UNESCO-Welterbetag auf Rügen rückt Buchenwälder in den Mittelpunkt

Nr.184/2017  | 02.06.2017  | LM  | Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt

Am kommenden Sonntag, dem 4. Juni 2017, um 10.30 Uhr, starten rund um das Nationalparkzentrum Königsstuhl im Nationalpark Jasmund die Feierlichkeiten zum Deutschen UNESCO-Welterbetag „Welterbe verbindet“.

„Eine grandiose Küste und ein spektakulärer Buchenwald ziehen jährlich über eine Million Gäste in die Region. Zusammen mit dem Kreidefelsen „Königsstuhl“, der mitten im Welterbegebiet liegt, gehört das Gebiet zu den touristischen Hauptattraktionen in Deutschland. Kurzum: Ein Veranstaltungsort, der schöner nicht sein könnte“, sagte Umweltminister Dr. Till Backhaus im Vorfeld der Feierlichkeiten. Auch er wird am 4. Juni nach Rügen kommen.

Bis Dienstag, dem 6. Juni 2017, können Besucher auf verschiedenen Kurzführungen und Wanderungen das UNESCO-Welterbe hautnah erleben oder sich spannendes Wissen im Multivisionskino aneignen. Kinder können bei einer Erlebnisralley die alten Buchenwälder spielerisch kennenlernen oder sich an den Aktionen der Partner- und Aktionsstände beteiligen.

Zum Abschluss der Feierlichkeiten wird Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag, dem 6. Juni 2017, das Welterbeforum eröffnen. „Inmitten des Welterbegebietes steht den Gästen dann mit der zum Welterbeforum umgebauten ehemaligen Ausflugsgaststätte Waldhalle ein Ausstellungszentrum mit gastronomischer Infrastruktur zur Verfügung, das sich ausschließlich dem UNESCO-Welterbe der alten Buchenwälder widmet, so Minister Backhaus.

Bereits 1929, führte die Sorge, die beeindruckende Landschaft könnte dem Kreideabbau zum Opfer fallen, zur ersten Unterschutzstellung des Gebietes. 1990 wurde es schließlich zum Nationalpark ausgewiesen. Das Teilgebiet Jasmund ist eines von fünf deutschen Teilgebieten, die als Erweiterung der seit 2007 bestehenden Weltnaturerbestätte „Buchenurwälder der Karpaten und Alte Buchenwälder Deutschlands“ am 25.06.2011 in die Welterbeliste eingeschrieben wurden. 32 weitere Teilgebiete kommen, wenn der laufende Nominierungsprozess erfolgreich verläuft, voraussichtlich im nächsten Jahr hinzu. Dann ist das Teilgebiet Jasmund Bestandteil der ersten umfassenden seriellen europäischen Welterbestätte in 13 Staaten mit 47 Teilgebieten.

In dem etwa 3.000 ha großen Schutzgebiet steht auf 2.100 ha der größte zusammenhängende 800 Jahre alte Buchenwald an der Ostseeküste. Als Weltnaturerbegebiet wurde ein Ausschnitt im Osten des Nationalparks Jasmund, vom Spülsaum der Ostsee über die Steilküste bis zur Hochfläche, ausgewiesen. Die Größe des Gebietes beträgt 493 ha. Dieses wird umgeben von einer 2.511 ha großen Pufferzone.

Das Prädikat „Welterbestätte“ zeichne das Gebiet als einzigartiges Naturphänomen von weltweiter Bedeutung aus, das es für die Nachwelt zu erhalten gilt, so der Minister. Auch habe es die Akzeptanz des Nationalparks verbessert. „Die Bürger begreifen zunehmend das Welterbe und den Nationalpark als ein Stück ihrer schützenswertet Heimat. Die Akteure vor Ort ziehen nun an einem Strang und nutzen die wirtschaftlichen Chancen, die mit dem Status der Welterbestätte verbunden sind“, sagte er weiter.

Seit 2011 wurden der Hochuferweg und alle Rettungswege instandgesetzt, ein neuer Strandabstieg am Kieler Bach errichtet, die Welterbebeschilderung an den Zufahrtsstraßen und im Gebiet selbst ausgeführt. Dafür wurden allein über 162.000 € investiert. Außerdem können die Besucher mit einer App das Welterbe erwandern und erhalten dabei viele nützliche Informationen. Mehrere Filme wurden produziert und zeigen die ganze Schönheit des Welterbegebietes zu allen Jahreszeiten und bieten Einblicke in dessen verborgene Geheimnisse.

Hintergrund

Der Europäische Buchenwald würde ohne den Einfluss des Menschen weite Teile Mitteleuropas bedecken und dort die ursprüngliche natürliche Vegetation bilden. In seiner Verbreitung ist er ausschließlich auf Europa begrenzt. Er besteht aus Wäldern, in der nur eine Baumart, die Rotbuche, zur absoluten Vorherrschaft gelangt.

Diese hat in weniger als 4000 Jahren, einer erdgeschichtlich extrem kurzen Zeit, den Eichenmischwald, vollständig ersetzt und bildet heute von den Küsten der Meere bis hinauf in die hochmontane Bergmischwaldzone der Gebirge Wälder unterschiedlichster Ausprägung. Bisher sind 86 Typen beschrieben.

Dies wird möglich, weil die Rotbuche auf fast alle Böden, von arm bis reich, von sandig bis tonig, aber auch aufs Kalkgestein und entwässerten Moore wächst und dort eine hohe Konkurrenzfähigkeit entwickeln kann. Nur ein hoher Wasserstand im Boden und Sommertrockenheit in südlichen Regionen Europas setzen dem Buchenwald natürliche Grenzen.

Mehr als 10.000 Pflanzen-, Pilz- und Tierarten kommen im Europäischen Buchenwald vor und stellen die ursprüngliche Biodiversität Mitteleuropas dar.

Die Ausbreitung der Rotbuchenwälder in Europa verlief parallel zur Herausbildung entwickelter menschlicher Gesellschaften. Die Buche ist daher tief in der Kultur der europäischen Völker verwurzelt. Worte wie Buch oder Buchstabe, aber auch die Namen von etwa 1.500 Orten allein in Deutschland, lassen sich auf die Buche zurückführen.