Erster Jahreskongress zur politischen Bildung: 120 politische Bildner diskutierten in Rostock neue Herausforderungen und Chancen.

Nr.226 - 08  | 20.10.2008  | BM  | Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur

Unter dem Motto "Politische Bildung im Umbruch?" diskutierten am Samstag, den 18.10.2008, rund 120 Wissenschaftler, Lehrerinnen und Lehrer, politische Bildner und weitere Interessierte neue Herausforderungen und Chancen der politischen Bildung in Mecklenburg-Vorpommern.

 Das Treffen fand auf Einladung der Landeszentrale für politische Bildung, des Instituts für Politik- und Verwaltungswissenschaften der Universität Rostock und der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung unter der Schirmherrschaft des Bildungsministers Henry Tesch an der Universität Rostock statt.

 Bildungsminister Henry Tesch verwies eingangs auf die große Bedeutung, die die Landesregierung der politischen Bildung beimesse: "Politische Bildung ist eine Daueraufgabe: Ein modernes Land braucht weltoffene, aktive Bürgerinnen und Bürger, die sich für ihr Gemeinwesen engagieren. Politische Bildung leistet nicht nur einen wichtigen Beitrag für die Vermittlung der Werte der Demokratie. Das Wissen um die Funktionsweisen der Demokratie und unseres  Verfassungsstaates, die Auseinandersetzung mit unserer schwierigen Geschichte und mit den komplexen Problemen der globalisierten Welt sind gleichzeitig ein wichtiger Bestandteil einer umfassenden Bildung."

 Der Dresdner Politikwissenschaftler Werner Patzelt forderte in seinem Eingangsvortrag die politischen Bildner auf, stärker die Chancen der Globalisierung zu thematisieren. Hinzu treten müsse aber auch die Vermittlung eines aufgeklärten und zivilisierten Patriotismus.

Dr. Jens Korfkamp vom Volkshochschulzweckverband Rheinberg in Nordrhein-Westfalen hob in seinem Statement hervor, dass die politische Bildung die Vermittlung politischen Grundwissens nicht vernachlässigen darf. Ebenso verwies er darauf, dass die politische Bildung sich stärker um politik- und bildungsferne Zielgruppen bemühen müsse.

 In thematischen Arbeitsgruppen diskutierten die Teilnehmer im Anschluss die Möglichkeiten politischer Bildungsarbeit in Gedenkstätten, neue Ansätze der Politikvermittlung und die Schwierigkeiten politische Bildungsarbeit im ländlichen Raum.

 An der abschließenden Podiumsdiskussion nahmen neben Bildungsminister Tesch der Politikwissenschaftler Professor Hubertus Buchstein (Universität Greifswald), Klaus-Dieter Kaiser (Evangelische Akademie Mecklenburg-Vorpommern) und Marion Richter (AG der freien Träger der politischen Bildung in Mecklenburg-Vorpommern) teil. In der Diskussion wurde besonders hervorgehoben, dass eine der Grundaufgaben der politischen Bildung die Vermittlung eines realistischen Bildes von Politik und Demokratie ist. Neben den Chancen und Möglichkeiten, über die der Einzelne in der Demokratie verfügt, müssten stärker auch die Begrenzungen der Demokratie thematisiert werden, um Enttäuschungen aufgrund unrealistischer Erwartungshaltungen vorzubeugen.

 Jochen Schmidt, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern, zeigte sich nach dem Kongress äußerst zufrieden: "Zusammen mit unseren Partnern ist es uns gelungen, einen Diskussionsprozess über die Zukunft der politischen Bildung in Mecklenburg-Vorpommern in Gang zu bringen, der unbedingt fortgesetzt werden muss. Die große Resonanz bestärkt uns in dem Ziel, diesen Jahreskongress zu einer festen Einrichtung werden zu lassen. Politische Bildung kann ihren Beitrag für das Gelingen der Demokratie leisten – eine Grundvoraussetzung dafür ist aber, dass die politischen Bildner selbst ihr Tun immer wieder kritisch reflektieren und ihre Konzepte den veränderten Rahmenbedingungen anpassen."

 In Kürze werden die Beiträge des Kongresses unter www.lpb-mv.de nachzulesen sein.