Nord Stream 2-Erörterung: Polnische Häfen sorgen sich um Hafenzufahrt

Nr.163/17  | 21.07.2017  | EM  | Ministerium für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung

Am fünften Tag der Erörterung zum Bau der Erdgasleitung Nord Stream 2 heute (21. Juli 2017) in Stralsund kamen Vertreter der polnischen Öffentlichkeit sowie polnische Behörden zu Wort. Gegenstand der Erörterung waren u. a. die grenzüberschreitenden Umweltauswirkungen des deutschen Leitungsabschnitts.

Konkrete Einwände brachten die Vertreter der Häfen von Stettin und Swinemünde vor. Sie kritisieren den Plan von Nord Stream 2, die Erdgasleitung in Höhe der Kreuzung mit dem Schifffahrtsweg 20 auf dem Ostseegrund zu verlegen. Damit werde eine Passage zu den beiden polnischen Ostseehäfen für Schiffe mit sehr großem Tiefgang langfristig gesehen nicht mehr möglich. Es wurde gefordert, dass die Leitung in diesem Abschnitt eingegraben wird. Die Vertreter von Nord Stream 2 erwiderten, die Planung der Leitung behindere die Schifffahrt nicht und die Wasserstraße werde auch nach Leitungsverlegung befahrbar sein wie heute.

Ein polnischer Umweltverband sowie die Vertreter einer Reihe polnischer Ministerien und Behörden kritisierten Methodik, Nachvollziehbarkeit und Ergebnisse der vom Vorhabenträger erstellten Umweltverträglichkeitsstudien und forderten die Übermittlung weiterer Unterlagen.

Der Vorhabenträger wies die Rügen zurück und verteidigte seine Umweltplanung; Planung und Unterlagen entsprächen den rechtlichen und fachlichen Vorgaben. Dieser Dissens konnte in der Veranstaltung nicht aufgelöst werden.

Die verfahrensführenden Behörden, das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) sowie das Bergamt Stralsund, wiesen die Beteiligten darauf hin, dass behördenseits auf Grundlage der durchgeführten Erörterungen u. a. auch die Vereinbarkeit der Planunterlagen mit deutschem wie auch europäischem Umweltverfahrensrecht abschließend zu prüfen sei.

Nord Stream 2

Die Erdgastrasse soll nahezu parallel zur 2010 verlegten Leitung Nord Stream (1) von den russischen Erdgasfeldern des Jamal-Gebietes auf dem Boden der Ostsee nach Deutschland verlegt werden. Über den Greifswalder Bodden soll sie nach Lubmin und dort so wie Nord Stream (1) an Land geführt werden.

Zahlen & Fakten

Länge: 1200 km, davon Durch deutsches Hoheitsgebiet: 85 km Transportkapazität: 55 Milliarden Kubikmeter/Jahr Konstruktion: Zwei Rohrstränge aus jeweils ca. 100.000 mit Beton ummantelten Einzelrohren à 12 Meter Länge Durchmesser: innen 1,20 Meter, außen 1,50 Meter Investitionskosten: 8 Mrd. Euro Genehmigungsverfahren in: Deutschland, Dänemark, Schweden, Finnland, Russland Geplanter Baubeginn: 2018 Geplante Inbetriebnahme: Ende 2019