Backhaus: „Saisonarbeit in Ernährungswirtschaft erfordert flexible Verträge“

Nr.059/2016  | 24.02.2016  | LU  | Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz

Auf dem „Diskussionsmenü“ zur konstituierenden Sitzung des Arbeitskreises Ernährungswirtschaft der IHK Nord warb Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz, gestern in Schwerin für flexible Arbeitszeitregelungen in der Branche und kreative Lösungen bei der Sicherung von Fachkräften.

„Die Ernährungswirtschaft mit einem Umsatzanteil von 33,8% am verarbeitenden Gewerbe ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige im Land. Derzeit arbeiten rund 16.000 Beschäftigte in 163 Unternehmen mit einer Größe von über 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Wie in der Landwirtschaft, dominieren in der Ernährungsbranche saisonale Besonderheiten. Deshalb plädiere ich für Ausnahme- bzw. Einzelvertragsregelungen oder die Anlegung von Arbeitszeitkonten. Auch die Sicherung von Fachkräften bleibt nach wie vor ein Thema, da es Fachkräfte aus dem In- und Ausland eher in die städtischen Ballungsgebiete als nach MV zieht. Trotz bestehender Herausforderungen bin ich davon überzeugt, dass hier Wege geschaffen werden können, um Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren und damit auch Möglichkeiten der sozialen Vernetzung entstehen“, betonte Dr. Till Backhaus.

Der Minister stellte positiv heraus, dass es im Vergleich zur Landwirtschaft aktuell in der Ernährungswirtschaft des Landes keine Anzeichen für eine krisenhafte Entwicklung gibt, auch wenn die Umsätze im letzten Jahr stagnierten: „Bis November 2015 sind die Umsätze im Verarbeitenden Gewerbe gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2,3% gestiegen, im Bereich Ernährung jedoch um 0,9% gesunken. Ursache war vor allem die Schwäche bei der Getränkeherstellung, hier musste ein Umsatzminus von 7,7% eingesteckt werden. Das mag nach dem zweistelligen Zuwachs für die Getränkebranche in 2014 ein Zurückschlagen des Pendels sein, die Gründe hierfür müssen jedoch analysiert und die Entwicklung weiterhin genau beobachtet werden“, sagte Dr. Backhaus.

Bei der Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln betrug der Umsatz zwischen Januar und November 2015 3,72 Mrd. € und bei der Getränkeherstellung 0,30 Mrd. €, der Umsatzanteil am verarbeitenden Gewerbe lag insgesamt bei 34,5%. In den Export gingen bei Nahrungs- und Futtermitteln bis November 2015 Waren im Wert von 595,3 Mio. €, das waren rund 16,1% mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Exportquote lag insgesamt bei 16,4%. Die positive Entwicklung ist laut Backhaus nicht zuletzt auf die erfolgreichen Aktivitäten der Unternehmen aus MV zurückzuführen, sich international ansprechend zu präsentieren, wie jüngst auf der Grünen Woche oder der BIOFACH.

Dr. Backhaus lobte auch die Arbeit der IHK als kompetenten Ansprechpartner für die Unternehmen und den Verein Agrarmarketing MV als Sprachrohr der mittelständischen Ernährungswirtschaft: „Gerade die kleinen Unternehmen, die über keine eigene Rechts- oder Marketingabteilung verfügen, brauchen unsere Unterstützung. Nur so bieten wir dem Wirtschaftszweig und dem ländlichen Raum eine nachhaltige Zukunftsperspektive und stärken einen wichtigen Arbeitgeber in unserem Land“, betonte Dr. Backhaus.

Im Rahmen eines Workshops der IHK zur Stärkung der Ernährungswirtschaft im Land wurden bereits im vergangenen Jahr wichtige Impulse für eine Kooperation auf norddeutscher Ebene gesetzt. Diskutiert wurden unter anderem Fragen zur Imagepflege, Marktpräsenz, sowie zum Innovations- und Wissenstransfer. Auch eine branchenübergreifende Vernetzung mit Partnern der Landwirtschaft, der Tourismusbranche, der Gesundheitswirtschaft sowie der medizinischen Forschung wurde angeregt.

Das Land selbst hat in der letzten Förderperiode (2007 bis 2013) 88 Investitionsvorhaben in der Ernährungswirtschaft mit einem förderfähigen Investitionsvolumen von 126,7 Mio. € bezuschusst. Dafür standen Mittel in Höhe von 29,1 Mio. € aus EU- und GA-Mitteln zur Verfügung. „Die Landesregierung ist sich der Aufgabe bewusst, die Ernährungswirtschaft auch weiterhin effektiv zu unterstützen“, sagte Dr. Backhaus. So hat MV hat mit dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) ein genehmigtes Programm für die Unterstützung der ländlichen Räume bis ins Jahr 2022. Es stehen in der Förderperiode fast 35 Mio. € in der Marktstruktur zur Verfügung. Hinzu kommen weitere 5,4 Mio. € im Rahmen von Maßnahmen der Europäischen Innovationspartnerschaften und der Netzwerkförderung, an denen auch die Ernährungsbranche partizipieren kann. Darüber hinaus sind zahlreiche Programme auf Basis des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) auch für die Ernährungswirtschaft nutzbar. Neue Finanzierungsmodelle, wie die Risikokapitalfonds und Bürgschaften, können als Finanzierungsbaustein zum weiteren Ausbau der Branche genutzt werden.