Backhaus: Phosphor ist Rohstoff der Zukunft – Spitzenforschung in Rostock

Nr.070/15  | 03.03.2015  | LM  | Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz

In der der Hansestadt Rostock findet derzeit das 1. Internationale Symposium des Leibnitz-WissenschaftsCampus Phosphorforschung statt.

„Ohne Phosphor kann kein Leben auf der Erde existieren und wir wissen, dass die Weltreserven in absehbarer Zukunft aufgebraucht sind. Daher müssen wir neue Wege finden, Phosphor anders, effizienter und nachhaltiger zu nutzen. Hierzu wird in Rostock auf höchstem Niveau geforscht und dies stellt einen weiteren Beleg für unsere breite Agrarforschung im Land dar“, betonte Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz MV.

Phosphor ist unverzichtbar für alle Lebewesen: Als Bestandteil von Zuckern, Eiweißen, Fetten und dem wichtigen ATP (Adenosintriphosphat), als Energieträger in den Zellen eines jeden Lebewesens. Außerdem ist der Mineralstoff auch ein Baustein der DNA. In Deutschland werden rund 63 % des Phosphors in der Düngung, 20 % in Futtermitteln, 6 % in Lebensmitteln, 5 % in der Trinkwasserversorgung und 6 % in Wasch-, Pflege- und Reinigungsmitteln verwendet. „Jahrzehntelang wurde zu viel Phosphor verbraucht, ohne das Ende zu bedenken. Heute brauchen wir nun Lösungen für eine effizientere Nutzung, Recycling und die Rückgewinnung von Phosphor. Da ist die Forschung genau so wie die Landwirtschaft gefragt, innovative Herangehensweisen zu entwickeln. Einerseits, damit die Landwirtschaft weiter funktionieren kann und andererseits unnötige Umwelteinträge reduziert werden. Dies ist auch eine globale Herausforderung“, unterstrich Dr. Backhaus.

Bereits in den vergangenen 30 Jahren ist die weltweite Nachfrage nach phosphathaltigen Düngemitteln um rund 30 % gestiegen. Vor allem die Schwellenländer haben den Düngemitteleinsatz stark erhöht, während die Nachfrage in den Staaten Europas und der ehemaligen Sowjetunion von einem Bedarf in den 80ern von jährlich 15 Mio. auf 4 Mio. t 2012 stark zurückgegangen ist. Damit einher kam es seit 2008 zu einem enormen Preisanstieg, der die ernsthafte Lage beim Phosphor unterstreicht. Die Preise von Rohphosphat stiegen auf das zehnfache an und der Preis für den Phosphatdünger Diammoniumpfosphat (DAP) verfünffachte sich.

„Durch die Düngung, die Entsorgung über Klärschlamm oder Vernichtung von Lebensmitteln oder Schlachtabfällen wird wertvoller Phosphor einfach verschwendet und nicht in den Kreislauf zurückgeführt. Der Phosphorcampus kann dazu beitragen eine bessere Ressourcennutzung aufzuzeigen und der Verschwendung ein Ende zu bereiten“, führte der Minister aus. Wenn man den Phosphor aus dem Klärschlamm gewinnen könnte und wiederverfügbar machen könnte, würde ein großer Teil des Importes eingespart und damit den Phosphorabbau verringert werden. Auch das Phosphorreduzierungspotential von Kläranlagen kann einen großen Beitrag zur Verminderung von Nährstoffeinträgen in die Gewässer leisten.

Auf Landesebene werden die Maßnahmen zum nachhaltigen Umgang von Phosphor politisch flankiert. Neben der massiven Modernisierung des Abwassersystems mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von über 2,3 Milliarden Euro hat die Landesregierung das Konzept zur „Minderung der diffusen Nährstoffbelastungen von Oberflächengewässern und Grundwasser“ erstellt. Hier werden konkrete Maßnahmen und Beratungsleistungen (www.wrrl-mv.de) für die Landwirtschaft angeboten. In der neuen Förderperiode des ELER stehen außerdem 70 Millionen Euro für Maßnahmen zur Seenrenaturierung und Wiederherstellung einer naturnahen Gewässerentwicklung zur Verfügung. Wichtige Anteile an den Maßnahmen zur Verringerung der Nährstoffbelastung unserer Gewässer durch Phosphor haben auch die Novellierung der Düngeverordnung und die Durchführung von Agrarumweltmaßnahmen.

 

Hintergrund:

Am WissenschaftsCampus Rostock beteiligen sich neben dem Land mit 85.0000 Euro pro Jahr, die Universität Rostock, die Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V., das Leibniz-Institut für Katalyse e.V. in Rostock (LIKAT), das Leibniz-Institut für Nutztiertechnologie in Dummerstorf (FBN), das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW), das Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Groß Lüsewitz (IPK), das Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie e.V. (INP).

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des Campus.