Backhaus: Aquakultur in MV ausbaufähig – sehr gute Forschung im Land

Nr.056/2016  | 19.02.2016  | LU  | Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz

Das Leibniz-Institut für Nutztierbiologie in Dummerstorf (Landkreis Rostock) hat heute unter Teilnahme des Ministers für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Dr. Till Backhaus neueste Forschungsergebnisse vorgestellt, die für die Aquakulturproduktion in MV von großer Bedeutung sind.

„Wie hochaktuell das Thema Aquakultur ist, verdeutlicht ein Blick in die statistische Auswertung des Fischkonsums in der Bundesrepublik und bei uns in MV. Mehr als 88 % der in Deutschland konsumierten Fische und Meeresfrüchte müssen importiert werden. Nur 12% des Konsums können wir also selbst abdecken. Die Aufzucht von Fischen, Krebsen und Muscheln in Aquakulturanlagen macht gerade einmal 2 % des ohnehin geringen Selbstversorgungsgrades aus. In der weltweiten Aquakulturerzeugung hingegen betrug der Produktionszuwachs in den Jahren 2006 bis 2012 im Mittel 3,2 Mio. Tonnen pro Jahr. Hier gibt es Aufholbedarf. Umso mehr freue ich mich, dass wir mit dem Leibniz-Institut für Nutztierbiologie eine europaweit angesehene Forschungseinrichtung in unserem Land haben, die sich diesem Thema seit Jahren widmet und überaus wichtige Erkenntnisse für die Aquakulturproduktion liefert“, sagte Dr. Backhaus.

Während die Aquakultur in Asien boomt, stagniert sie in Europa weitestgehend. Als Grund hierfür benannte der Minister die fehlende Wettbewerbsfähigkeit gegenüber der internationalen Konkurrenz aus Vietnam, Norwegen, China oder Chile. „Die hohen Kosten in der Aufzucht, vor allem für Futter, Energie und Arbeitskräfte, sowie die umweltrechtlichen Hürden beeinträchtigen die Entwicklung. Da gleichzeitig die Fänge immer weiter zurückgehen, steigt der Importbedarf in Europa ständig an“, erklärte Dr. Backhaus. In Deutschland ist die Nachfrage nach Fisch und Meerestieren mit 1,3 Mio. Tonnen jedes Jahr sehr groß. „Wenn davon nur 1 % in MV in Aquakultur aufgezogen werden würde, wären das rund13.000 Tonnen. Mit rund 200 Tonnen Speise- und Satzkarpfen in 9 Teichwirtschaften und circa 120 Tonnen Forellen, davon alleine 80 Tonnen in der Experimentalanlage der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei, bleiben wir momentan aber noch weit hinter diesem Ziel zurück“, sagte er weiter.

Backhaus wies zudem daraufhin, dass das Interesse der Verbraucher an höherpreisigen Fischerzeugnissen, wie Frischfisch, steigt: „Mit 8 % macht der Frischfischanteil in Deutschland am Fischverzehr zwar immer noch einen verhältnismäßigen, aber dennoch zukunftsweisenden Anteil aus.“ Fast die Hälfte der Fische und Meeresfrüchte (49,1%) in Deutschland wird jedoch über die Discounter verkauft. „Möchte man den Großen der Branchen, die vor allem auf Quantität setzen, das Feld nicht kampflos überlassen, können hier mit Qualitätsprodukten durchaus neue Standards gesetzt werden.“

Ein weiterer großer Pluspunkt der Aquakultur sind laut Backhaus die Entwicklung und Umsetzung geschlossener Kreisläufe, die beispielsweise über einen geringeren Wasserverbrauch eine ressourcenschonende Bewirtschaftung der Anlagen ermöglichen. Die Landesregierung verfolgt gemäß der Koalitionsvereinbarung das Ziel, den Anteil der Eigenversorgung an Fisch zu erhöhen: „Mit Hilfe unserer Landgesellschaft, MV Invest und den regionalen Wirtschaftsfördergesellschaften haben wir über 30 Standorte im ganzen Land identifiziert, die für die Errichtung von Kreislaufanlagen geeignet sind“, so Dr. Backhaus.

Darüber hinaus fördert die Landesregierung auch zwei Pilotprojekte des Leibniz-Institutes für Nutztierbiologie, deren Ergebnisse heute in Dummerstorf vorgestellt wurden. Darin wird unter anderem untersucht, was die in der Fischereiforschungsstation Born auf dem Darß gezüchtete Regenbogenforelle im Vergleich zu ihren amerikanischen Artgenossen gesünder und robuster macht. Auch untersuchen die Wissenschaftler, ob sich der Ostseeschnäpel für die kommerzielle Aquakultur in MV eignet. Backhaus betonte in diesen Zusammenhang aber auch, dass Investitionen nur die eine Seite der Medaille sind: „Ebenso wichtig ist, dass die Unternehmen dauerhaft wettbewerbsfähig sind und bleiben. Hierzu braucht es vor allem eine gute Forschungsinfrastruktur, da viele Unternehmen Forschung auf diesem Niveau alleine nicht realisieren können. Erst mit den richtigen Partnern vor Ort haben die Unternehmen die Chance, langfristig am Markt zu existieren.“