Gender Mainstreaming ist eine Strategie oder Methode, mit der strukturelle Ungleichheiten für Frauen und Männer im alltäglichen Leben hinterfragt, sichtbar gemacht und ihre Ursachen beseitigt werden. Mit der Methode des Gender Mainstreaming hat die Politik ein Instrument an die Hand bekommen, das geeignet ist, Demokratie und soziale Gerechtigkeit für beide Geschlechter fortzuentwickeln.
Das Gender Mainstreaming-Konzept wurde 1995 auf der 4. Weltfrauenkonferenz entwickelt. Die Europäische Kommission hat 1997 begonnen, Frauen- und Gleichstellungspolitik in alle Politikfelder zu integrieren. Der Vertrag von Amsterdam von 1999, Artikel 3, hat die Gemeinschaft verpflichtet, das Prinzip des Gender Mainstreaming auf europäischer Ebene anzuwenden. Die konkrete Umsetzung ist jedoch ein komplizierter, langwieriger Prozess, der verschiedener Voraussetzungen bedarf.
Gender Mainstreaming geht davon aus, dass sich die Lebenswirklichkeit von Frauen und Männern in vielen Bereichen unterscheidet. Deshalb sind politische Entscheidungen selten geschlechtsneutral. Politische Maßnahmen und Entscheidungen, die zunächst geschlechtsneutral erscheinen, können unterschiedliche Auswirkungen auf Frauen und Männer haben. Deshalb soll von Anfang an bei allen Problemanalysen, politischen Entscheidungen und konzeptionellen Überlegungen geprüft werden, ob und wie Frauen und Männer betroffen sind. Das Ergebnis fließt dann in die Entscheidung ein.
Eine Übersetzung ist schwierig, denn die englische Sprache unterscheidet den deutschen Begriff "Geschlecht" in zweierlei Weise, und zwar: Sex und Gender. Sex steht für die biologischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen und Gender beschreibt die soziale Rolle der Geschlechter, ihre gesellschaftliche Rollenzuweisung, Stereotype und Vorurteile über Männer und Frauen. Mainstreaming bezeichnet den Prozess der Umsetzung. Um die Methode des Gender Mainstreaming anwenden zu können, müssen alle Beteiligten über diese Methode gut informiert sein und in ihrem Arbeitsbereich dafür qualifiziert werden.
Die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern hat 2000 beschlossen, Gender Mainstreaming (GM) in der Verwaltung anzuwenden. (Gleichstellungskonzeption der Landesregierung, Juli 2000 M-V). Dazu wurde ein Programm zur Implementierung von GM gestartet; das in den Jahren 2001-2003 in einigen ausgewählten Ministerien erfolgreich angewendet und abgeschlossen wurde. Ergebnis war ein Leitfaden zur Implementierung von GM in Mecklenburg-Vorpommern, Juni 2002. Im Herbst 2003 wurden für die Leitungsebene in den übrigen Ministerien Sensibilisierungsveranstaltungen durchgeführt. Dabei ging es insbesondere um die Mobilisierung und Sensibilisierung zentraler Akteurinnen in den Ministerien. Ziel sollte sein, dass durch die Ministerien eigene Pilotprojekte initiiert werden.