Backhaus: „Grundwasserschutz erfordert bundesweit abgestimmtes Vorgehen“

Nr.070/2016  | 02.03.2016  | LU  | Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz

Auf der Gemeinschaftsveranstaltung der Kooperationsgemeinschaft Wasser und Abwasser MV e.V. und der Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft e.V. sprach Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz, heute in Kühlungsborn über den Zustand der Gewässer im Land und rief zu bundesweit abgestimmten Lösungen auf.

„Der Grundwasserschutz ist eine der größten Herausforderungen, vor denen die nationale Umweltpolitik steht. Seit vielen Jahren sehen wir uns mit der Tatsache konfrontiert, dass sich die Qualität unserer Gewässer, beispielsweise durch Stickstoff- und Phosphoreinträge, zunehmend verschlechtert. Hierbei handelt es sich aber um ein deutschlandweites Problem, weswegen die EU-Kommission aufgrund des Nichteinhaltens der Nitrat-Richtlinie bereits 2013 ein Verfahren gegen Deutschland eingeleitet hat. Dem Thema habe mich in MV frühzeitig angenommen: Bereits 2009 habe ich die Arbeitsgemeinschaft zur Reduzierung diffuser Nährstoffeinträge in Gewässern gegründet. Derzeit wird das Konzept ‚Diffuse Nährstoffeinträge‘ fortgeschrieben, das umfassende Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässergüte enthält. Ein fachlicher Schwerpunkt ist der Grundwasserschutz. Bestandteil ist aber auch die Beratung landwirtschaftlicher Betriebe für einen effektiveren Düngereinsatz. Auch Wissenschaft und Forschung sind gefragt, weshalb wir den WissenschaftsCampus Phosphorforschung in Rostock jährlich mit 85.000 Euro unterstützen. Ziel ist es, die Stoffströme und Wirkmechanismen genauer zu untersuchen, und die Erkenntnisse erfolgreich in die Praxis zu überführen“, betonte Dr. Till Backhaus.

Der Minister erinnerte auch daran, dass das Gebiet von MV zwischen 1978 bis 1990 ca. 614 t Phosphor pro Jahr in die Ostsee eingeleitet hat. Zwischen 1995 bis 2009 lag dieser Wert bei nur noch 191 t Phosphor. Grund hierfür seien u.a. umfangreiche Modernisierungen in den größten 7 Kläranlagen des Landes, wodurch sich der Direkteintrag von Phosphor in die Ostsee um 98% und über die Flüsse um 61% verringert habe. Insgesamt seien seit 1990 ca. 2,5 Mrd. Euro in den Ausbau von 571 zentralen Kläranlagen und in 49.000 biologische Kleinkläranlagen investiert worden. „Zudem habe ich mich auf der letzten Umweltministerkonferenz politisch durchgesetzt, so dass der Grundwasserschutz zur nationalen Aufgabe erklärt wurde. Auch im Rahmen der Novellierung der Bundes-Düngeverordnung muss dieser Kurs fortgesetzt werden. Ich werde dafür Sorge tragen, dass dabei die EU-Wasserrahmenrichtlinie konsequent umgesetzt wird“, so der Minister.

Das Grundwasser im Land ist laut Dr. Backhaus mit einem Anteil von 85% auch die wichtigste Quelle für die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser. Mehr als 2 Milliarden Kubikmetern nutzbares Grundwasser steht in MV pro Jahr zu Verfügung. „Das für die öffentliche Trinkwasserversorgung genutzte Grundwasser hat in MV eine sehr gute Qualität. Es wird aus meist tieferliegendem, gut geschützten Grundwasserleitern gewonnen. In oberflächennahen Gewässern lassen sich aufgrund menschlicher Tätigkeiten oder Umwelteinflüsse Veränderungen beobachten. Deshalb werde ich mich auch künftig für einen flächendeckenden Grundwasserschutz einsetzen und vordringliche Vorhaben des Grundwasserschutzes und der Sicherung der Trinkwasserversorgung im Rahmen unserer Förderrichtlinien finanziell unterstützen“, sagte er weiter.

„Wasser bildet zudem eine wichtige Grundlage, wenn wir MV weiter zu einem Erholungs- und Gesundheitsland entwickeln und unseren bundesweit einmaligen Status als ‚Land der 1000 Seen‘ erhalten wollen“, sagte Dr. Backhaus weiter. Über 40.000 Kilometer Bäche und Flüsse durchziehen das Land. Zusammen mit den mehr als 2.000 Seen bedecken sie über 5 % der Landesfläche. Hinzu kommen rund 1.700 Kilometer Küste und 1.650 Quadratkilometer innere Küstengewässer.