Rissvorfälle nahe Lübtheener Heide, Greifswald und Mirow

Nr.067/2016  | 29.02.2016  | LU  | Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz

Am vergangenen Wochenende wurden nördlich der Lübtheener Heide, sowie in der Nähe von Greifswald und Mirow mehrere Schafe und ein Damwild gerissen. Der eingeschaltete Rissgutachter geht beim Vorfall nahe der Lübtheener Heide von einem Wolf als Verursacher aus. Nahe Greifswald sprechen die aktuellen Indizien für einen Hund. Im Falle des gerissenen Damwilds bei Mirow wird ebenfalls ein Wolf als Verursacher vermutet.

„Die Schaf- und Ziegenhalter in der Region sollten die Meldungen zum Anlass nehmen, ihre Vorkehrungen zum Herdenschutz umfassend zu überprüfen Die Zäune müssen allseitig geschlossen sein. Empfohlen werden entweder mindestens 90 cm hohe stromführende Zäune mit einem Bodenabstand kleiner als 20 cm bzw. Maschendrahtzäune mit mindestens 120 cm Höhe und einem Untergrabeschutz. Die Förderrichtlinie Wolf bietet im ausgewiesenen Wolfsgebiet des Landes MV zudem die Möglichkeit, Vorkehrungen zum Herdenschutz finanziell mit bis zu 75% der Kosten zu fördern“, erklärte Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz MV.

Nahe der Lübtheener Heide wurden 9 Schafe getötet und 2 Schafe verletzt. Nahe Greifwald wurden 4 Schafe getötet, ein weiteres Tier wird vermisst. Nördlich von Mirow konnte in den vergangenen Tagen mittels einer Wildkamera ein Wolf eines Damwild-Risses überführt werden. Darüber hinaus bestätigte das aktuelle Ergebnis einer genetischen Analyse, dass die im November 2015 festgestellte Verletzung einer Ziege am Ostufer der Müritz durch einen Wolf verursacht worden ist. Damit verdichten sich die Hinweise, dass der Wolf im Umfeld des Müritz-Nationalparks möglicherweise wieder heimisch wird.

Der aktuelle Nachweis mittels Wildkamera konnte in enger Zusammenarbeit von geschulten Wolfsbetreuern des Landes mit den ortsansässigen Jägern und dem World Wide Fund for Nature (WWF) erbracht werden. In den vergangenen Jahren hatte es gelegentlich Einzelnachweise des Wolfes in der Region gegeben, es gab jedoch keine Hinweise auf ein etabliertes Territorium. Auch in der Nossentiner Heide ist aktuell ein Wolf anwesend, wie ein Fotofallenbild und einige Sichtungsmeldungen belegen. Zur Unterstützung des Wolfsmonitorings sollten Hinweise und Beobachtungen aus der Bevölkerung zeitnah an die geschulten Wolfsbetreuer gemeldet werden.

Im vergangenen Jahr wurden in M-V insgesamt 13 Fälle mit 16 verletzten und 34 getöteten Nutztieren begutachtet, bei denen ein Wolf als Verursacher festgestellt oder zumindest nicht ausgeschlossen werden konnte. Ein getötetes Schaf im Umfeld der Lübtheener Heide und eine verletzte Ziege am Ostufer der Müritz wurden genetisch als Wolfsrisse bestätigt. Zwei weitere Rissvorfälle konnten nach Abgleich mit Telemetrie-Daten des besenderten Wolfswelpen dem Lübtheener Rudel zugeordnet werden. Die restlichen 9 Fälle wurden durch Hunde oder Wölfe verursacht, eine zweifelsfreie Zuordnung war dort nicht möglich.

„Um ein weitestgehend konfliktfreies Nebeneinander von Mensch und Wolf gewährleisten zu können, sind wir alle gefragt. Mit der Rückkehr des Wolfes sind auch bei einigen Menschen die Ängste und Vorurteile gegenüber diesem Tier wieder entfacht worden. Deshalb ist es wichtig, Aufgeregtheit in der Öffentlichkeit zu vermeiden und fundiertes Wissen zu verbreiten. Mit dem Managementplan für den Wolf haben wir bereits 2010 eine wichtige Grundlagen geschaffen, um den Umgang mit dieser international geschützten Art zu regeln sowie mögliche Vorurteile und Ängste in der Bevölkerung abzubauen“, betonte Dr. Backhaus.

Eine Karte des Wolfsgebietes, die Förderrichtlinie Wolf und die Kontaktdaten der geschulten Wolfsbetreuer sind abrufbar unter: www.wolf-mv.de.