Wie die Anschrift verrät, befindet sich das Gebäude der Landesvertretungen Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns auf der Fläche der ehemaligen "Ministergärten". Sie trugen ihren Namen nach den Gärten hinter den Reichs- und Preußischen Ministerien in der Wilhelmstraße. Der Zweite Weltkrieg und die Folgen der Teilung Deutschlands ließen von den einst weiträumigen Gärten nichts übrig.
Die Wilhelmstraße wurde 1732 unter dem preußischen König Friedrich Wilhelm als Erweiterung der älteren Friedrichstadt angelegt. Die Grundstücke zwischen der Leipziger Straße und dem Pariser Platz wurden an führende Hofbeamte verteilt und von diesen mit repräsentativen Gebäuden bebaut. Aus dieser Zeit stammen sieben palaisartige Wohngebäude, hinter denen sich die dazugehörigen Gärten – die "Palaisgärten" – in schmalen Streifen erstreckten. Bis in das frühe 19. Jahrhundert hinein blieb diese Gegend das bevorzugte Wohnquartier des Beamten- und Militäradels.
Mit der Veränderung der Friedrichstadt hin zum Kerngebiet der Stadt in der Mitte des 19. Jahrhunderts änderte sich die Bedeutung der Wilhelmstraße. Sie entwickelte sich vom politischen Zentrum Preußens hin zum politischen Machtzentrum Deutschlands.
Im Laufe des Jahrhunderts siedelte sich die "hohe Politik" in der Straße an, angefangen mit dem Preußischen Justizministerium, das bereits 1799 das Gebäude Wilhelmstraße 74 aufkaufte. 1819 folgte das Ministerium des Auswärtigen. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden dann Stück für Stück auch die übrigen Liegenschaften in der Straße von Ämtern und Ministerien vereinnahmt – darunter das Preußische Staatsministerium, der Dienstsitz Bismarcks, später die Reichskanzlei, das Reichsamt des Innern und das Ministerium des Königlichen Hauses. Die ehemaligen "Palaisgärten" wurden somit zu "Ministergärten". Die Gärten blieben jedoch aufgrund der Bedeutung der hier ansässigen Institutionen der Öffentlichkeit vorenthalten.
Sitz der Ministerien blieb die Wilhelmstraße auch nach 1918. Nach dem Ende der Monarchie wurde das Gebäude Wilhelmstraße 72, das vorher als Wohnsitz der Hohenzollern-Prinzen diente und als einziges Anwesen der Straße noch nicht der Verwaltung, zum Sitz des Reichsernährungsministeriums. Aus dem vorherigen "Ministerium des Königlichen Hauses" wurde der Sitz des Reichspräsidenten.
Nach der Machtergreifung 1933 und Hitlers "Einzug" in die Reichskanzlei kamen die Reichsleitung der NSDAP und das neu geschaffene "Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda" am Wilhelmplatz hinzu. Die "Ministergärten" wiederum wurden nach dem Bau der "Neuen Reichskanzlei" ab 1940 als Tarnung für ein weit verzweigtes unterirdisches Bunkersystem genutzt.
Im Laufe des Zweiten Weltkrieges war die Gegend um die Wilhelmstraße aufgrund der hier angesiedelten Entscheidungsträger ein Hauptziel der alliierten Luftangriffe. Auch im Häuserkampf der letzten Tage wurden viele Gebäude schwer beschädigt, die Parkanlagen völlig verwüstet. Nach Kriegsende wurden die "Ministergärten" systematisch abgerissen. Die verwertbaren Materialien aus den Trümmern der Neuen Reichskanzlei und der umliegenden Ministerien wurden für den Wiederaufbau genutzt, die Bäume aus den Gärten von der Bevölkerung in den kalten Nachkriegswintern abgeholzt. Alle noch vorhandenen Gartenreste inklusive der Einfriedungen verschwanden.
Nach dem Bau der Mauer am 13. August 1961 wurde dann jede Aussicht auf einen Wiederaufbau illusorisch: Die Grenze zu Westberlin verlief entlang der Ebertstraße und dort, wo vorher die Gartenanlagen waren, wurde eine zweite Mauer gezogen. Das gesamte Areal der ehemaligen "Ministergärten" wurde zum Sperrgebiet erklärt. Die ehemalige Wilhelmstraße erhielt den Namen Otto-Grotewohl-Straße und wurde – im Zuge der "Revitalisierung der Friedrichstadt" – ab 1987 mit Plattenbauwohnungen zu einem innerstädtischen Wohngebiet umfunktioniert. In diesem Zusammenhang wurden auch die alten Bunkeranlagen nach über 40 Jahren abgetragen.
Nichts in der Wilhelmstraße und auf dem Block der ehemaligen "Ministergärten" erinnert mehr an die Geschichtsdimension des Ortes. Nach der Kriegszerstörung der Bauten wurde der bis dahin noch erkennbare Stadtgrundriss mit seinen strukturbildenden Elementen ausgelöscht. Mit dem Bau der sieben von 16 Landesvertretungen in den ehemaligen "Ministergärten" ist nun ein Weg beschritten worden, der geeignet erscheint, dem geschundenen Ort wieder eine neue, eigene und unverwechselbare Identität zurückzugeben.