Pegel: „Seidenstraßen-Testzug ist Ergebnis langjähriger Anstrengungen“

Nr.303/19  | 12.11.2019  | EM  | Ministerium für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung

10.000 Kilometer Fahrt über zwei Kontinente, drei Klima- und sechs Zeitzonen hat er vor sich: der erste Zug, der Container mit Konsum- und Industriegütern über die Ostsee und Mecklenburg-Vorpommern zwischen China und West- sowie Nordeuropa transportiert. Energieminister Christian Pegel begrüßte im Hafen Sassnitz-Mukran mit dessen Geschäftsführer Harm Sievers sowie Vertretern der chinesischen und russischen Botschaften undder Wirtschaft den ersten in Richtung Osten fahrenden Zug.

„Dieser Test-Zug ist das erste sichtbare Ergebnis unserer langjährigen Bemühungen, Mecklenburg-Vorpommern an die ,Neue Seidenstraße‘ anzubinden, den überwiegend terrestrischen Handelsweg von China über Asien und Russland nach Europa“, sagt Mecklenburg-Vorpommerns Infrastrukturminister Christian Pegel. Weiter führt er aus: „Wir haben als Ministerium mit den Häfen des Landes seit vielen Jahren kontinuierlich intensiven Kontakt in die russischen Partnerhäfen gehalten und dabei stets die ,Neue Seidenstraße‘ als Riesenchance für Rostock und Sassnitz-Mukran als Drehscheiben im Ostseeraum im Blick gehabt. Wir und die Hafenvertreter waren seit 2014 alljährlich bei Russlands größter Transport- und Logistikmesse ,TransRussia‘ in Moskau und haben die Reisen für Gespräche in den zentralen Ministerien dort genutzt. Auch unsere Reise im Jahr 2017 mit einer Wirtschaftsdelegation nach Kasachstan, durch das eine der zentralen Routen der ,Neuen Seidenstraße‘ führt, hatte unter anderem diese zum Schwerpunkt.“

Bislang wird der mit Abstand größte Teil des Handels zwischen China und Westeuropa mit Containerschiffen abgewickelt, die die großen Häfen im Nordseeraum - Antwerpen, Bremerhaven, Hamburg, Rotterdam - ansteuern. In den vergangenen Jahren hat sich jedoch vor dem Hintergrund der chinesischen Initiative, die Handelswege der historischen „Seidenstraße“ wiederzubeleben, der landgestützte Transport stark entwickelt.

„Der Hafen Mukran war im transeurasischen Eisenbahnverkehr schon immer ein verlässlicher Knotenpunkt. Mit der Eisenbahnfähre verfügen wir über jahrzehntelange Erfahrungen mit den Märkten in Russland sowie den GUS-Staaten. Diese haben wir mit Partnern aus Industrie und Handel in einer intensiven zweijährigen Entwicklungsarbeit auf China ausgeweitet. Mit dem ersten Zug aus und nach Xi’an rückt der Mukran Port in China als idealer europäischer Logistikstandort verstärkt in den Fokus. Ich bin fest davon überzeugt, dass in absehbarer Zeit noch viele weitere Züge aus dem Reich der Mitte folgen werden – auch dank unserer Geschäftspartner aus dem Kaliningrader Gebiet“, äußert sich Harm Sievers, Geschäftsführer des Mukran Port, zu der Ankunft des Zuges.

„Angesichts rasant steigender Mengen sowie einer möglichen weiteren Verkürzung der Laufzeiten bietet sich die Chance, die langjährige Logistikverbindung zwischen Russland und Sassnitz-Mukran zu nutzen, um eine schnelle und lückenlose Ost-West-Verbindung sicher zu stellen: auf der Schiene aus China über Kasachstan, Weißrussland und Litauen zu den russischen Ostseehäfen und von dort per Schiff über die Ostsee an unsere Küste. Von hier können die Waren dann wiederum auf der Schiene ins deutsche und europäische Hinterland und per Fähre nach Nordeuropa verteilt werden. Und das Ganze natürlich auch in umgekehrter Richtung“, so Christian Pegel.

Für den Nordosten biete der Anschluss an die Handelswege nach Asien enorme wirtschaftliche Potenziale – nicht nur für den Hafen Mukran. Dr. Gernot Tesch, Geschäftsführer der Rostock Port GmbH als Betreiber des Rostocker Überseehafens, sagt dazu: „Der Hafen Rostock arbeitet mit seinen international agierenden Partnern intensiv an ähnlichen Projekten. In den transeurasischen Bahnverkehren mit Teilstrecke über die Ostsee steckt ein großes Umschlagspotenzial für die Häfen Mecklenburg-Vorpommerns, denn sie bieten viele Möglichkeiten zur Beschleunigung und Optimierung für die Gesamttransportkette.“

Ob diese Möglichkeit dauerhaft genutzt wird, darüber entscheiden die jetzt anstehenden Testfahrten: „Sie sollen beweisen, dass diese deutsch-russische Transportstrecke allen Ansprüchen genügt. Ich bin davon überzeugt“, so Christian Pegel. Er weist darauf hin, dass es zudem gelingen müsse, für die Route Rückladungen gen China zu organisieren. „Solch‘ eine Bahnverbindung ist nur wirtschaftlich, wenn die Züge nicht eine Strecke leer zurücklegen müssen. Hier haben wir noch eine Herkulesaufgabe vor uns. Aber sie ist die Mühe wert. Diese neue Ost-West-Route wird das Band zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Russland weiter festigen. Sie wird eine Brücke von unserem Land nach China schlagen, die es jetzt mit Leben zu füllen gilt.“