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Zweite Dunkelfeldbefragung in Mecklenburg-Vorpommern

Innenminister Caffier: Wohnumfeld beeinflusst Sicherheitsgefühl nicht unerheblich

Nr.82  | 09.04.2019  | IM  | Ministerium für Inneres und Europa

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) ist eine der bedeutendsten Quellen für die Bewertung der Sicherheitslage in Mecklenburg-Vorpommern. Nach der aktuellen Kriminalstatistik konnte für Mecklenburg-Vorpommern ein erneuter Rückgang der Gesamtzahl der im vergangenen Jahr erfassten Straftaten festgestellt werden. Die Kriminalstatistik bildet allerdings nur das sogenannte Hellfeld, also die Gesamtheit aller bei der Polizei registrierten und bearbeiteten Straftaten ab.

Delikte, von denen die Polizei aus diversen Gründen keine Kenntnis erlangt, sind in der PKS demnach nicht dargestellt. Für eine ganzheitliche Betrachtung der Sicherheitslage ist allerdings eine Betrachtung sowohl des Hell- als auch des Dunkelfeldes angezeigt. 

Zur Erhellung des Dunkelfeldes wurde im Jahr 2018 bereits zum zweiten Mal nach 2015 durch die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege M-V im Zusammenwirken mit dem Landeskriminalamt M-V und der Universität Greifswald eine Dunkelfeldbefragung zur Sicherheit und Kriminalität in Mecklenburg-Vorpommern durchgeführt.

Dazu wurden 10.424 Bürgerinnen und Bürger Mecklenburg-Vorpommerns ab 16 Jahren ausgewählt und zu ihrem Sicherheitsgefühl, ihrer Kriminalitätsfurcht, den eigenen Opfererfahrungen, dem Anzeigeverhalten und ihren Erfahrungen mit der Polizei für das Jahr 2017 befragt.

Die ausgewählten Personen konnten den übersandten Fragebogen in Papierform oder auch online auf Deutsch, Englisch oder Russisch ausfüllen. Mecklenburg-Vorpommern ist das erste Bundesland, in dem dieser Methoden-Mix angewandt wurde. Dieses Vorgehen wurde zuvor auf Bundesebene und im Rahmen des Nordverbundes abgestimmt und dient als Pilotierung für die vom Bundesinnenministerium angekündigte bundesweite Dunkelfeldbefragung „Viktimisierungssurvey Survey 2020“. 

Im Ergebnis der jüngsten Dunkelfeldbefragung in Mecklenburg-Vorpommern lassen sich folgende Kernaussagen treffen: 

  1. Der im Hellfeld festgestellte Rückgang der Gesamtzahl der Straftaten wird durch die Erhebung im relativen Dunkelfeld bestätigt. 
  2. Im Vergleich zur Dunkelfeldbefragung 2014 ist das Sicherheitsgefühl weiter gestiegen. Das Wohnumfeld und die kommunale Infrastruktur haben direkten Einfluss auf die Kriminalitätsfurcht und das Sicherheitsgefühl 
  3. Die Anzeigebereitschaft insgesamt ist gestiegen, im Bereich der Häuslichen Gewalt und bei Sexualdelikten aber auf einen weiterhin sehr niedrigen Niveau 

Insgesamt nahmen 4.189 Personen an der Befragung teil, was einer Rücklaufquote von 40,2 % entspricht. Circa 8 % der Befragten nutzten dabei die Onlinevariante zur Beantwortung des Fragebogens. 

Innenminister Lorenz Caffier: „Die vorliegenden Daten der Befragung lassen den Schluss zu, dass es sich bei der Verringerung der Delikte im Hellfeld nicht um eine Verdrängung ins Dunkelfeld handelt. Mecklenburg-Vorpommern wird also tatsächlich sicherer.“

Viktimisierung 

Jeder fünfte Teilnehmer der Befragung gab an 2017 Opfer einer Straftat geworden zu sein, wobei schwerere Delikte, wie Raub, Körperverletzung oder Sexualdelikte, relativ selten auftraten. Bei der Befragung im Jahr 2014 lag die Viktimisierungsrate noch bei 40 %. Der im Hellfeld festgestellte Rückgang der Kriminalitätsrate wurde durch die Erkenntnisse der Befragung damit bestätigt.

Bei der Betrachtung der Viktimisierungsrate nach Alter und Geschlecht zeigte sich, dass Männer häufiger Opfer von Straftaten werden als Frauen (57,9 % vs. 42,1 %) und, dass Jüngere häufiger von Kriminalität betroffen sind. Hierbei traten allerdings deliktsspezifische Unterschiede auf. Opfer von Körperverletzungsdelikten sind primär Männer im Alter von 22-39 Jahren. Die Hälfte der Betrugsopfer war über 50 Jahre alt. Bei der Betrachtung der jüngeren Opfer eines Betruges im Alter zwischen 22-29 sowie über 80 Jahre alt, zeigte sich, dass 3/4 weiblich waren. Opfer von Computerkriminalität konnte grundsätzlich jeder werden. 

Kriminalitätsfurcht 

Es wurde festgestellt, dass sich die Bürgerinnen und Bürger generell sicher in Mecklenburg-Vorpommern fühlen. Das Sicherheitsgefühl ist im Vergleich zu 2014 weiter gestiegen. Innerhalb der eigenen Wohngegend fühlt sich der Großteil der Befragten sowohl bei Tag als auch bei Nacht sicher. Während 95,7 % der Befragten angaben, sich bei Tag „sehr sicher“ oder „eher sicher“ zu fühlen, sinkt der Prozentsatz bei Nacht auf 65,6 %. Der Prozentsatz der Leute, die sich „Sehr unsicher“ fühlen liegt bei Tag bei 1 % und steigt bei Nacht auf 6 %. 

Allgemein ließ sich ableiten, dass Nicht-Kontaktdelikte, wie Diebstahls- und Betrugsstraftaten, häufiger vorkamen, als Kontaktdelikte. Gewaltkriminalität tritt, wie im Hellfeld auch, eher selten auf. 

Internetbetrug, Sachbeschädigung und Diebstahl werden als Delikte betrachtet, in denen eine Opferwerdung zukünftig am wahrscheinlichsten ist. Ein Drittel der Befragten hielten es zumindest für möglich, Opfer einer Straftat aus diesen Deliktsbereichen zu werden. 

„Eine wichtige Erkenntnis der Befragung ist es, dass das Wohnumfeld direkten und indirekten Einfluss auf die Kriminalitätsfurcht und das Sicherheitsgefühl hat“, stellt Innenminister Lorenz Caffier fest. „Damit sind in erster Linie Müll auf Straßen und Grünanlagen, unzureichende Straßenbeleuchtung sowie Vandalismus und Graffiti gemeint.“ 

Diesem Phänomen kann mit rein polizeilichen Maßnahmen allein nicht begegnet werden. 

„Hier sehe ich auch die Kommunen in der Pflicht, die Ergebnisse der Studie ernst zu nehmen und Maßnahmen zu ergreifen“, so Innenminister Caffier. 

Dazu gehören beispielsweise, verwahrloste Gebäude abzureißen oder zu modernisieren. Aber auch eine gute Straßenbeleuchtung stärkt das Sicherheitsgefühl der Menschen. 

Am meisten scheint die Befragten Müll auf den Straßen oder Grünanlagen (33,1 %) und unzureichende Straßenbeleuchtung (30,6 %) aber auch Graffiti und Vandalismus (27,1 %) zu stören. Erfreulicherweise störten sich jedoch auch 31, 5 % der Befragten an nichts in ihrem Wohnumfeld.

Anzeigebereitschaft 

Die Befunde der Untersuchung zeigen, dass insgesamt 28% der Straftaten angezeigt wurden. Die Bereitschaft zur Erstattung einer Strafanzeige ist in der Bevölkerung in den vergangenen Jahren gestiegen. (Befragung 2014: 7 %)

Die Anzeigebereitschaft variiert jedoch je nach Deliktsart erheblich. Bei Diebstahlsdelikten wurden 48,1 % der Straftaten (2014: 43 %) zur Anzeige gebracht. Vorfälle Häuslicher Gewalt wurden jedoch lediglich in 3 % der Fälle angezeigt. Noch niedriger war in der durchgeführten Befragung die Anzeigebereitschaft bei den besonders erniedrigenden Sexualstraftaten. Es wurde von den Befragten kein Sexualdelikt zur Anzeige gebracht. Die generelle Erhöhung der Anzeigenbereitschaft in Bezug auf diese Delikte, die im Hellfeld festgestellt worden ist, lässt sich in der Befragung somit nicht ableiten. 

„Wenn eine Anzeige erstattet wird, gibt es meistens die Erwartung, dass der Täter oder die Täterin gefasst und bestraft wird“, so Innenminister Lorenz Caffier. „ Allerdings wird bei Opfern von Sexualstraftaten die Anzeigebereitschaft meist von Gefühlen der Erniedrigung und Scham sowie Zweifel an der Glaubwürdigkeit negativ beeinflusst.“ 

Darüber hinaus geben ein Drittel der Befragten als Gründe für eine Nichtanzeige von Sexualstraftaten an, dass die Aufklärungsaussicht und die Erfolgsaussichten vor Gericht zu gering sein würden. 

Rechtliche Beratung und Informationsangebote für Opfer 

In der Befragung wurde festgestellt, dass Opferhilfe nicht oder nur in geringem Maße in Anspruch genommen wurde. Trotz der Verbesserung des polizeilichen Opferschutzes wendeten sich viele Betroffene nicht an entsprechende Beratungsstellen. Informationen zu Hilfsangeboten wurden etwa bei jeder zweiten Strafanzeige gegeben. Jedoch zeigten sich auch hier Unterschiede in den Deliktsbereichen. Bei Raubstraftaten wurde in über 90 % der Fälle über die rechtlichen Möglichkeiten informiert. Bei anderen Deliktskategorien ist in einem Drittel der Fälle keine Beratung oder Vermittlung an eine Opferhilfeeinrichtung erfolgt. 

Die polizeiliche Opferschutzkonzeption sollte künftig konsequenter Anwendung in der täglichen Praxis finden. Durch die Opferschutzbeauftragten sollten die rechtlichen Beratungen und die Unterbreitung von Informations- und Hilfsangeboten ausgeweitet werden. 

Wahrnehmung der Polizei 

Die Polizei allgemein und ihr Handeln in einer konkreten Situation ist von den Befragten überwiegend positiv bewertet worden. Den höchsten Anteil an Zustimmung erhielten dabei die Aussagen zu Vertrauenswürdigkeit und respektvollem Verhalten. Es zeigt sich im Vergleich zum Jahr 2014, dass die Landespolizei im Jahr 2017 vertrauenswürdiger wahrgenommen wird.

Verbesserungspotential im Auftreten der Beamten besteht darin, dass diese ihre Entscheidungen erklären. Es zeigte sich ein Geschlechtsunterschied in der Zufriedenheit mit der Polizei. Männer waren statistisch signifikant unzufriedener mit der Polizei als Frauen. Die Zufriedenheit stieg mit dem Alter der Befragten an. 

Innenminister Lorenz Caffier: „Die Befragten zeichneten das Bild einer engagierten, hilfsbereiten und kompetenten Landespolizei. Die Zufriedenheit mit dem letzten Kontakt war auch unter Berücksichtigung der Erfahrung, Opfer einer Straftat geworden zu sein, stets hoch.“ 

Fazit: 

Aus den Ergebnissen der Befragung können unterschiedliche Ansätze für Präventionsmaßnahmen in den verschiedenen Deliktskategorien abgeleitet und weiter verfolgt werden.

Um auch zukünftig Entwicklungstrends abzubilden, ist es notwendig, die Dunkelfeldbefragung für das Land zu verstetigen.

Aber auch regional wird es intensivere Untersuchungen geben. So wird zum Beispiel im Juni in Kooperation der Stadt Neubrandenburg, des Polizeipräsidiums Neubrandenburg und der Fachhochschule Güstrow eine Kriminologische Regionalanalyse durchgeführt, die Aussagen zur dortigen regionalen Situation treffen wird.

 

Anlagen

Abschlussbericht zur zweiten Befragung in 2018 (PDF, 4,12 MB)
Befragung zu Sicherheit und Kriminalität in Mecklenburg-Vorpommern

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