Sellering überreicht vier Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland

Nr.100/2017  | 03.05.2017  | MP  | Ministerpräsident

Heute übergibt Ministerpräsident Erwin Sellering an vier Bürgerinnen und Bürger Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. „Mit dieser hohen Auszeichnung ehren wir Menschen, die etwas ganz Besonderes, etwas Herausragendes geleistet haben, die sich mit viel Idealismus und Einsatzbereitschaft einer Aufgabe widmen, die der Gemeinschaft, die uns allen zugutekommt“, betont der Ministerpräsident.

Barrieren abzubauen, vor allem ganz praktisch im alltäglichen Umfeld, aber auch solche, die es in den Köpfen vieler Menschen gibt, das habe sich Marion Berger, Jahrgang 1961, aus Rostock zur Aufgabe gemacht. „Da sie selbst gehörlos ist, weiß sie genau, was nötig ist, was getan werden muss, um Menschen mit Behinderungen die volle Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu erleichtern“, betonte Ministerpräsident Erwin Sellering. Konsequent und hartnäckig setze sich Frau Berger für die Rechte Hörgeschädigter ein. Seit 1992 ist sie im Vorstand des Gehörlosenverbandes Mecklenburg-Vorpommern aktiv, bis 1997 als 2. Vorsitzende, danach als Frauenbeauftragte und seit fast 15 Jahren als 1. Vorsitzende. Eine besonders wichtige Verbesserung für Hörgeschädigte habe Frau Berger mit der Einrichtung einer einheitlichen Notruffaxnummer erreicht, mit der Betroffene im Notfall die Polizeileitstellen des Lande schneller erreichen können. Sellering: „Und dass heute für das ganze Land qualifizierte Gebärdendolmetscher und Kursleiter zur Verfügung stehen, auch das ist maßgeblich das Verdienst von Frau Berger. Gratulation dazu!“

Seit 2000 sei Frau Berger aktiv in der „Selbsthilfe MV“, dem Dachverband der Landesverbände chronisch kranker und behinderter Menschen. Darüber hinaus sei sie im ganzen Land unterwegs, unterstütze Vereine bei der Organisation von Veranstaltungen oder bei der Beantragung von Fördermitteln.

Für ihr unermüdliches Engagement habe sie bereits viele Auszeichnungen erhalten. Sellering: „Als Ministerpräsident freue ich mich sehr, dass es Menschen wie Frau Berger gibt, die sich so für ihre Mitmenschen einsetzen, die die Landesregierung mit ihrer Lebenserfahrung dabei unterstützen, ein positives Umfeld mitzugestalten für alle Menschen, die ein Handicap haben. Heute überreiche ich Frau Berger das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für ihre außerordentlichen Verdienste um das allgemeine Wohl der Menschen mit Behinderungen in Mecklenburg-Vorpommern, den Gehörlosen insbesondere. Herzlichen Glückwunsch!“

 

Zur Lebensaufgabe habe sich Marlies Claassen, Jahrgang 1942, aus Dargun gemacht, „unsere Geschichte lebendig zu halten“, betonte der Ministerpräsident. Als Geschichtslehrerin habe sie jahrzehntelang Schülerinnen und Schüler für die Weltgeschichte begeistert. „Heute hält sie die Erinnerungen an die Vergangenheit in ihrem „Uns Lütt Museum“ wach.“ Vor über 20 Jahren habe sie selbst den Grundstein für dieses großartige ehrenamtliche Engagement gelegt und Schülerinnen und Schüler gebeten, Zeugnisse aus alten Zeiten zusammenzutragen, die im Nachwendeifer verloren zu gehen drohten. Aus dieser Sammlung entstand das Museum, das zunächst im Keller des Darguner Rathauses eröffnet wurde und heute auf über 2000 qm Ausstellungsfläche im ehemaligen Hengststall des Kloster- und Schlosskomplexes Raum gefunden hat. Vom Pferdeschlitten bis zum Webstuhl, vom Kohleofen bis zur Babywiege sind viele Gebrauchsgegenstände vergangener Jahrhunderte zu sehen.

Mehr als 80 000 Gäste haben das Museum bereits aufgesucht.

Ein großer Erfolg sei auch, dass das Museum ausschließlich mit Ehrenamtlichen aufgebaut wurde und bis heute ehrenamtlich betrieben werde. Sellering: „Das ist zum großen Teil der mitreißenden Art und großen Überzeugungskraft von Frau Claassen zu verdanken, mit der sie die rund 80 Mitglieder des von ihr gegründeten Museumsvereins immer wieder für die Arbeit begeistert, auch an Wochenenden und Feiertagen.“ Als Vereinsvorsitzende stecke sie selbst viel Herzblut und Energie in die Museumsarbeit, gewinnt benachbarte Kultur- und Heimatvereine und viele Dargunerinnen und Darguner zur Mitarbeit bei Festen und Aktionstagen.

Der Ministerpräsident: „Heute möchten wir den großartigen Einsatz von Frau Claassen für den Aufbau und den Erhalt des „Uns Lütt Museums“ und ihr beispielhaftes Engagement, Menschen für Geschichte zu begeistern, mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ehren. Herzlichen Glückwunsch!“

 

Geboren in Ostpreußen musste Manfred Schukat, Jahrgang 1943, aus Anklam mit seiner Familie flüchten, war für zwei Jahre in einem polnischen Lager interniert, kam schließlich nach Sachsen. Beruflich engagierte er sich als Religionslehrer, Erzieher in einem kirchlichen Proseminar und Prediger der Landeskirchlichen Gemeinschaft in Anklam. Sellering: „Auf diesem langen Weg hat Herr Schukat seine ostpreußischen Wurzeln nie vergessen und sich leidenschaftlich für den Erhalt des kulturellen Erbes der Vertriebenen eingesetzt.“ Nach der Wende habe er sehr schnell Kontakt zur Landsmannschaft Ostpreußen gesucht, dann das erste Treffen mit mehr als 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Anklam organisiert. 1991 gründete er einen Kreisverband des Bundes der Vertriebenen in der vorpommerschen Stadt an der Peene und arbeitet bis heute mit großem Einsatz als dessen Vorsitzender. Seitdem habe er fast 200 Treffen organisiert für Ostpreußen, Pommern, Schlesier und Sudetendeutsche, an denen immer mehrere hundert Besucherinnen und Besucher dabei waren.

Manfred Schukat war einer der Mitbegründer der Landesgruppe Mecklenburg-Vorpommern der Landsmannschaft Ostpreußen und von Anfang an Vorstandsmitglied, seit 2002 Vorsitzender, 1998 bis 2001 im Bundesvorstand der Landsmannschaft Ostpreußen. Sellering: „Ein langjähriges Engagement verbindet Herr Schukat auch mit den in der Heimat verbliebenen Ostpreußen. Er organisiert privat Hilfstransporte und Fahrten ins ehemalige Ostpreußen und sucht dort Kontakt zur polnischen, russischen oder litauischen Bevölkerung, lädt sie auch nach Mecklenburg-Vorpommern ein. Herr Schukat ist ein „Brückenbauer“, der sich große Verdienste um die Aussöhnung mit unseren östlichen Nachbarn erworben hat.“ Darüber hinaus habe er sich in Anklam 16 Jahre für die CDU als Stadtvertreter engagiert.

Der Ministerpräsident: „Heute wird Herr Schukat mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland in Würdigung seiner ehrenamtlichen Arbeit, insbesondere seines langjährigen engagierten Beitrags für eine friedliche Aussöhnung und Verständigung der Völker in Europa geehrt. Herzlichen Glückwunsch!“

Seit Jahrzehnten engagiert sich der Schweriner Rolf Steinmüller, Jahrgang 1940, in seiner Heimatstadt. Sein besonderer Einsatz galt dem Obstbauverband, seit über 40 Jahren ist er in der Schweriner Kommunalpolitik „eine prägende Persönlichkeit und engagiert sich auch in der Volkssolidarität.“ Als studierter Diplomgärtner habe er zu DDR-Zeiten einen Obstbauverband der drei Nordbezirke gegründet und war dessen Vizepräsident. Lange Jahre habe er nach der Wende den neuen Verband Mecklenburger Obst und Gemüse mit aufgebaut und „wichtige Impulse für den Gartenbau in unserem Land gegeben. Heute ist er ein geachtetes Ehrenmitglied seines Verbandes.“

Sein zweites großes Feld habe der Ausgezeichnete in der Schweriner Lokalpolitik gefunden. Seit 1976 ist er mit einer kurzen Unterbrechung Mitglied der Schweriner Stadtvertretung, zuerst für die Demokratische Bauernpartei, nach der Wende für die Unabhängigen Bürger. 1999 und 2004 wurde er als Einzelbewerber gewählt. „Das zeigt, welch große Anerkennung er sich in seiner Heimatstadt Schwerin erworben hat“, betonte der Ministerpräsident.

Unermüdlich sei sein Engagement für die BUGA 2009 im Aufsichtsrat der Betreibergesellschaft genauso wie als ehrenamtlicher Standbetreuer gewesen. Dazu die Arbeit im Kleingartenbeirat und in Ortsbeiräten.

Sein besonderes Engagement galt immer der Bewahrung von Natur und Umwelt. Rolf Steinmüller pflege aus Eigeninitiative Grünanlagen und Bäume, kümmere sich um Rabatten und Beete für ein angenehmes Lebensumfeld. Sellering: „Zu unserem Stadtbild gehört Rolf Steinmüller wie selbstverständlich dazu. Er ist ein wahres Schweriner Urgestein.“

Als einer der Erstunterzeichner des „Bündnisses für ein friedliches und weltoffenes Schwerin“ habe er ein klares Signal gesetzt für ein friedliches Zusammenleben in der Stadt. Rolf Steinmüller betreut darüber hinaus zwei Gruppen der Volkssolidarität, ist Ansprechpartner und Helfer, macht Einkäufe, organisiert Ausflüge.

Der Ministerpräsident: „Eine wirklich große, selbstlose Hilfe im Stillen, ein Einsatz für Mitmenschlichkeit im Kleinen. Herr Steinmüller wird geehrt für sein jahrzehntelanges kommunalpolitisches und gesellschaftliches Engagement für seine Stadt, für die Menschen seiner Heimatstadt, für den Zusammenhalt. Das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ist die verdiente Würdigung. Herzlichen Glückwunsch!“