Wassersportler und Naturschützer setzen Dialog über Wismarbucht fort

59 % der Fläche im Sommer, 39 % im Winter befahrbar

Nr.024/16  | 21.01.2016  | LU  | Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz

Am gestrigen Mittwochabend lud Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz, Naturschützer, Wassersportler, Angler sowie Gemeindevertreter nach Schwerin, um über die Ausübung moderner Wassersportaktivitäten im Europäischen Vogelschutzgebiet „Wismarbucht und Salzhaff“ zu beraten.

„Ich bin sehr dankbar denen gegenüber, die an der Freiwilligen Vereinbarung mitgearbeitet haben, denn so ein freiwilliges Abkommen ist für mich mehr wert, als mit administrativen Anordnungen zu arbeiten“, betonte Dr. Backhaus zu Beginn des Gesprächs. „Für mich stellt der Plan eine Handlungsmaxime dar, an der wir wissensbasiert, also auf Grundlage naturschutzfachlicher Gutachten, gegebenenfalls nachjustieren können. Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass wir einen Schutzauftrag nach europäischen Anforderungen zu erfüllen haben und uns auch darüber hinaus ganz persönlich daran gelegen sein sollte, diesen Schatz an der Küste zu bewahren. Andernfalls drohen Sanktionen. Deshalb erwarte ich von allen Beteiligten vor allem Dialog, Kreativität und Ergebnisorientiertheit.“

Im Rahmen eines gleichberechtigten Austausches einigten sich die Beteiligten, auf Grundlage der 2005 geschlossenen Freiwilligen Vereinbarung weiter im Gespräch zu bleiben und am aktuellen Managementplan im Interesse aller Seiten weiter zu arbeiten. Anlass zur Diskussion gaben bislang vor allem die im Managementplan vorgeschlagenen Einstiegsstellen für Surfer und Kiter, die so gelegen sind, dass die Sportler je nach Windrichtung in nahegelegene Schutzgebiete gedrängt werden können. Das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt hat seine Unterstützung bei der Suche nach verträglichen Einstiegsstellen angeboten und bereits erste Vorschläge unterbreitet. Gegenüber punktuellen Flächenerweiterungen zeigten sich der Minister und die anwesenden Naturschützer ebenso offen. Auch der Dialog mit den Angelvereinen soll intensiviert werden. Geplant sind Arbeitsgruppen, in denen die Angler ihre individuellen Bedürfnisse noch einmal konkret herausarbeiten, sodass sie im Managementplan besser berücksichtigt werden können. Einig waren sich Teilnehmer darüber, dass es einen Verhaltenskodex braucht, der von allen Interessengruppen akzeptiert und umgesetzt wird.

Das Europäische Vogelschutzgebiet „Wismarbucht und Salzhaff“ umfasst insgesamt 42.472 Hektar, die Ostseefläche darin beträgt 24.373 Hektar. Das Gebiet zeichnet sich durch eine arten- und individuenreiche Vogelwelt mit bedeutsamen Brut- und Rastbeständen aus, die für die Ostseeküste typisch sind. Küstenseeschwalbe und Sturmmöwe kommen landesweit fast nur noch hier vor. Im Sommer mausern tausende Höckerschwäne sowie zahlreiche Schell- und Eiderenten in den Flachwasserzonen. Zur Zugzeit und im Winter lassen sich tausende Eider-, Berg- und Reiherenten sowie nordische Schwäne und Gänse verschiedener Arten beobachten. Doch auch Wassersportler, insbesondere Kiter und Surfer, zieht es aufgrund sehr guter Winde und optimaler Standortbedingungen ganzjährig in den hochsensiblen Lebensraum zwischen dem Festland und den Inseln Poel, Langenwerder, Walfisch sowie der Halbinsel Wustrow. Der aktuelle Managementplan schlägt vor, den Wassersportlern im Sommer 59 % und im Winter 39 % der gesamten Wasserfläche zur Nutzung zur Verfügung zustellen.

 

Hintergrund:

Mit dem Ziel, einen tragfähigen Kompromiss zwischen naturschutzfachlichen Anforderungen und Nutzerinteressen zu erreichen, hat sich 2002 die „Projektgruppe Wismarbucht“ gegründet. Als Ergebnis ihrer Arbeit ist am 15. Juli 2005 die Freiwillige Vereinbarung "Naturschutz, Wassersport und Angeln in der Wismarbucht" vom damaligen Umweltministerium, von Wassersportlern, Angelvereinen sowie den Gemeinden unterzeichnet worden. Auf Grundlage der Freiwilligen Vereinigung ist 2012 ein Managementplan ausgearbeitet worden, der die in der Vogelschutzgebietslandesverordnung definierten Erhaltungsziele weiter konkretisiert. Bereits während der Ausarbeitung wurden die betreffenden Wasserflächen auf mögliche zeitliche und räumliche Erweiterungen hin überprüft. Das Ergebnis: Zu den bereits nutzbaren Wasserflächen von etwa 17.600 Hektar im Sommer und 11.800 Hektar im Winter kamen rund 2.000 Hektar Nutzfläche hinzu – davon 400 Hektar probeweise für die Saison 2014. Auch wurden Nutzungszeiten verlängert und es gibt Vorschläge für neue und zusätzliche Einstiegsstellen, die mit den Schutzanforderungen des Natura 2000-Gebietes in Einklang stehen. Auf diese Weise soll Mecklenburg-Vorpommern für abenteuerlustige Wassersportler ebenso attraktiv bleiben wie für ruhesuchende Naturliebhaber.