Studie „Studienerfolg und -misserfolg im Lehramtsstudium“ veröffentlicht

Nr.179-18  | 18.10.2018  | BM  | Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur

An den Universitäten Greifswald und Rostock bleibt die Zahl der Lehramtsstudierenden, die in der Regelstudienzeit das Studium absolvieren, in vielen Lehrämtern und Fächern deutlich hinter den veranschlagten Erwartungen zurück. Das geht aus der Studie „Studienerfolg und -misserfolg im Lehramtsstudium“ hervor, die unter der fachlichen Leitung von Prof. Dr. Falk Radisch von der Universität Rostock durchgeführt wurde. Deutlich wird auch, dass sehr viel mehr Studierende als ursprünglich angenommen das System „Lehramtsausbildung“ in Greifswald bzw. Rostock verlassen, um die Hochschule oder das Studienfach zu wechseln.

„Unsere Schulen in Mecklenburg-Vorpommern haben einen Bedarf an gut ausgebildeten Lehrkräften“, sagte Bildungs- und Wissenschaftsministerin Birgit Hesse. „Deswegen bilden unsere Universitäten auch Lehrerinnen und Lehrer aus. Mit der Studie liegt erstmals eine wissenschaftlich fundierte Untersuchung vor, wie die Studienverläufe von Lehramtsstudierenden wirklich sind. Die Ergebnisse sind bedauerlicherweise wenig zufriedenstellend. Sie zeigen uns aber, wo wir stehen und wo wir ansetzen müssen. In der Lehrerbildung an unseren Universitäten muss sich dringend etwas ändern“, betonte Hesse.

Folgende Tabelle liefert einen Überblick über den Anteil der Studierenden in den einzelnen allgemein bildenden Lehramtsstudiengängen, die die Universitäten Greifswald und Rostock vorzeitig verlassen oder den Studiengang wechseln.

Schwundquoten der ersten Kohorte nach dem 3. und 10. Fachsemester 

Hochschule

Lehramt

Nach dem 3. Fachsemester

Nach dem 10. Fachsemester

Universität Rostock

Grundschule

~ 15 %

~ 30 %

Sonderpädagogik

10 % und weniger

~ 30 %

Regionale Schule

~ 40 %

über 70 %

Gymnasium

~ 40 %

~ 65 %

Universität Greifswald

Regionale Schule

50 - 60 %

~ 85 %

Gymnasium

> 30 %

~ 55 %

Die Ergebnisse beziehen sich ausschließlich auf die erste Kohorte des modularisierten Lehramtsstudiums. Die bislang unvollständigen Folgekohorten weisen zwar vergleichbare Tendenzen auf, die verfügbaren Daten reichen jedoch für eine abschließende Beurteilung der Studienverläufe nicht aus.

Um mögliche Gründe für den festgestellten Schwund zu erfassen, haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch die Ergebnisse einer gezielten Befragung von Studierenden herangezogen, die zwischen dem Sommersemester 2017 und dem Sommersemester 2018 ein Lehramtsstudium abgebrochen oder das Studienfach bzw. die Universität gewechselt haben. Als Gründe wurden der mangelnde oder unklare Berufsfeldbezug genannt, ein „Mismatching“ zwischen den Erwartungen an das Studienfach und der Studienrealität bzw. den Leistungsanforderungen, die Stofffülle und die hohe Anzahl der Prüfungsleistungen und die Studienorganisation.

„Die Gründe für den Schwund sind vielfältig und unterschiedlich für die einzelnen Fächer und Lehrämter. Sowohl die Studie als auch Erfahrungen aus anderen Ländern und Universitäten zeigen, dass es nicht genügen wird, die Zahl der Studienplätze und die Immatrikulationszahlen pauschal zu erhöhen. Größeres Potenzial steckt in solchen Veränderungen, die dafür sorgen, dass mehr geeignete Lehramtsstudierende ein Studium aufnehmen und dann auch einen Abschluss erreichen. Sicherlich muss die Qualität des Lehramtsstudiums auf verschiedenen Ebenen verbessert werden“, erläuterte Prof. Dr. Falk Radisch.

„Die Lehrerbildung ist ein wichtiger Bereich an unseren Hochschulen“, sagte Bildungs- und Wissenschaftsministerin Birgit Hesse. „Mit den Rektoren der beiden Universitäten habe ich verabredet, dass wir eine Arbeitsgruppe ins Leben rufen, die auslotet, wie wir das Lehramtsstudium verbessern können. „Die Arbeitsgruppe soll aus Vertreterinnen und Vertretern des Ministeriums, den beiden Prorektoren für Studium und Lehre, Vertreterinnen und Vertretern des Zentrums für Lehrerbildung, der Studierenden sowie Schulleiterinnen und Schulleitern bestehen. Wir wollen gemeinsam überlegen, was wir im jetzigen System unter den jetzigen Bedingungen und mit den vorhandenen Ressourcen verändern können. Letztlich geht es darum, das Landesinteresse zu erfüllen. Wir wollen sicherstellen, dass mehr Lehramtsstudierende ihr Studium mit Erfolg abschließen und auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, damit wir den Unterricht an unseren Schulen auch in Zukunft absichern können“, so Hesse.

Zusammengefasst sollten die Maßnahmen folgende Ziele verfolgen:

  • Verbesserungen in der Eignungsabklärung
  • Verbesserte Betreuung in der Studieneingangsphase
  • Verbesserungen im curricularen Aufbau und Ablauf des Studiums sowie Anpassung und Optimierung von Inhalten sowie der inhaltlichen Vernetzung
  • Verstärkung des Berufsfeldbezugs/der Praxisnähe
  • Verbesserungen der organisatorischen Studienabläufe
  • Steigerung der Wertschätzung des Lehramtsstudiums

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