Hausarztsuche in Mecklenburg-Vorpommern

Glawe: Suche nach Nachfolgern von Hausarztpraxen zunehmend schwieriger – Attraktivitätsprofil von Gemeinden erstellen – weiche Faktoren werden wichtiger

Nr.419/17  | 11.11.2017  | WM  | Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit

Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschafts- und Gesundheitsminister Harry Glawe hat auf der Mitgliederversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern (KVMV) auf das Problem der Suche von Nachfolgern für Hausärzte aufmerksam gemacht. „Trotz vielfältigster Aktivitäten seitens der Bundesregierung, der Landesregierung und gerade auch der Kassenärztlichen Vereinigung gestaltet sich die Suche nach Nachfolgern von Hausarztpraxen zunehmend schwieriger. Mecklenburg-Vorpommern steht bei der Suche nach Hausärzten nicht nur in einem nationalen, sondern mittlerweile in einem internationalen Wettbewerb. Aktuell wird das Versorgungssystem noch von der älteren Ärztegeneration getragen, für die eine 60-Stunden-Woche häufig der Regelfall ist. Das wandelt sich. Gleichzeitig steigt der Mehrbedarf an medizinischer Versorgung der älter werdenden Patienten“, sagte der Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Harry Glawe am Sonnabend in Rostock.

 

125 offene Stellen für Hausärzte

Momentan gibt es im Bereich der ambulanten medizinischen Versorgung 2.442 niedergelassene Ärzte in M-V, davon 984 Hausärzte (einschließlich hausärztlich tätige Internisten). Im Bedarfsplan zur vertragsärztlichen Versorgung der KVMV sind 125 offenen Stellen für Hausärzte angegeben. Insbesondere durch die Lehrstühle für Allgemeinmedizin an der Universitätsmedizin Rostock und Greifswald ist es gelungen, die Zahl der in Weiterbildung befindlichen Allgemeinmediziner auf mittlerweile ca. 120 im Land zu steigern. Das geschieht auch durch die zusätzliche Qualifikation, die durch das Kompetenzzentrum für Allgemeinmedizin angeboten wird. „Wichtig ist, dass möglichst viele der Allgemeinmediziner sich für eine Tätigkeit in Mecklenburg-Vorpommern entscheiden“, so Glawe weiter.

 

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Der Gesundheitsminister erläuterte, dass mittlerweile ca. zwei Drittel der Medizinstudenten weiblich sind. „Es wird bei der Nachwuchsgewinnung in Zukunft insbesondere darauf ankommen, die Hausarztsitze so auszugestalten, dass neben der Arbeit für die jungen Ärztinnen genügend Zeit verbleibt, um sich um ihre Familien zu kümmern. Es sollte daher daran gedacht werden, den jungen Ärztinnen ein Zeitmanagement zu ermöglichen, das ihren Bedürfnissen entspricht“, machte Glawe deutlich.

 

Attraktivitätsprofil von Gemeinden erstellen - weiche Faktoren werden wichtiger

Der Minister hat in Rostock dafür geworben, dass die Gemeinden im Land ein Attraktivitätsprofil ihrer Kommune erstellen. „Ziel ist es dabei, auf sich aufmerksam zu machen, um Ärzte zu gewinnen. Wichtig sind in diesem Zusammenhang Parameter, wie zum Beispiel Infrastrukturangebote, Verkehrsmöglichkeiten sowie die Unterstützung bei der Einrichtung einer Hausarztpraxis“, regte Glawe an. Dieses Attraktivitätsprofil könnte mit der Liste der von der Kassenärztlichen Vereinigung im Netz veröffentlichten freien oder frei werdenden Arztstellen verbunden werden und an das Kompetenzzentrum für Allgemeinmedizin mit der Bitte übersandt werden, entsprechende Exposés an die angehenden Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner zu verteilen. „Neben einer gut ausgebauten Infrastruktur sind vorhandene Kindertagesstätten, Schulen sowie ein attraktives Wohnumfeld und Freizeitangebote wichtige Faktoren, sich an einem bestimmten Ort als Arzt niederzulassen“, sagte Glawe.

 

Stipendienprogramm für angehende Ärzte und Qualifizierung und Weiterbildung von Allgemeinmedizinern

Gesundheitsminister Glawe machte als neuen Ansatz auch auf das Stipendienprogramm seines Ministeriums aufmerksam. „Wir unterstützen Humanmedizinstudierende mit Hilfe von Stipendien, um diese frühzeitig für die Aufnahme einer späteren ärztlichen Tätigkeit im ländlichen Raum zu gewinnen. Wer die finanziellen Hilfen erhält, verpflichtet sich, nach dem Studium und der entsprechenden Facharztweiterbildung für eine Dauer von mindestens fünf Jahren in ländlichen Regionen oder im öffentlichen Gesundheitsdienst Mecklenburg-Vorpommerns ärztlich tätig zu sein“, erläuterte Glawe. Das Wirtschaftsministerium wird bis 2022 eine Million Euro zur Verfügung stellen. Das Stipendium beträgt 300 Euro monatlich und kann bis zum Ende des Medizinstudiums (dem Bestehen des Dritten Abschnitts der Ärztlichen Prüfung), jedoch längstens für vier Jahre und drei Monate, ausgezahlt werden.

 

Begleitmonitoringprogramm für Medizinstudierende angeregt

Das Gesundheitsministerium möchte sich an einem von den Lehrstühlen für Allgemeinmedizin aufgelegten Begleitmonitoringprogramm für Medizinstudierende mit besonderem Interesse an der Allgemeinmedizin beteiligen. „Durch dieses Programm sollen junge Medizinstudenten schon frühzeitig unter Leitung eines Allgemeinmediziners in Weiterbildung für die Allgemeinmedizin interessiert und eine Bindung an das Land hergestellt werden. Es wäre ein gutes Signal, wenn es gelingen würde, dieses Konzept als Gemeinschaftsprojekt von Land und KVMV zu gestalten“, erläuterte Glawe.

Bei Gesundheitsberufen gibt es ebenfalls einen hohen Modernisierungsbedarf. „Die Gesundheitsberufe müssen attraktiver werden, bei der Ausbildung beginnend bis zur angemessenen Bezahlung und guten Arbeitsbedingungen. Beim Pflegeberufsgesetz ist der Modernisierungsprozess bereits auf den Weg gebracht, bei anderen Berufen wird die neue Bundesregierung noch einiges zu stemmen haben“, so Glawe.

 

Dank an Mediziner für Einsatz vor Ort

Abschließend dankte Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschafts- und Gesundheitsminister Harry Glawe allen niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten für ihren täglichen Einsatz. Die Mediziner tragen dazu bei, dass die ambulante medizinische Versorgung in unserem Land auf sehr hohem Niveau mit sehr großem Engagement aller daran beteiligter Ärztinnen und Ärzte stattfindet. Die freie Niederlassung von Ärztinnen und Ärzten ist ein wesentlicher und unverzichtbarer Bestandteil der medizinischen Versorgung, den es zu erhalten und auszubauen gilt“, so Glawe abschließend.