Backhaus für marktangepasstes Öko-Wachstum – „Perspektiven schaffen“

Nr.078/16  | 08.03.2016  | LU  | Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz

Rund 50 Besucher, darunter viele Landwirte, informierten sich heute beim Info-Tag „Umstellung auf den ökologischen Landbau – eine Perspektive?“ im Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz in Schwerin bei etwa 30 Ansprechpartner über die Chancen und Risiken einer Umstellung von konventioneller auf ökologische Wirtschaftsweise.

„In 2015 kauften deutsche Haushalte für 8,62 Mrd. Euro Bio-Lebensmittel- und Getränke und gaben damit rund 11 % mehr für Bio-Produkte aus als noch im Vorjahr. Die Chancen die eigenen biologisch produzierten Erzeugnisse zu vermarkten, stehen demnach so gut wie noch nie. Mit der heutigen Informationsveranstaltung möchten wir deshalb am Öko-Landbau interessierten Landwirten eine Plattform bieten, mit relevanten Markt- und Branchenpartner ins Gespräch zu kommen und im Kontakt zu bleiben, sowie wichtige Informationen zu sammeln, die für eine Umstellungsentscheidung unerlässlich sind. Hierbei handelt es sich um betriebliche Einzelfallentscheidungen, die genau abgewogen werden müssen und letztlich nur vom Unternehmen selbst getroffen werden können“, betonte Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Till Backhaus.

Der Minister wies bei der Eröffnung der Veranstaltung darauf hin, dass es ihm vor allem auf ein marktangepasstes Wachstum der Biobranche ankomme, das den Landwirtschaftsbetrieben nachhaltige Perspektiven eröffnet: „Auf keinen Fall, darf die Umstellung von konventioneller auf ökologische Wirtschaftsweise als Rettungsanker in der derzeitigen Krise begriffen werden, denn eine Umstellung ist ebenso mit Kosten und einem hohen organisatorischen Aufwand verbunden. Dennoch hat sich in unserem Land in Sachen Öko in den vergangenen Jahren viel getan und es ist noch sehr viel mehr möglich.“ Als erfolgreiche Beispiele für bio „made in MV“ nannte Dr. Backhaus unter anderem die Gläserne Molkerei GmbH (Dechow, Landkreis Nordwestmecklenburg), mit einer jährlichen Verarbeitungskapazität von 80 Mio. kg Rohmilch, und die Bio Eichenmühle GmbH & Co. KG (Stavenhagen, Landkreis Mecklenburgische Seenplatte), ein modernes Werk zur ökologischen Mischfutterproduktion.

Dr. Backhaus gab in diesem Zusammenhang auch ein Beispiel für die geschlossenen Kreisläufe der Bio-Branche im Land: „Öko-Landwirte erzeugen Futtergetreide, das in der Bio-Eichenmühle Stavenhagen aufgearbeitet wird. Das Futter wird in Bio-Betrieben mit Schweinehaltung verfüttert, die gemästeten Tiere werden in Teterow im Schlachthof geschlachtet. Im Thomsen Bützower Fleischgroßhandel wird das Frischfleisch zerlegt und geht dann zur Weiterverarbeitung an die Ludwigsluster Fleisch- und Wurstspezialitäten GmbH. MV liefert nicht nur die Rohstoffe für Öko-Produkte, sondern verfügt entgegen vieler Behauptungen auch über eine starke Verarbeitungsindustrie.“ 

Neben akkreditierten Beratern, ökologischen Anbauverbänden, der Landesforschungsanstalt, dem Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei und Vertretern des Landwirtschaftsministeriums präsentierten sich im Landwirtschaftsministerium rund 15 Öko-Betriebe. „Ich freue mich sehr, dass die Unternehmen unserer Einladung gefolgt sind und sich dazu bereit erklärt haben, anderen Betrieben an ihrem Wissen und Erfahrungsschatz teilhaben zu lassen. Ich hoffe, dass die geknüpften Kontakte auch über Veranstaltung hinaus Bestand haben und wir heute den Grundstein für einen regen und konstruktiven Austausch zwischen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft legen konnten.“

Hintergrund

Im Jahr 2015 wuchs der Bio-Markt in Deutschland zweistellig. Den größten Zuwachs bei Bio-Lebensmitteln erzielte der Lebensmitteleinzelhandel mit 13 % Zuwachs. Der Naturkosthandel erreichte ein Umsatzplus von 10%. In den sonstigen Geschäften, zu denen Reformhäuser, Bäckereien, Metzgereien, Versandhandel und Wochenmärkte zählen, konnte ein Zuwachs von knapp 6% erzielt werden. Bio-Milch und Molkereiprodukte gehören im Jahr 2015 neben Fleisch, Eier, Obst und Gemüse zu den mit ca. 15% am stärksten wachsenden Produkten am Bio-Markt.

Mecklenburg-Vorpommern gehört mit Bayern, Hessen und Brandenburg in die Spitzengruppe des ökologischen Landbaus in Deutschland. Nach derzeitigem Stand sind in Mecklenburg-Vorpommern 1.088 Betriebe der Land- und Ernährungswirtschaft in MV sind inzwischen entsprechend der EU-Öko-Verordnung zertifiziert. 809 landwirtschaftliche Betriebe bewirtschaften rund 122.500 ha (9%) der landwirtschaftlichen Fläche. Damit gehört MV im Bundesvergleich zu den Spitzenreitern. Die Bio-Bauern in MV produzieren schon heute öko-zertifiziert 15% des Schweinefleisches, 15% des Rindfleisches sowie ein Fünftel aller Bio-Eier in Deutschland. Mit Fördermittel aus dem Landwirtschaftsfonds zur Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) für Öko-Neueinsteiger und Öko-Beibehalter sowie Fördermöglichkeiten im Rahmen spezieller Agrarumweltmaßnahmen, wird die Förderpolitik rund um den ökologischen Landbau in der aktuellen Förderperiode bis 2020 weiter forciert. So stehen allein für die Flächenprämien zur Förderung ökologischer Anbauverfahren 168 Millionen Euro zur Verfügung. In der alten Förderperiode waren es 135 Millionen Euro.