Usedomer Küstenwald ist „Waldgebiet des Jahres 2016“ – „gelebter Generationsvertrag“

Nr.095/2016  | 18.03.2016  | LU  | Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz

Pünktlich zum Tag des Waldes am Montag (21. März) wird am morgigen Samstag im Seebad Ückeritz auf Usedom in Anwesenheit von Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz, der Küstenwald Usedom von Hans Jacobs, Vorsitzender des Bund Deutscher Forstleute (BDF), offiziell zum „Waldgebiet des Jahres 2016“ ausgerufen.

„Der Küstenwald Usedom besticht, wie der Name bereits vermuten lässt, vor allem durch seine Nähe zum Meer. Seine besondere Lage, die viele Urlauber anzieht, hat dazu geführt, dass hier, wie in kaum einem anderen Wald, Naturschutz, Küstenschutz sowie touristische und forstliche Nutzungsinteressen beispielhaft miteinander in Einklang gebracht wurden. Insofern ist die heutige Auszeichnung ebenso eine Würdigung des hiesigen Forstamtes Neu Pudagla, zu der ich allen Mitarbeitern herzlich gratuliere. Die Forst- und Jagdverwaltung auf Usedom lässt sich über 450 Jahre zurückverfolgen. Im Laufe der Zeit haben sich vielfältige Berufsbilder entwickelt, die den Wert, die Bedeutung und auch die Arbeit der Branche unverkennbar machen. Als Forstminister habe ich deshalb auch immer Wert darauf gelegt, dass forstpolitische Entscheidungen in unserem Land auf einen breiten Konsens gestellt werden. Waldbauliche Entscheidungen sind Entscheidungen für die Zukunft, Waldwirtschaft ein gelebter Generationsvertrag“, so der Minister.

Im Vorfeld des Termins auf Usedom dankte Dr. Backhaus auch dem BDF, der als berufsständische Vertretung einen wichtigen Beitrag für die forstpolitische Entwicklung des Landes leistet. Erst in dieser Woche starteten in einem Teilgebiet des Usedomer Küstenwalds die Arbeiten zur Entwicklung des ersten Kur- und Heilwalds Deutschland. In enger Zusammenarbeit mit dem Bäderverband MV werden dort künftig waldtherapeutische Angebote gemacht, die kranken oder gestressten Menschen wieder zu mehr Kraft und Vitalität verhelfen sollen. „Die rechtliche Grundlage“, so Dr. Backhaus „wurde bereits 2011 mit der auf Initiative meines Ressorts vorgenommenen Novellierung des Waldgesetzes gelegt. Ziel war und ist es nach wie vor, den Wald noch stärker als einen Raum mit gesundheitsfördernder Wirkung zu etablieren. Mit dem Vorhaben sichert sich sowohl die Region als auch das Land ein Alleinstellungsmerkmal im Gesundheitstourismus und macht seinem Status als ‚Land zum Leben‘ alle Ehre.“

Trotz des touristischen Druckes werden wesentliche Teile des Usedomer Küstenwaldes holzwirtschaftlich genutzt. Dennoch ist er für die Menschen in der Region, die zu großen Teilen vom Tourismus leben, von grundlegender Bedeutung: So befinden sich im Usedomer Küstenwald 8 Waldparkplätze, 6 Campingplätze, 15 Schutzhütten, 30 Verweileinrichtungen sowie 7 Lehrpfade. Jährlich veranstaltet das Forstamt in den Wäldern Usedoms Waldolympiaden für die Grundschulen der Region. In den zurückliegenden Jahren wurden auf dem Forsthof Fledermausnächte und auch ein Waldtheatertag für Kinder organisiert. Jährlich nehmen insgesamt etwa 1.000 Erwachsene und Familien sowie 700 Kinder und Schüler an Waldführungen der Inselförster teil. Der Usedomer Küstenwald verfügt insgesamt über etwa 70 km Wanderwege, 60 km Radwege und 30 km Reitwege. Hinzu kommen Kutschwege, Terrainwege der Kurkliniken und Trimm-Dich-Pfade der Seebäder. „Wir versuchen durch eine Lenkung der Besucher stets, allen Ansprüchen parallel gerecht zu werden.“, so Forstamtsleiter Felix Adolphi, „Eine ökologisch verträgliche wirtschaftliche Entwicklung ist dabei das Ziel. Natürlich sind diese Prozesse auch immer mit Zielkonflikten verbunden, weswegen Försterinnen und Förster heutzutage auch immer als Mittler, Berater und Mediatoren gefragt sind.“

Dass die Forstleute in MV eine sehr gute Arbeit leisten, hat Dr. Backhaus zufolge bereits der im Januar vorgestellte Waldzustandsbericht bewiesen: „Wir haben in MV zwar keine besonders große Waldfläche, dafür aber einen gesunden und vielfältigen Wald. Ich freue mich sehr, dass der positive Trend der zurückliegenden Jahre anhält. Die Stabilisierung und Verbesserung des Waldzustandes ist weiterhin eine wichtige Aufgabe für Politik und Gesellschaft. Damit unsere Wälder auch in Zukunft wertvolle Lebensräume für viele Tiere und Pflanzen, ein Wirtschaftsfaktor und ein Erholungsraum für den Menschen sind, ist es unabdingbar, dass wir unsere ganzheitliche Waldpolitik konsequent weiterentwickeln. Dass der Usedomer Küstenwald als der deutsche ‚Wald des Jahres 2016‘ ausgezeichnet wurde, belegt den Erfolg unserer Bemühungen.“

 

Hintergrund zum Usedomer Küstenwald

Der Usedomer Küstenwald befindet sich im äußersten Nordosten der Bundesrepublik Deutschland in Mecklenburg-Vorpommern. Er erstreckt sich auf dem deutschen Teil der Insel Usedom entlang der Pommerschen Bucht, von der polnischen Grenze im Osten bis zum Peenemünder Haken, (Naturschutzgebiet seit 1925) im Westen. Das Waldgebiet umfasst etwa 5.000 ha, davon 2.600 ha Landeswald, 1.650 ha Bundeswald, 500 ha Privatwald und 250 ha Kommunalwald. Der Landeswald befindet sich überwiegend im Besitz der Landesforstanstalt Mecklenburg-Vorpommern. Der Sitz der Forstverwaltung befindet sich im Ortsteil Neu Pudagla des Seebades Ückeritz.

Die Baumartenpalette ist breit gefächert und umfasst etwa 50 Arten. Hauptbaumart ist mit etwa 60% die Kiefer, gefolgt von Rotbuche (12%) und Erle (7%). Zum überwiegenden Teil haben sich die Nadelwälder natürlich mit Laubbäumen, vor allem mit Buchen, Eichen, Ebereschen und Ahorn unterstellt, so dass naturnahe Mischwälder vorherrschen.

Eine hohe Artenvielfalt gibt es im Usedomer Küstenwald ebenfalls zu entdecken. So befinden sich hier u.a. 55 ha Feuchtbiotope, 54 ha Altholzinseln ohne spätere Nutzung, 31 ha Waldwiesen und 2 ha Kleingewässer. Insgesamt sind im Usedomer Küstenwald in 6 FFH-, 1 SPA- und 4 NSG-Gebieten 1720 ha Fläche unter Schutz gestellt. Eine wichtige Rolle spielen auch Entsiegelung, Renaturierung und der Rückbau baulicher Anlagen im Wald. So konnte in den in den letzten 20 Jahren im Küstenwald auf ca. 100 ha Gebäude zurück gebaut und die Flächen renaturiert werden. Überwiegend handelte es sich hierbei um ehemalige touristische Anlagen.