Sandaufspülung zum Küstenschutz auf Hiddensee beendet - Neues Siebverfahren hat sich bewährt

Strandaufspülung Hiddensee, Foto: LU, Frank Weichbrodt
Strandaufspülung Hiddensee, Foto: LU, Frank Weichbrodt
Nr.006/16  | 11.01.2016  | LU  | Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz

Rechtzeitig vor dem Jahreswechsel konnten die Sandaufspülarbeiten am Strand von Hiddensee abgeschlossen werden.

Etwa 318.000 m³ Sand wurden innerhalb von 3,5 Wochen auf 3,5 km Länge im Küstenabschnitt zwischen Kloster und Vitte aufgespült. Die Aufspülung war erforderlich, um die seit der letzten Aufspülung im Jahr 1994 eingetretenen Sandverluste auszugleichen. „Wir haben damit erreicht, dass wir einen wirksamen Sturmflutschutz für die Orte Kloster und Vitte nun gewährleisten können und langfristig eine Teilung der Insel verhindern. Somit sind Leib und Leben sowie die wirtschaftlichen Güter bestmöglich geschützt und die Insel bleibt weiterhin eine Perle in der Ostsee, die weiterhin auf den sanften Tourismus setzen kann. Insofern bin ich allen Beteiligten sehr dankbar, dass die Maßnahme zügig und professionell zum Abschluss gebracht wurde“, erklärte der für den Küstenschutz zuständige Umweltminister Dr. Till Backhaus heute.

Der Sand – die Menge entspricht etwa 25.000 LKW-Ladungen – wurde mit Hopperbaggern über eine Spülleitung an den Strand gebracht. Insgesamt mussten die Schiffe 99 Fahrten zwischen der Sandlagerstätte und Hiddensee durchführen, um den Sand zu transportieren. Die Gesamtmaßnahme konnte nur durch die intensive Zusammenarbeit zwischen dem Wasser- und Schifffahrtamt Stralsund, dem Bergamt Stralsund, dem Munitions­bergungs­dienst M-V (MBD M-V), dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz und den beteiligten Bauunternehmen termingerecht umgesetzt werden.

Obwohl das hierfür vorgesehene und genehmigte Sandentnahmegebiet „Darßer Ort“ auch nach den neuesten Erkenntnissen des MBD M-V nicht als kampfmittelbelastet gilt, wurde aus Sicherheitsgründen zur Vermeidung des Anspülens von möglicherweise dennoch vorhandenen Kampfmitteln im gemeinsamen Vorgehen von Umwelt- und Innenministerium ein neuartiges Verfahren eingesetzt.  

Bei der neuen Verfahrensweise wird das gesamte Spülgut nun an Land durch einen Siebkorb gespült, der mit einer Maschenweite von 12 mm alle zu erwartenden Kampfmittel, wie beispielsweise Flugzeug-Bordwaffenmunition ab Kaliber 12,7 Millimeter zurückhält.

Obwohl diese Technologie nur vorsorglich angewandt wurde, hat sich der Mehraufwand gelohnt: neben den zu Testzwecken bewusst in den Spülstrom eingebrachten und farblich markierten Prüfkörpern wurden auch insgesamt 304 Kampfmittel und Munitionsteile mit Anhaftungen ausgesiebt, die zusammen mit dem Sand vom Meeresgrund aufgesaugt wurden und ohne neuer Siebtechnologie zusammen mit dem Spülsand an den Strand gelangt wären.  

Die Bandbreite der geborgenen Kampfmittel erstreckt sich von 30 Hülsen verschiedener Herkunft und Kaliber und 27 kleinen Zündern sowie rund 2 kg Munitionsteile mit Anhaftungen und über 19 deutschen  Granaten  der Kaliber 13 mm und 2 cm. Aber auch 28 Granaten der NVA bzw. der sowjetischen Streitkräfte Kaliber 25 mm bis sogar 37 mm wurden im Spülkorb gefunden.  

„Auch über 60 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges werden in Mecklenburg – Vorpommern sowohl landseitig als auch entlang der Küsten immer mal wieder Reste des Krieges gefunden werden“, so Innenminister Lorenz Caffier. „Umso wichtiger ist es, dass wir nun die Erfahrungen aus der praktischen Anwendung des neuen Verfahrens in enger Zusammenarbeit zwischen dem Munitionsbergungsdienst und den für Küstenschutzmaßnahmen zuständigen Behörden auswerten, um die gewonnenen Erkenntnisse für zukünftige Sandaufspülungen zu nutzen.“

Wann die nächste Aufspülung erforderlich ist, hängt von den Belastungen des Küstenabschnitts in der Zukunft ab. Die Küstenschützer gehen derzeit davon aus, dass eine Wiederholungsaufspülung erst in ca. 10 Jahren erforderlich sein wird.