem Stand zurückstellen. Weiterhin beantragt sind Flächen auf Rügen um den „Ossen“ am Jasmunder Bodden, am Wreecher See, am Lobber See und auf der Insel Schadefähre in der Peene-Mündung. Das sei mehr Fläche als die am Ende benötigten knapp 1000 Hektar, davon 200 bis 300 Hektar Ackerflächen. Der Vorhabenträger geht nach eigenem Bekunden davon aus, die benötigten Flächen auf freiwilliger Basis zu bekommen.

Die Einwender, vor allem betroffene Landwirte und ihre Rechtsanwälte, bemängelten, dass sie nicht wüssten, welche Flächen tatsächlich betroffen seien. Die Investoren stellten eine Konkretisierung der Maßnahmen auch unter Einbeziehung der heutigen Erörterung in Aussicht. Die abschließende Bewertung des – gegebenenfalls zu überarbeitenden - Ausgleichskonzepts obliegt der Planfeststellungsbehörde, dem Bergamt.

Debattiert wurde auch über den Einfluss von Stickstoff auf die Gewässer, den Anteil der Landwirtschaft daran als Verursacher und den grundsätzlichen Sinn der vorgeschlagenen Maßnahmen. Auch die dazu vorgetragenen Argumente aller Seiten fließen in die Abwägung der Planfeststellungsbehörde ein.

Morgen wird die Erörterung fortgesetzt. Gut 200 Stellungnahmen und Einwendungen waren zum Vorhaben Nord Stream 2 eingegangen. Das Bergamt als verfahrensführende Behörde wird die Ergebnisse der Erörterung bei der Entscheidung über den Antrag zum Bau von Nord Stream 2 berücksichtigen. Als Ergebnis der Prüfungen und Abwägung der Interessen können auch Planergänzungen verlangt oder Auflagen erlassen werden.

Nord Stream 2

Die Erdgastrasse soll nahezu parallel zur 2010 verlegten Leitung Nord Stream (1) von den russischen Erdgasfeldern des Jamal-Gebietes auf dem Boden der Ostsee nach Deutschland verlegt werden. Über den Greifswalder Bodden soll sie nach Lubmin und dort so wie Nord Stream (1) an Land geführt werden.

Zahlen & Fakten

Länge: 1200 km, davon Durch deutsches Hoheitsgebiet: 85 km Transportkapazität: 55 Milliarden Kubikmeter/Jahr Konstruktion: Zwei Rohrstränge aus jeweils ca. 100.000 mit Beton ummantelten Einzelrohren à 12 Meter Länge Innendurchmesser: 1,20 Meter Investitionskosten: 8 Mrd. Euro Genehmigungsverfahren in: Deutschland, Dänemark, Schweden, Finnland, Russland Geplanter Baubeginn: 2018