Technologiepolitische Schwerpunkte

Im Februar 2013 hat Wirtschaftsminister Harry Glawe die „Technologiepolitischen Schwerpunkte 2014 – 2020“ vorgestellt.

Diese Schwerpunkte sind:

1. Konzentration der Technologiepolitik auf die sechs Zukunftsfelder: Energie und Klima, Nachhaltige Produktionstechniken und neue Werkstoffe, Gesundheit/Life Science, Ernährung, Mobilität, Information und Kommunikation

Ausgehend von einer Stärke- und Schwächeanalyse Wirtschaft - Wissenschaft wurden für Mecklenburg-Vorpommern sechs Zukunftsfelder herausgearbeitet. Für diese national und international bedeutsamen Bereiche werden Entwicklungspläne erarbeitet, die die Grundlage für die zukünftige Technologieförderung und Technologiepolitik bilden. Durch die gemeinsame strategische Planung von Wirtschaft und Wissenschaft werden konkrete Maßnahmen für Forschungs- und Entwicklungsvorhaben etabliert. Ziel ist es, zahlreiche neue innovative, attraktive und zukunftsfähige Arbeitsplätze schaffen.

2. Der Strategierat Wirtschaft/Wissenschaft bestimmt maßgeblich die Forschungs- und Technologiepolitik für die Zukunft

Dem 2010 gegründeten Strategierat gehören Vertreter der fünf Wirtschaftskammern, der Hochschulen, außeruniversitärer Forschungseinrichtungen, der Technologiezentren und der vier Ministerien für Wirtschaft, Bildung, Energie und Landwirtschaft an. Der Strategierat wird durch den Staatssekretär im Wirtschaftsministeriums Dr. Stefan Rudolph geleitet und bestimmt die Ausrichtung der wirtschaftsnahen Forschung im Land maßgeblich mit, treibt die Technologieoffensive voran und sorgt für eine breite Öffentlichkeitsbeteiligung. Für jedes der sechs Zukunftsfelder werden im Rahmen einzelner Arbeitsgruppen externe Fachleute hinzugezogen und Netzwerke genutzt.

3. Kofinanzierung des Landes von erfolgversprechenden Projekten, die durch den Bund gefördert werden

Der Bund unterstützt Forschung und Wissenschaft in erheblichem Umfang und gibt damit der Innovation entscheidende Impulse. Es wurden erfolgversprechende ostdeutsche "Zentren für Innovationskompetenz" als auch die Projekte im Rahmen der "Spitzenforschung Neue Bundesländer" in Mecklenburg-Vorpommern durch den Bund mit erheblichen finanziellen Mitteln unterstützt. Das Land ist hier ebenso finanziell beteiligt. Das besonders praxisnahe und sehr erfolgreiche Projekt "REMEDIS – Höhere Lebensqualität durch neuartige Mikroimplantate" wurde durch die Universität Rostock eingeworben. Damit weitere exzellente Spitzenforschung vorangetrieben und regionale Netzwerke ausgebaut werden können, will auch das Land bei besonders wirtschaftsrelevanten Projekten zukünftig Unterstützung gewähren.

4. Weiterführung der Verbundforschung

Kleine und mittlere Unternehmen bestimmen die Wirtschaft im Land. Ihnen fehlt meist das Geld für eigene Entwicklungen. Sie brauchen finanzielle Hilfe und enge Kontakte zu Forschungseinrichtungen in MV. Seit 2008 wird deshalb die Verbundforschung besonders gefördert. So werden Wirtschaft und Wissenschaft angeregt, verstärkt zu kooperieren und wettbewerbsfähige Produkte oder Verfahren zu entwickeln. Dafür standen in der EU-Förderperiode 2007 bis 2013 insgesamt 155 Millionen Euro zur Verfügung. Die Mittel wurden fast vollständig bewilligt, 813 Projekte wurden bisher unterstützt. Mit 168 Millionen Euro für wirtschaftsnahe Forschung und Entwicklung wird die Förderung der Verbundforschung auch in der Strukturfondsperiode 2014 bis 2020 als ein wesentlicher Schwerpunkt weitergeführt.

5. Forschungs- und Entwicklungsförderung des Mittelstandes durch den Bund auf hohem Niveau fortsetzen

Das Zentrale Innovationsprogramm für den Mittelstand (ZIM) des Bundes ermöglicht eine technologie- und branchenoffene Förderung von Unternehmen und mit ihnen kooperierenden Forschungseinrichtungen. Für Projekte, die zu neuen Produkten und Produktionsverfahren führen, gibt es schnell und unbürokratisch finanzielle Unterstützung. Das hilft, Wettbewerbsnachteile der kleinteiligen Wirtschaft in den neuen Ländern zu kompensieren. Mit einer Quote von 42 Prozent bekommen die ostdeutschen Bundesländer einen überproportional hohen Anteil der Fördersumme. Diese Innovationsförderung für den Mittelstand muss auf hohem Niveau gesichert und eine hohe Quote für die neuen Bundesländer beibehalten werden.

6. Risikokapital für Forschung und Entwicklung

Technologieunternehmen bedürfen aufgrund ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung einer besonderen Unterstützung. Das soll durch eine stärkere Verzahnung von Zuschüssen und öffentlich gefördertem Risikokapital gelingen und zusätzlich privates Beteiligungskapital für diese Unternehmen mobilisieren. Rückflüsse aus erfolgreichen Engagements können somit zukünftig die Finanzierung weiterer innovativer Vorhaben sichern.

7. Aufbau von zwei Kompetenzzentren für Forschung und Entwicklung sowie für die Anwendung innovativer Technologien im Land

Nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum lässt sich nur mit einer leistungsstarken Forschungsinfrastruktur erreichen. Motiviertes und gut ausgebildetes Personal ist ebenso notwendig wie moderne Geräte. Die angewandte Wissenschaft muss auf die Bedürfnisse der regionalen Wirtschaft und deren Stärken ausgerichtet sein, auf Biotechnologie oder Medizintechnik zum Beispiel. Die Zulassung neuer Medizinprodukte etwa erfordert umfängliche Vorleistungen, die mittelständische Unternehmen meist nicht bringen können. Deshalb sollen für Medizintechnik und Biotechnologie zwei Anwendungszentren im Land aufgebaut werden, je eines in Mecklenburg und Vorpommern.

8. Unterstützung des weiteren Ausbaus von Technologiezentren und Technologieparks

Technologiezentren bieten beste Voraussetzungen für Kooperationen zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen. In den 20 Zentren des Landes haben sich bislang 450 Firmen eingemietet, sie beschäftigen 3.000 Menschen. Gerade junge Unternehmen finden gute Startbedingungen. Die bestehenden Technologiezentren sollen weiter zu spezialisierten Einrichtungen ausgebaut werden, um noch gezielter die Unternehmen in MV in den Zukunftsfeldern nachhaltig zu unterstützen. Die aus den Technologiezentren ausziehenden Unternehmen sollen im Land bleiben und sich in die angrenzenden Technologieparks ansiedeln.

9. Unterstützung der Schutzrechtsaktivitäten der Wirtschaft und Entwicklung von Strategien, die sicher stellen, dass die Schutzrechte der Forschungseinrichtungen besser für die regionale Wirtschaft genutzt werden können

Die drei wesentlichen Ursachen für den geringen Anteil der Wirtschaft an Patentanmeldungen sind die geringe Industriedichte, die Kleinteiligkeit der Wirtschaftsstruktur und der Standort von Entwicklungsabteilungen entscheidender Unternehmen an deren Stammsitzen außerhalb des Landes. Darum sollen Anmeldungen für Schutzrechte zukünftig auch in MV prioritätssichernd entgegengenommen werden können. Ebenso müssen Patentanmeldungen der Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen besser als bisher von der Wirtschaft genutzt werden.

10. Aufbau einer Kommunikationsplattform für Forschung und Entwicklung zugunsten von Wirtschaft und Wissenschaft im Land

Viele junge und innovative Technologieunternehmen sind bereits im Land aktiv. Doch zu oft noch nebeneinander und nicht miteinander. Damit werden mögliche Synergie-Effekte wie auch die positive Wirkung erfolgreicher Beispiele oftmals verschenkt. Deshalb müssen sowohl die Technologiestrategie des Landes, die Verbundforschungsprojekte als auch die Erfolge einzelner Unternehmen konsequenter kommuniziert werden, dies auch überregional. Das Land hat mehr zu bieten als gemeinhin bekannt. Wirtschaft und wirtschaftsnahe Wissenschaft bedürfen einer gemeinsamen Kommunikationsplattform, die an den Bedürfnissen der Wirtschaft ausgerichtet ist.

11. Start einer Technologieoffensive im Handwerk

Das Handwerk ist eine tragende Säule der Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern. Es wächst stärker als die Gesamtwirtschaft und erwartet eine weiterhin positive Entwicklung. Ungeachtet dessen, halten auch neue Methoden und Technologien im Handwerk Einzug, moderne Messtechnik etwa oder hocheffektive Montage- und Fertigungsverfahren. Das Wirtschaftsministerium will diesen Trend unterstützten. Deshalb wird es mit den Handwerkskammern in einer "Technologieoffensive Handwerk M-V" Modellvorhaben fördern, bei denen Forschungseinrichtungen passgenau und unbürokratisch den Handwerksfirmen technologische Unterstützung gewähren. Das wissenschaftliche Know-how des Landes muss dem Handwerk – gleich dem verarbeitenden Gewerbe – zur Verfügung stehen. Eine Evaluierung der Modellvorhaben ist vorgesehen.

12. Durchführung von Wettbewerben mit dem Ziel, die Entwicklung von international wettbewerbsfähigen Produkten in den sechs Zukunftsfeldern bestmöglich zu fördern

Das verarbeitende Gewerbe in Mecklenburg-Vorpommern verzeichnete im Jahr 2013 zum Vorjahr ein Umsatzplus von 1,4 Prozent. Doch trotz dieser Zuwachsrate bleibt der Anteil der Industrie an der Bruttowertschöpfung im Land noch immer weit hinter dem Bundesdurchschnitt zurück. Deshalb sind Unternehmenserweiterungen und die Ansiedlung neuer Unternehmen unerlässlich. Es bedarf noch mehr innovativer, international marktfähiger Produkte in MV. Das Wirtschaftsministerium wird daher Anreize schaffen, mittels Wettbewerben das Engagement von Wirtschaft und Wissenschaft zu erhöhen, anwendungsorientierte Forschungsprojekte in den für das Land ausgewiesenen sechs Zukunftsfeldern voranzutreiben. Die Wissenschaft soll verstärkt Verantwortung für die Entwicklung der regionalen Wirtschaft übernehmen.

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Publikationen

Regionale Innovationsstrategie 2020 für Mecklenburg-Vorpommern

Die Regionale Innovationsstrategie 2020 ist das Resultat eines partnerschaftlichen Dialogs zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Politik. MV legt mit dieser Strategie erstmals ein strategisches Gesamtkonzept für die Gestaltung der Förderpolitik bis 2020 vor. Die Innovationsstrategie definiert Prioritäten zur Förderung von Forschung, Entwicklung und Innovation, die sich an den spezifischen Besonderheiten des Landes orientieren.

Die Vorlage einer Regionalen Innovationsstrategie für intelligente Spezialisierung ist zugleich Voraussetzung, um Fördermittel aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) zu erhalten. Die Regionale Innovationsstrategie 2020 zielt darauf ab, MV als Forschungs- und Technologiestandort weiter zu profilieren und Schwerpunkte in der Förderpolitik für die nächsten Jahre zusetzen.

Strategierat Wirtschaft – Wissenschaft Mecklenburg-Vorpommern

Dem Strategierat Wirtschaft – Wissenschaft Mecklenburg-Vorpommern gehören alle relevanten Akteure und Ministerien des Landes auf dem Gebiet der Förderung von Forschung, Entwicklung und Innovation im Land an. Der Strategierat hat die von der Europäischen Kommission genehmigte "Regionale Innovationsstrategie 2020 für das Land Mecklenburg-Vorpommern" (RIS) erarbeitet. Damit liegt erstmals ein strategisches Gesamtkonzept für die Gestaltung der Förderpolitik in MV bis 2020 vor.

Die Umsetzung der RIS wird durch den Strategierat Wirtschaft – Wissenschaft MV begleitet. Die Regionale Innovationsstrategie 2020 zielt darauf ab, MV als Forschungs- und Technologiestandort weiter zu profilieren und Schwerpunkte in der Förderpolitik für die nächsten Jahre zusetzen.

Hausanschrift
Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Mecklenburg-Vorpommern
Abteilung 3
Referat 310 - Technologie
Johannes-Stelling-Straße 14
19053 Schwerin
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Ralf Svoboda
Telefon: 0385-588 5310
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