Nr. 41 - 13.04.2010 - IM - Innenministerium
Das Verkehrssicherheitskonzept der Landesregierung für die Jahre 2009 bis 2013 sieht als zentrales Ziel vor, "das Risiko für Leib und Leben aller Verkehrsteilnehmer trotz steigenden Verkehrsaufkommens zu minimieren und Verkehrsunfälle zu verhindern". "Dieses Ziel haben wir im Jahr 2009 in einigen wichtigen Bereichen erreicht, aber leider nicht in allen", so Innenminister Lorenz Caffier. "Zwar ging die Gesamtzahl der schweren Unfälle, bei denen Menschen schwer verletzt oder getötet wurden, weiter zurück. Aber es wurden mehr Menschen im letzten Jahr bei Verkehrsunfällen getötet als im Jahr 2008."
I. Die Verkehrsunfallentwicklung stellt sich im Einzelnen wie folgt dar:
Die Gesamtzahl der Unfälle stieg im Vergleich zum Jahr 2008 um 0,8 Prozent auf 58.210 (2008: 57.734). Diese Steigerung ergibt sich aus der um 1,3 Prozent höheren Zahl der Verkehrsunfälle mit Sachschaden.
Bei der Anzahl der Unfälle mit Personenschaden ist ein Rückgang um 3 Prozent zu verzeichnen. Damit liegt Mecklenburg-Vorpommern genau im Bundestrend. Die Zahl der bei diesen Unfällen verunglückten Personen sank in unserem Land von 6.421 auf 6.229 um 4,5 Prozent und damit deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt.
Bei den Getöteten setzt sich diese an sich positive Tendenz jedoch nicht fort. Starben im Jahr 2008 132 Menschen bei Verkehrsunfällen, waren es im vergangenen Jahr 155 Personen, 17,4 Prozent mehr. "Diese Entwicklung hat uns über das Jahr Sorgen bereitet. Bei der Auswertung der Verkehrsunfälle mit tödlichem Ausgang haben wir allerdings keine spezifischen Besonderheiten festgestellt, die die Landespolizei veranlassen müssten, ihre präventiven und repressiven Maßnahmen anders als bisher auszurichten", so der Minister. "Die Gründe für die Steigerung bei den Getöteten sind einerseits die erhöhte Anzahl an Verkehrsunfällen mit gleich mehreren Getöteten sowie die gestiegene Zahl der Baumunfälle."
Die Zahl der Schwerverletzten ist jedoch von 1.607 auf 1.470, also um 8,5 Prozent gesunken. Ebenfalls abgenommen hat die Zahl der Leichtverletzten im vergangenen Jahr - mit 6.328 Leichtverletzten wurde ein Rückgang zum Vorjahr um 4,0 Prozent registriert. Die Gesamtzahl der Unfälle mit schweren Personenschäden (Schwerverletzte und Getötete zusammen) ist weiter gesunken.
Verkehrsunfalltendenzen im Bundesvergleich 2009
Durch die deutliche Steigerung bei den Verkehrsunfalltoten hat Mecklenburg-Vorpommern die höchste Zahl der Getöteten je eine Million Einwohner bundesweit. Diese Zahl ist eine Vergleichsgröße, der sich unser einwohnerarmes Land stellen muss. Wenn allerdings die überörtlichen Straßenkilometer auf Autobahnen, Bundes-, Landes- und Kreisstraßen bei der Vergleichszahl zugrunde gelegt werden, ergibt sich ein differenzierteres Bild. Hier ist Mecklenburg-Vorpommern unter dem Bundesdurchschnitt im Mittelfeld zu finden. Bei einem Vergleich der Anzahl der Verunglückten bezogen auf die überörtlichen Straßenkilometer stellt sich die Situation noch etwas günstiger dar. "Ich erwähne das, weil ein Bundesvergleich bezogen allein auf die Einwohnerzahl für ein einwohnerschwaches Land immer das reale Bild verzerrt. Und für das Tourismusland Mecklenburg-Vorpommern ist es wichtig hervorzuheben: unsere Straßen sind nicht unsicherer als anderswo", erläuterte Minister Caffier.
Getötete und verletzte junge Fahrerinnen und Fahrer (18 - 25-Jährige)
Die Anzahl der getöteten jungen Fahrer ist leicht angestiegen (2008: 32; 2009: 33), ihr Anteil an der Gesamtzahl der Getöteten ist jedoch von 24 auf 21 Prozent gesunken. Deutlich gesunken ist in dieser Altersgruppe sowohl die Zahl der Schwerverletzten (2008: 418; 2009: 351) als auch ihr Anteil an der Gesamtzahl der Schwerverletzten. Trotzdem ist diese Altersgruppe immer noch überproportional zu ihrem Bevölkerungsanteil, der rund 10 % beträgt, an Unfällen beteiligt. Deshalb wird diese Altersgruppe auch weiterhin eine besondere Zielgruppe polizeilicher Arbeit bleiben. Dies beinhaltet sowohl präventive als auch repressive Maßnahmen.
Verunglückte bei Disco-Unfällen
Hierzu gehören alle Unfälle mit Personenschaden, bei denen der Hauptverursacher 16 bis 25 Jahre alt war und sich der Unfall im Zeitraum von Freitag bis Sonntag sowie vor bzw. an gesetzlichen Feiertagen jeweils von 20.00 bis 06.00 Uhr ereignet hat.
Bei den sogenannten Disco-Unfällen starben im vergangenen Jahr 14 Verkehrsteilnehmer. Das waren ebenso viele wie 2008, jedoch sank die Zahl der Schwerverletzten von 125 im Jahr 2008 auf 81 im Jahr 2009 um 44, also um rund ein Drittel.
Unfälle mit Baumkollisionen
Im Jahr 2009 starben 66 Verkehrsteilnehmer an den Folgen von Unfällen mit Baumkollision (2008: 46). Damit stieg der Anteil der tödlich Verunglückten bei Baumunfällen von knapp 35 % im Jahr 2008 auf fast 43 % im Jahr 2009. Die Verkehrsüberwachung durch die Polizei und Kommunen in den Alleen wurde in den vergangenen Jahren durch bauliche Maßnahmen ergänzt. Derzeit sind ca. 720 km Straße mit Baumbestand mit Schutzplanken gesichert und es wird laufend geprüft, ob es weiteren Bedarf gibt. So wurden im März dieses Jahres durch die Polizeidienststellen des Landes die Baumunfälle der letzten fünf Jahre zusammengestellt und an das Landesamt für Straßenbau und Verkehr für eine erneute Bedarfsanalyse übergeben.
Getötete und Schwerverletzte bei Unfällen mit der Ursache Alkohol
Im Jahr 2009 wurden wiederum weniger Personen bei Alkoholunfällen getötet oder schwerverletzt als im Vorjahr. Der Rückgang bei den Schwerverletzten ist besonders signifikant, hier wurden insgesamt 51 Schwerverletzte (also über 20 Prozent) weniger registriert.
Hauptunfallursachen von Unfällen mit Personenschaden und schwerwiegenden Unfällen mit Sachschaden
Die Rangfolge der Hauptunfallursachen hat sich in den letzten Jahren nicht verändert. Nach wie vor ist die nicht angepasste bzw. überhöhte Geschwindigkeit Unfallursache Nummer eins in Mecklenburg-Vorpommern, sie ist sogar wieder etwas mehr in den Vordergrund getreten. Die anderen Hauptunfallursachen wie Nichtbeachten der Vorfahrt, Fahren unter Alkohol, Abstandsfehler oder falsches Überholen sind anteilig zurück gegangen
II. Verkehrsüberwachung
Die Landespolizei orientiert sich im Wesentlichen an den Hauptunfallursachen und konzentriert ihre Verkehrsüberwachung vorrangig dort, wo es Gefahrenstellen gibt und wo es zu Unfallhäufungen kommt. Darüber hinaus sind auch die analysierten Unfallzeiten maßgeblich. "Außerdem setzt die Landespolizei zunehmend auf Anhaltekontrollen, weil dabei einerseits unmittelbar nach dem Verstoß die polizeiliche Reaktion erfolgt und andererseits komplexe Überprüfungen von Fahrzeugführern und deren Fahrzeuge möglich sind", so Minister Caffier.
Verkehrsüberwachung der Landespolizei im Jahr 2009
Die Zahl der durch die Landespolizei festgestellten Ordnungswidrigkeiten insgesamt ist gesunken, ebenso die Zahl der Ordnungswidrigkeiten "Geschwindigkeit". Bei Anhaltekontrollen wurde in fast 66.000 Fällen die Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit angezeigt. Insgesamt wurden in über 185.000 Fällen Ordnungswidrigkeitenverfahren wegen Geschwindigkeitsverstößen eingeleitet. In den unfallbelasteten Alleen wurden im Jahr 2009 mehr als 38.300 (20,7%) Geschwindigkeitsüberschreitungen zur Anzeige gebracht.
Gurt und Rückhaltesysteme
Das korrekte Nutzen von Rückhaltesystemen kann schwere Unfallverletzungen verhindern. Darum setzt die Landespolizei hier einen Schwerpunkt polizeilicher Arbeit. Fast 13 Prozent der Ordnungswidrigkeiten werden in diesem Bereich festgestellt.
Alkoholdelikte
Bei 71.612 Fahrzeugführern (+10,1%) wurden im Jahr 2009 Alkoholvortests durchgeführt. Insgesamt wurden 1.452 Delikte (-3,5%) als Verkehrs-Ordnungswidrigkeiten zur Anzeige gebracht, bei 2.809 Alkoholdelikten (-10,5%) wurde Strafanzeige erstattet. Die anhaltenden polizeilichen Kontrollmaßnahmen scheinen erfolgreich zu sein, da weniger Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss und weniger Verstöße festgestellt wurden.
Einfluss anderer berauschender Mittel (z.B. Drogen, Rauschgift)
Immer häufiger kontrolliert die Polizei Fahrzeugführer auf Drogenbeeinflussung, so wurden im Jahr 2009 mehr als doppelt so viele Drogenvortests (4.158) durchgeführt wie 2008 (1.966). Die Zahl der festgestellten Ordnungswidrigkeiten und Straftaten stieg von 734 auf 945, also um 28,7 Prozent.
"Wir werden den Kontrolldruck auf Raser sowie Alkohol- und Drogensünder weiterhin sehr hoch halten und so folgenschweren Unfällen entgegenwirken", so Innenminister Caffier.
Anlagen:
Pressemitteilung (
, 105 KB)
VKU 2009_LPK_Präsentation.pdf (
, 1,4 MB)
Präsentation VKU 2009