Backhaus zum Russland-Embargo: „Dialog statt gegenseitige Verweigerung“

Nr.054/2016  | 17.02.2016  | LU  | Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz

Im Rahmen der Podiumsdiskussion „Herausforderungen und Zukunftsperspektiven der Landwirtschaft“ anlässlich des VR-Landwirtschaftstages 2016 in Linstow sprach Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz heute unter anderem über die Auswirkungen des Russland-Embargos für die hiesige Landwirtschaft.

„Angesichts der geopolitischen Konfliktherde in Syrien, Irak oder der Ukraine rücken landwirtschaftliche Themen sicherlich in den Hintergrund. Dennoch waren und sind die Beziehungen zwischen MV und Russland von strategisch wichtiger Bedeutung. Trotz anhaltender Differenzen plädiere ich deshalb dafür, im Rahmen eines konstruktiven Dialogs schnell zu gemeinsamen Lösungen zu kommen, anstatt sich gegenseitig zu verweigern und die Fronten weiter zu verhärten“, betonte der Minister.

Russland zählte bis 2013 zu den drei wichtigsten Absatzmärkten für Lebensmittel außerhalb der EU. Durch das Embargo haben sich deutsche Agrarexporte nach Russland zwischen 2010 (1,8 Mrd. Euro) und 2015 (0,8 Mrd. Euro) mehr als halbiert. Gesperrt sind gerade die Produkte, die der Landwirtschaft Wertschöpfung und Arbeitsplätze bringen. Dazu gehören vor allem Fleisch- und Milchprodukte. So ist etwa der Anteil von Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs 2015 gegenüber dem Vorjahr in der Ausfuhrbilanz in die Russische Föderation um -99,5% zurückgegangen. „Die ohnehin schlechte Marktlage für Milch und Schweinefleisch wird durch das Russland-Embargo also weiter verschärft“, erklärte Dr. Backhaus.

Auch an MV geht diese Entwicklung nicht spurlos vorbei: „Mit Sorge nehme ich zur Kenntnis, dass wir in MV 25% des Schweinebestandes und 55 Milchbetriebe allein im vergangen Jahr verloren haben. Aktuellen Werten zur Folge ist das Betriebsergebnis der deutschen Landwirte in der Milchwirtschaft aufgrund der Marksituation um durchschnittlich 44% und in der Schweineproduktion um 38% gesunken“, so der Minister. Derzeit bekommen die Milchbauern in MV nur etwa 25 Cent/kg. Noch im Jahr 2014 lag der Milchpreis im Land bei durchschnittlich 37,5 Cent/kg. Für das Kilo Schweinefleisch bekommt der Halter in den neuen Bundesländern derzeit rund 1,28 Euro. Im Jahr 2014 waren es noch durchschnittlich 1,35 Euro/kg und im Jahr 2013 im Durchschnitt 1,73 Euro/kg.

Positiv hervor hob der Minister, dass der Handel zum Beispiel in den Bereichen Saat- und Pflanzengut sowie Zuchtmaterialien vom Embargo ausgenommen ist und daher gut funktioniert. Auch besteht seitens der Russischen Föderation Interesse auf dem Gebiet der Fischaufzucht in Aquakulturen, wobei es ihr aufgrund der anhaltenden Wirtschaftskrise derzeit an Finanzkraft mangelt, um derartige Projekte umzusetzen. „Diese Themen wollen wir deshalb im Rahmen des Russlandtages am 25.05.2016 in Rostock mit Wirtschaftsvertretern aus beiden Ländern erörtern“, stellte Dr. Backhaus in Aussicht.

Der Minister kündigte auch an, die angespannte Situation der Milchbauer auf den Agrarministerkonferenzen im April und September, für die MV in diesem Jahr den Vorsitz übernommen hat, konzentriert im Blick zu behalten, um in Kooperation mit anderen Bundesländern zu abgestimmten und praktikablen Lösungen zu kommen.