Haltungsform auf Fleisch angeben – "Kunden informieren, Erzeuger honorieren"

Nr.080/2016  | 09.03.2016  | LU  | Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz

Heute wurde im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern über die Bedeutung und Notwendigkeit einer Kennzeichnung der Tierhaltungsform bei Fleisch für eine transparente und wissensbasierte Kaufentscheidung der Verbraucher debattiert.

 „Um qualifizierte Kaufentscheidungen treffen zu können, sind Verbraucher auf aussagekräftige Produktinformationen angewiesen. Auf tierischen Erzeugnissen finden sich derzeit kaum umfassende Angaben, beispielsweise zur Haltungsform. Seit April 2015 muss frisches, gekühltes oder gefrorene Schweine-, Schaf-, Ziegen- und Geflügelfleisch gemäß Lebensmittel-Informationsverordnung der EU mit Herkunfts- und Schlachtort der Tiere versehen werden. Ähnlich wie bei Eiern wäre es aber wünschenswert, wenn auch die Prozessqualität, sprich die Haltungsform, auf den Produkten kenntlich gemacht würde. Das schafft Klarheit bei den Verbrauchern und honoriert höhere Standards bei den Erzeugern“, betonte Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz.

Dr. Backhaus wies darauf hin, dass die Unterscheidung in „Bio“ und „Konventionell“ längst keine ausreichende Differenzierung mehr darstelle: „Auch in der konventionellen Nutztierhaltung gibt es eine große Bandbreite an unterschiedlichen tierfreundlichen Haltungsformen, über die Verbraucher bislang keine ausreichende Kenntnis erhalten, um ihr Kaufverhalten daran ausrichten zu können. Ebenso bekommen Erzeuger höhere Standards, wie bessere Ställe, mehr Platz, Einstreu, Auslauf oder Weidegang, nicht angemessen vergütet. Mit verpflichtenden Kennzeichnungen könnte demnach auch die Wettbewerbsposition der Betriebe gestärkt werden, die in tierfreundliche Haltungsbedingungen investieren.“

Mit der Einführung der Eierkennzeichnung in der EU 2004 wurde Dr. Backhaus zufolge bereits einmal bewiesen, wie sehr Verbraucher an Kennzeichnungssystemen interessiert sind und dass sie auch bereit sind, mehr Geld für hochwertige und unter tierfreundlichen Bedingungen produzierte Lebensmittel auszugeben. Der Minister sagte auch, dass ein nationales Kennzeichnungssystem aufgrund verbindlicher Regelungen im EU-Recht wenig zielführend sei und die Debatte über nationale Grenzen hinaus geführt werde müsse: „Die Bundesregierung muss sich zunächst bei der EU dafür einsetzen, dass Tierhaltungsformen gemeinschaftsrechtlich definiert werden und anschließend rechtliche Voraussetzungen für eine vernünftige Kennzeichnungsregelung schaffen. Ich weiß sehr wohl, dass es ein hartes Stück Arbeit bedeutet, die Spezifika der verschiedenen Tierhaltungsformen wissensbasiert und eindeutig darzustellen und glaubhaft zu vermitteln. Nichtsdestotrotz haben Verbraucher – und das sind wir alle – einen Anspruch darauf, zu wissen, was sie essen. Das sollte uns jede Mühe wert sein.“