In der Gesellschaft herrschen noch immer tradierte Rollenmuster vor: Frauen werden typische Eigenschaften wie fleißig, fürsorglich, hilfsbereit und gefühlvoll zugeschrieben. Jungen dagegen erfahren nach wie vor, dass "Mann" Haupternährer der Familie sei sowie karrierebewusst, leistungsorientiert, stark und cool zu sein habe. Diese klischeebelasteten Geschlechterrollen werden in der Familie gefestigt, durch Medien bestärkt und auch in der Schule in Form des "heimlichen Lehrplanes" vermittelt.
Statistiken belegen, dass Mädchen die besseren schulischen Leistungen erbringen. Doch dies spiegelt sich nicht in ihrer beruflichen Entwicklung wider. Im Berufsfindungsprozess reduzieren Mädchen ihre Berufswahl überwiegend auf zehn sogenannte frauentypische Berufe wie Verkäuferin, Bürokauffrau oder Friseurin. Damit haben sie weniger Aufstiegsmöglichkeiten, weniger Arbeitsplatzsicherheit und ein geringeres Einkommen. Dies wiederum hat im späteren Lebensverlauf zur Folge, dass Frauen häufiger von Altersarmut betroffen sind als Männer. Jungen hingegen beziehen soziale oder erzieherische Berufe wie Altenpfleger oder Erzieher kaum in ihre Berufswahl ein oder trauen sich nicht, diese als typische Frauenberufe geltenden Tätigkeiten zu wählen. Um dieses von Geschlechtsrollenstereotypen geprägte Berufswahlverhalten aufzubrechen, wurden verschiedene Projekte wie zum Beispiel das Berufsorientierungsprojekt "Berufe haben (k)ein Geschlecht" initiiert. Darüber hinaus werden von der Landesregierung die Koordinierung des bundesweiten Girls' Day - Mädchenzukunftstages in Mecklenburg-Vorpommern und des JungsTag MV unterstützt.
Während am Girls' Day im April Mädchen Berufe in Technik, Naturwissenschaft und Handwerk entdecken, sollen die Jungen im Herbst durch den JungsTag MV angeregt werden, unabhängig von Rollenbildern individuelle Lebenspläne zu entwickeln. Zudem wird an diesem Aktionstag der Blickwinkel von Jungen auch auf Berufe in Pflege, Erziehung und Dienstleistung gelenkt.