Backhaus: Müll muss raus aus der Ostsee – Wir alle sind gefragt!

Möwe mit Plastikring - Foto: Mossbauer, LUNG
Möwe mit Plastikring - Foto: Mossbauer, LUNG
Nr.023/16  | 21.01.2016  | LU  | Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz

Das Thema Müll im Meer steht zunehmend im Fokus der der öffentlichen Wahrnehmung und Diskussion. Die Landesregierung veröffentlicht daher aktuelle Daten zum Thema Meeresmüll.

„So banal es ist: Müll gehört nicht in die Natur, doch leider finden wir ihn dort immer häufiger und wir alle tragen durch unser Konsumverhalten einen Anteil daran. Gerade in dem sensiblen Naturraum der Küstenzone verursacht angespülter oder zurückgelassener Müll eine große Belastung für Pflanzen und Tiere und führt zu regelmäßigen und aufwendigen Strandreinigungen. Darüber hinaus geben die ökologischen Risiken von Müll im Meer zu denken. Müllteile, wie Tüten oder Schnüre, können Meerestieren zur „Falle“ werden, wenn sie sich darin verfangen. Auch werden Müllpartikel von Meerestieren als vermeintliche Nahrung aufgenommen. Wir stehen hier alle in der Verantwortung und müssen endlich aktiver werden“, erklärte Umweltminister Dr. Till Backhaus.

So sind Tiere nach der Aufnahme von Plastikartikeln in ihrer Vitalität geschwächt oder verenden. Probleme resultieren zudem aus dem Zerfall von Plastikmüll in immer kleinere Partikel. Dieses sogenannte Mikroplastik kann über die Aufnahme durch Meerestiere auch in die menschliche Nahrungskette gelangen. Dabei enthält Mikroplastik diverse Zuschlagsstoffe und kann zusätzlich Umweltgifte an sich binden. „Für unser Küstenland haben diese Aspekte und Entwicklungen, insbesondere mit Blick auf die wichtigen Wirtschaftszweige Tourismus und Fischerei, besondere Bedeutung. Ein weiter so ist nicht möglich!“, mahnte der Minister.

Darüber hinaus ergeben sich aus der Europäischen Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie sowie zukünftig aus dem Regionalen Aktionsplan Meeresmüll des Helsinki-Abkommens für den Schutz der Ostsee auch rechtliche Verpflichtungen, die Belastung der verschiedenen Meereskompartimente durch Müll zu erfassen und die Einträge zu reduzieren.

Durch das Spülsaummonitoring können seit 2013 detaillierte Informationen über den Müll, der durch Wind und Strömungen an die Küste geschwemmt wird oder vom Strand aus in das Meer gelangt, gesammelt und dargestellt werden. Erste Datenreihen und Informationen sind bereits verfügbar. Die Messdaten von 29 Monitoringstrecken an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns liefern folgende vorläufige Erkenntnisse: Im Mittel wurden 68 Müllteile pro 100 Meter Strand gefunden, dabei sind die regionalen und saisonalen Unterschiede erheblich. So wurden am Strand von Zingst durchschnittlich 7 Müllteile/100 m und am Strand von Mukran/Rügen 404 Müllteile/100m im Rahmen des Spülsaummonitorings registriert. In den Frühlingsmonaten März, April und Mai sind die Anspülungen besonders stark. In diesem Zeitraum wurden 35 % der gesamten Müllfunde im Jahresverlauf entlang der Messstrecken erfasst. Der meiste Müll sind Plastikteile mit einem Anteil von 30%, gefolgt von Zigarettenstummeln mit gut 9 %. Letztere sind vor allem in den Tourismussaisonmonaten zwischen Mai und September zu finden. „Wir wollen auch in Zukunft unsere Natur in ihrer ganzen Pracht genießen können. Daher müssen wir neben den klassischen Sammelaktionen auch über Bildung in die Köpfe der Verbraucher rein, um etwas ändern zu können. Die Broschüre soll dazu auch einen Beitrag leisten“, sagte Dr. Backhaus.

Die vorliegende Broschüre soll eine interessierte Öffentlichkeit, aber auch Fachleute über das Thema Müll im Meer und die damit verbundenen Problemfelder informieren sowie die dazu laufenden Aktivitäten vorstellen. Dabei ist das vielfältige Engagement von Vereinen, Verbänden und Schulen bemerkenswert. Mit der Broschüre soll zugleich aber auch für eine breite Akzeptanz für zukünftige Aktivitäten und erforderliche Maßnahmen geworben werden. Sie finden die Broschüre im Anhang sowie über den hinterlegten Link.