Aktionswoche Kinderschutz 2017 - „Gemeinsam für das Wohl unserer Kinder“

Aufruf zur Aktionswoche

Sehr geehrte Damen und Herren,

aktiver Kinderschutz braucht Aufklärung und Unterstützung! Deshalb startet das Ministerium für Soziales, Integration und Gleichstellung Mecklenburg-Vorpommern

am 15. September 2017

zum zweiten Mal die Aktionswoche Kinderschutz. Eine Woche lang stehen verschiedene Veranstaltungen rund um das Thema „Prävention im Kinderschutz“ im Mittelpunkt. Unterstützt wird die Aktionswoche vom Deutschen Kinderschutzbund Landesverband e. V., dem Zentrum für Praxis und Theorie der Jugendhilfe – Schabernack e. V., dem Diakonischen Werk M-V e. V., dem Jugendamt Schwerin und der Start gGmbH als Träger des „Bündnis Kinderschutz M-V“. Der Schwerpunkt der Aktionswoche liegt in diesem Jahr in der Landeshauptstadt Schwerin.

Gerne möchten wir mit Ihrer Hilfe dazu beitragen, die Arbeit im Kinderschutz stärker in die öffentliche Wahrnehmung zu rücken. Ob mit einem Tag der offenen Tür, einem Elternabend in der Kindertageseinrichtung, einem Workshop oder einer Diskussionsrunde in Schulen – es gibt viele Möglichkeiten, um über Angebote zu informieren, in den Fachaustausch zu treten oder Kinder und deren Familien zu erreichen.

Ich lade daher alle engagierten Träger der Kinder- und Jugendhilfe und deren Fachpartner (wie Polizei, Schule u. a.) ein, sich uns anzuschließen. Den Auftakt bildet die   Kinder- und Jugendschutzkonferenz, auf der sich am 15. September 2017 Fachkräfte der Jugendhilfe und andere Professionen über aktuelle Entwicklungen im Kinderschutz informieren und austauschen können.

Wenn auch Sie mitmachen wollen, dann senden Sie einfach eine Nachricht an folgende E-Mail-Adresse:

Frau Lüth: Diana.Lueth@sm.mv-regierung.de

Nutzen Sie dazu die anliegende Übersicht und tragen Sie die erforderlichen Informationen ein. Alle Angebote werden dann in einem Kalender zusammengefasst und auf der Homepage des Ministeriums sowie über andere Werbeträger öffentlich bekannt gegeben. Einsendeschluss ist der 11. September 2017. Darüber hinaus wird über die Aktionswoche pressewirksam berichtet.

Haben Sie noch Fragen oder Anregungen? Gerne beraten Sie auch die Mitglieder der Planungsgruppe bei der Gestaltung Ihrer Angebote. Dazu können Sie sich an folgende Ansprechpartner wenden:

Herr Spies: kontakt@dksb-mv.de
Frau Gäde: marengaede@schabernack-guestrow.de
Frau Theil: theil@diakonie-mv.de

Zögern Sie nicht und machen Sie mit!

Kinderschutz beginnt mit Prävention!

Kinderschutz beginnt mit Prävention!

Der Begriff des Kinderschutzes vereint alle rechtlichen Regelungen und Maßnahmen unserer Gesellschaft, die darauf ausgerichtet sind, Kindern und Jugendlichen ein geschütztes Aufwachsen zu ermöglichen. Dabei geht es nicht allein darum, unmittelbare Gefahren für ihr Wohl abzuwenden (Intervention), sondern diesen auch frühzeitig vorzubeugen (Prävention).

Grfafische Darstellung für Förderung - Hilfe - Schutz Details anzeigen

Förderung - Hilfe - Schutz

Grfafische Darstellung für Förderung - Hilfe - Schutz

Förderung - Hilfe - Schutz

In den vergangenen Jahren sind bereits viele gute Ansätze entwickelt worden, um die Start- und Teilhabechancen junger Menschen zu verbessern. Diese Bemühungen sollen fortgesetzt werden. Mit einem Mix aus konkreten Maßnahmen im Kinderschutz und Leistungen anderer Förderbereiche, wie zum Beispiel zur Armutsbekämpfung oder Gesundheitsvorsorge, sollen die Bedingungen des Aufwachsens für Kinder und Jugendliche weiter optimiert werden. So sieht es auch das Landesprogramm Kinderschutz vor, das im März 2016 durch die Landesregierung beschlossen wurde.

Prävention durch Frühe Hilfen

Prävention durch Frühe Hilfen

Vorsorge ist der beste Weg, um Kindern gute Lebens- und Entwicklungsbedingungen zu ermöglichen. Und genau hier setzen Frühe Hilfen an! Durch leicht zugängliche Informations-, Beratungs- und Hilfsangebote sollen vor allem werdende Eltern und Familien mit Kleinkindern unterstützt werden. Das kann z. B. durch spezielle Informationsmaterialien, Willkommensbesuche, Vorsorgeuntersuchungen, Elternkurse oder Beratungen erfolgen. Die Inanspruchnahme der Angebote ist freiwillig.

Gerade die Geburt eines Kindes stellt „frisch gebackene“ Mütter und Väter vor besondere Herausforderungen. Sie müssen sich in ihrer Rolle als Eltern erst zurechtfinden und ihren Alltag neu organisieren. Das ist nicht immer einfach - insbesondere dann, wenn zusätzliche Sorgen das Familienleben überschatten. Damit das Wohl des Kindes dabei nicht aus dem Blick gerät, sorgen Frühe Hilfen für Entlastung. So behält z. B. eine Familienhebamme nicht nur die gesunde Entwicklung des Kindes im Auge, sondern steht Eltern bei der Bewältigung schwieriger Lebensumstände beratend zur Seite. Im Bedarfsfall kann sie weiterführende Hilfen vermitteln.

Wann und wo, welche Leistungen angeboten werden, können Eltern über das zuständige Jugendamt erfragen. Dort kümmern sich speziell geschulte Fachkräfte (Netzwerkkoordinierende) um die Bekanntmachung, örtliche Vernetzung und Vermittlung Früher Hilfen.

Präventives Arbeiten mit Kindern und Jugendlichen

Präventives Arbeiten mit Kindern und Jugendlichen

Es gibt kein Patentrezept für den optimalen Schutz von Kindern und Jugendlichen -  aber verschiedene Wege, um die bestmöglichen Voraussetzungen dafür zu schaffen.

Und genau da setzt Prävention an. Durch die Entwicklung positiver Lebensbedingungen und Vermittlung allgemeiner Kompetenzen zur Lebensbewältigung soll den Gefahren für das Wohl von Kindern vorgebeugt werden.

Prävention ist damit zentraler Bestandteil pädagogischer Haltung und Praxis. Fachkräfte sind gefordert, junge Menschen zu befähigen, selbst zu wissen, was ihnen gut tut und wie sie sich in Notfällen verhalten müssen. Dabei sollten sie:

  • …allen Kindern und Jugendlichen mit möglichst gleicher Aufmerksamkeit und Wertschätzung begegnen.
  • …das Selbstwertgefühl von Kindern und Jugendlichen stärken, sie ernst nehmen und ihnen zuhören, wenn sie über ihre Erlebnisse, Empfindungen oder Schwierigkeiten sprechen möchten.
  • …feinfühlig und verantwortungsvoll mit Kindern und Jugendlichen umgehen und ihre persönlichen Grenzen sowie ihre eigenen Gefühle zu „Nähe und Distanz“ respektieren.
  • …Kindern und Jugendlichen eine ihrem Alter entsprechende Mitbestimmung ermöglichen.
  • …die bestehenden rechtlichen Regelungen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen kennen, einhalten und achten (z. B. UN-Kinderrechtskonvention).

Präventives Arbeiten im Fachkräfte-Team

Präventives Arbeiten im Fachkräfte-Team

Ein Team, das sich regelmäßig mit dem Wohl und der Entwicklung von Kindern auseinandersetzt, trägt maßgeblich dazu bei, dass junge Menschen in einer geschützten Atmosphäre aufwachsen können. Dazu gehört auch das „Hinterfragen“ des eigenen Verhaltens.

  • Welche Haltung habe ich bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen?
  • Welche Handlungsweise ist angemessen und wo liegen meine Grenzen?
  • Wie sollte unser Team mit grenzwertigem oder grenzüberschreitendem Verhalten umgehen?
  • Wie können mögliche Übergriffe verhindert werden?
  • Wie schafft es unser Team zu einer offenen Atmosphäre zu kommen?

Die Beantwortung derartiger Fragen ist wichtig, um eine Kultur des aufmerksamen Hinschauens zu schaffen, Signale für Kindeswohlgefährdungen frühzeitig zu erkennen und professionell zu handeln. Fachkräfte sollten dabei wertschätzend miteinander umgehen und einen gemeinsamen Lernprozess anstreben. Dies kann u. a. im Rahmen von regelmäßigen Fallbesprechungen erfolgen.

Kinderschutzkonzepte

Kinderschutzkonzepte

Kinderschutzkonzepte enthalten einschlägige Regelungen, Verfahren und Qualitätsstandards zur Prävention und Intervention im Kinderschutz. Zur Umsetzung eines solchen Konzeptes sind alle Einrichtungen und Organisationen aufgerufen, die Kinder und Jugendliche in ihrem beruflichen Alltag oder in ihrer Freizeit betreuen. Dazu gehören Kindertageseinrichtungen, Schulen, Vereine, Beratungsstellen, Einrichtungen der offenen Jugendarbeit etc.

In die Entwicklung eines trägereigenen Schutzkonzeptes sollten alle Arbeitsebenen und Verfahrensbeteiligte einbezogen werden. Der damit verbundene Diskussions- und Aushandlungsprozess sorgt für Nachhaltigkeit, Praxisnähe und Verbindlichkeit. Konkrete Regelungen sollten u. a. zu folgenden Sachverhalten getroffen werden:

  • Ressourcen- und Risikoanalyse
  • Beteiligung- und Beschwerdewege
  • Personalauswahl/ Aus- und Fortbildung/ Führungszeugnis
  • Verfahrensplan bei Kindeswohlgefährdungen/ nachhaltige Aufarbeitung
  • Verhaltenskodex, Selbstauskunfts- / Selbstverpflichtungserklärung
  • Qualitätsentwicklung und -sicherung
  • Öffentlichkeitsarbeit

Partizipation in der Kinder- und Jugendhilfe

Partizipation in der Kinder- und Jugendhilfe

Kinder und Jugendliche sind Profis in eigener Sache. Sie sind alters- und entwicklungsangemessen in allen sie betreffenden Angelegenheiten zu beteiligen. So sieht es u. a. die UN-Kinderrechtskonvention und das Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) vor. Mitreden, Mitentscheiden und Mitgestalten sind ausdrücklich gewünscht und gefordert - auch im Kinderschutz!

„Gelebte“ Beteiligung beginnt mit der Wahrnehmung junger Menschen als eigenständige Persönlichkeiten. Will man vertrauensvolle Beziehungen zu ihnen aufbauen, ihre Entwicklung anregen und begleiten, so braucht man Akzeptanz und Zutrauen. Es geht um echtes Interesse an Kindern und Jugendlichen, ihre Sicht der Dinge und  ihre Lebenswelt. Beteiligung ist dabei nicht nur eine Frage der Methode, sondern gehört zur pädagogischen Grundhaltung von Fachkräften. Positive Beteiligungserfahrungen können bei jungen Menschen wichtige Lernprozesse zur Lebensbewältigung und Selbstwirksamkeit in Gang setzen.

Wie, in welcher Form und in welcher Reichweite eine Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen erfolgt, ist konzeptionell zu verankern. Gleiches gilt für Möglichkeiten der Beschwerde.

Beschwerdemöglichkeiten für Kinder und Jugendliche

Beschwerdemöglichkeiten für Kinder und Jugendliche

Auch pädagogisch geschulte Fachkräfte können Fehler machen. Wer sich ungerecht behandelt, benachteiligt, in seinen Rechten verletzt oder missverstanden fühlt, kann sich dazu äußern. Dies gilt für Eltern ebenso wie für Kinder und Jugendliche. Die Beschwerde kann an eine Stelle innerhalb (z. B. Gruppenleitung, Vertrauensperson in der Schule, Trainer im Verein) oder außerhalb der Einrichtung (z. B. Jugendamt) gerichtet werden.

Leitungskräfte von Einrichtungen haben es oft mit einer Vielzahl von Beschwerden zu tun. Ein transparentes Beschwerdemanagement ist daher hilfreich, um einen professionellen Umgang mit Kritik sicherzustellen und die Qualität der Arbeit weiter zu verbessern. Besondere Sorgfalt ist geboten, wenn es sich um Anschuldigungen handelt, die ein grenzverletzendes Verhalten von Beschäftigten gegenüber Kindern beschreiben. Der Umgang mit solchen Fällen stellt für alle Beteiligten eine große Belastung dar. Die Steuerung der internen Kommunikation, Moderation und Klärung der Fallverantwortung muss daher gut funktionieren. Auch ist sicherzustellen, dass möglichst schnell nach Bekanntwerden des Vorwurfs Maßnahmen zum Schutz der Kinder getroffen und alle notwendigen Personen in den Hilfeprozess einbezogen werden.

Beteiligungs- und Beschwerdeverfahren sichern die Rechte junger Menschen und gehören zu den Mindeststandards. Sie gelten als geeignete Mittel, um Machtmissbrauch in Einrichtungen präventiv zu begegnen.

Angebotsplanung in der Kinder- und Jugendhilfe

Angebotsplanung in der Kinder- und Jugendhilfe

Die Kinder- und Jugendhilfe leistet einen wichtigen Beitrag zur Schaffung positiver Lebensbedingungen von Kindern und Familien. Deshalb müssen ihre Angebote und Leistungen gut geplant und aufeinander abgestimmt sein. So ist insbesondere darauf zu achten, dass

  • ausreichend präventive Angebote vorgehalten werden,
  • die Wirksamkeit dieser Angebote durch Kooperation und Vernetzung mit anderen Bereichen, wie z. B. Gesundheitswesen, Schule, Stadtentwicklung gestärkt wird,
  • flexibel auf die Bedürfnisse und Alltagsprobleme junger Menschen und Familien reagiert wird,
  • die Hilfe zur Selbsthilfe unterstützt wird und
  • junge Menschen -unabhängig von ihren individuellen Voraussetzungen- von Anfang an faire Chancen erhalten bzw. angemessen gefördert werden.

Publikationen und Dokumente

Aktionswoche Kinderschutz 2017 - Tabelle

Übersicht zum Erfassen von Angeboten