Start der Initiative „Schule gegen sexuelle Gewalt“ in Mecklenburg Vorpommern

Bildungsministerin Bettina Martin (r.) mit dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung (UBSKM), Johannes-Wilhelm Rörig (l.) und Hjördis Wirth, Mitglied im Betroffenenrat des UBSKM, Foto: Foto Schuh, Schwerin Details anzeigen
Bildungsministerin Bettina Martin (r.) mit dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung (UBSKM), Johannes-Wilhelm Rörig (l.) und Hjördis Wirth, Mitglied im Betroffenenrat des UBSKM, Foto: Foto Schuh, Schwerin
Bildungsministerin Bettina Martin (r.) mit dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung (UBSKM), Johannes-Wilhelm Rörig (l.) und Hjördis Wirth, Mitglied im Betroffenenrat des UBSKM, Foto: Foto Schuh, Schwerin
Bildungsministerin Bettina Martin (r.) mit dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung (UBSKM), Johannes-Wilhelm Rörig (l.) und Hjördis Wirth, Mitglied im Betroffenenrat des UBSKM, Foto: Foto Schuh, Schwerin
Nr.150-19  | 21.08.2019  | BM  | Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur

Kinder und Jugendliche sollen besser vor sexueller Gewalt und sexuellem Missbrauch geschützt werden. Mit einem Fachtag heute in Schwerin ist der Startschuss für die bundesweite Initiative „Schule gegen sexuelle Gewalt“ in Mecklenburg-Vorpommern gefallen. Rund 120 Vertreterinnen und Vertreter von Landkreisen, Kommunen, Vereinen, Verbänden und Fachstellen sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schulverwaltung sind zu einem fachlichen Austausch in den Goldenen Saal des Neustädtischen Palais gekommen. „Schule gegen sexuelle Gewalt“ ist damit erfolgreich in allen 16 Bundesländern gestartet. Die Initiative verfolgt das Ziel, dass alle Schulen in Deutschland, davon 610 in Mecklenburg-Vorpommern, Konzepte zum Schutz vor sexueller Gewalt entwickeln.

„Kinder und Jugendliche, die sexuelle Gewalt erlebt haben, brauchen Personen, denen sie sich anvertrauen können“, betonte Bildungsministerin Bettina Martin. „Um Verdachtsmomente wahrzunehmen und richtig zu handeln, ist der Schutzort Schule ein geeigneter Ort, denn dort erreichen wir nahezu alle Kinder und Jugendlichen. Mit einem Schutzkonzept sollen unsere Schulen gewährleisten, dass Schülerinnen und Schüler den Weg zu den Vertrauenspersonen finden. Den Lehrerinnen und Lehrern soll das Schutzkonzept Handlungssicherheit geben und Leitfaden sein für eine richtige Begleitung und Hilfestellung. Wenn wir damit auch nur einem Kind in Not helfen können, haben wir schon viel erreicht“, sagte Martin.

Präventions- und Interventionshandeln in pädagogischen Institutionen ist seit 2010 durch die Berichte von Opfern sexueller Übergriffe in Institutionen immer stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gelangt. Mit der Initiative „Schule gegen sexuelle Gewalt“ können Schulen einerseits zu Orten werden, an denen betroffene Schülerinnen und Schüler Hilfe finden, und gleichzeitig dafür sorgen, dass Missbrauch in der Schule selbst keinen Raum hat. Kernelement einer effektiven Prävention ist dabei die Erarbeitung eines für die jeweilige Schule passgenauen Schutzkonzeptes vor sexueller Gewalt einerseits und dem Zugang zu verlässlicher Hilfe für Betroffene andererseits.

Auf den Weg gebracht wurde die Initiative vom Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM), Johannes-Wilhelm Rörig: „Heute ist ein besonderer Tag für ‚Schule gegen sexuelle Gewalt‛. Mit Mecklenburg-Vorpommern haben sich jetzt alle 16 Bundesländer unserer Initiative angeschlossen. Dies ist aber kein Schlussstrich, sondern erst der Anfang! Damit Konzepte für Schutz und Hilfe bei sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche an Schulen jetzt auch flächendeckend umgesetzt werden können, brauchen Schulen dringend die Unterstützung ihrer Bundesländer. Mit der Herausforderung, Schülerinnen und Schüler besser vor sexueller Gewalt zu schützen, dürfen Schulen nicht alleine gelassen werden. Eine gesetzliche Verpflichtung zur Einführung schulischer Schutzkonzepte würde den ernsthaften politischen Willen einer Landesregierung bekunden und diejenigen stärken, die sich tagtäglich für den Kinderschutz in Schulen einsetzen.“

An der Initiative Schule gegen sexuelle Gewalt zur Umsetzung von Schutzkonzepten an jeder Schule in Deutschland hat Hjördis Wirth als Mitglied im Betroffenenrat beratend mitgewirkt. Sie fordert: „Kinder haben ein Recht darauf, dass wir Erwachsenen sie schützen. Schutz vor sexualisierter Gewalt an Schulen bedeutet, dass Kinder und Jugendliche, die diese Erfahrungen machen mussten, in der Schule auf Menschen treffen, die bemerken, dass sie in Not sind. Geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter reagieren nicht mit Panik, Ablehnung oder Verunsicherung, sondern wissen, was zu tun ist – sie sind da und kümmern sich.“

Die bundesweite Initiative „Schule gegen sexuelle Gewalt“ wurde durch den Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM), Johannes-Wilhelm Rörig, im September 2016 gestartet. Alle Bundesländer haben sich zur Umsetzung der Initiative verpflichtet. Die Initiative unterstützt Schulleitungen und Lehrerkollegien fachlich und ermutigt sie, sich mit diesem komplexen und emotionalen Themenfeld auseinanderzusetzen. Grundlage und Ausgangspunkt für „Schule gegen sexuelle Gewalt“ sind die „Handlungsempfehlungen der Kultusministerkonferenz zur Vorbeugung und Aufarbeitung von sexuellen Missbrauchsfällen und Gewalthandlungen in Schulen und schulnahen Einrichtungen“ sowie die Empfehlungen des Runden Tisches „Sexueller Kindesmissbrauch“.

Das Bildungsministerium hat die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern mit einem Schreiben über den Start der Initiative informiert. Die Schulen haben eine „Blaue Mappe“ des Unabhängigen Beauftragen für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs erhalten, in der sie Informationen und Hinweise zum Thema sowie zur Entwicklung von Schutzkonzepten finden, damit die Prävention gelingen kann.

Informationen zur Initiative gibt es unter www.schule-gegen-sexuelle-gewalt.de.

Interviewanfragen an den Unabhängigen Beauftragten richten Sie bitte an Friederike Beck, Pressesprecherin, Tel: 030-18 555 1554, E-Mail: friederike.beck@ubskm.bund.de.

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