Alleen

Mecklenburg-Vorpommerns Straßen sind durch eine Vielzahl malerischer Alleen geprägt. So säumen auf fast 4.400 Kilometern Birken, Eichen, Linden, Rosskastanien, Buchen und Ahorn viele Straßen des Landes. Aktuell sind etwa 41 Prozent der Bundes- und Landesstraßen in Mecklenburg-Vorpommern mit Alleen oder mit einseitigen Baumreihen ausgestattet. Sie wurden seit dem 18. Jahrhundert  angelegt, um Schutz und Orientierung zu bieten.

Mecklenburg-Vorpommern fühlt sich dem Schutz der Alleen in besonderem Maße verpflichtet und hat deshalb im Bundesvergleich umfangreiche naturschutzrechtliche Regelungen zu deren Schutz erlassen. Diese müssen jedoch nicht nur die ökologischen und landschaftsgestalterischen Werte der durch Alleen und Baumreihen geprägten Kulturlandschaft berücksichtigen, sondern gleichermaßen auch die Anforderungen an ein modernes, leistungsfähiges und verkehrssicheres Straßennetz. Denn obwohl es sich beim Thema Alleen auf den ersten Blick um ein Thema des Naturschutzes handelt, stehen Alleebäume auf dem zur Straße gehörigen Grundstück und sind damit formaljuristisch Bestandteil der Straße. Deshalb sind auch die Straßenbaulastträger für die Alleen zuständig.

Diese müssen sich beim Thema Alleen immer wieder mit anderen Behörden austauschen, da es neben der Verkehrssicherungspflicht um naturschutzfachliche Aspekte geht. Durch die alltägliche Zusammenarbeit der unterschiedlichen Interessensbereiche und Akteure werden der Erhalt der Alleen und eine Gestaltung des Alleenbildes der Zukunft ermöglicht. Um hier einen regelmäßigen Überblick zu haben, hat der Landtag mit Beschluss vom 13. Juni 2007 der Landesregierung aufgegeben, im sogenannten Alleenbericht alle fünf Jahre zu berichten, wie der Schutz, der Erhalt und die Mehrung des Alleenbestandes in Mecklenburg-Vorpommern sich entwickelt hat.

Alleen im Wandel

Denn aus unterschiedlichsten – durchaus in Teilen auch ganz natürlichen – Gründen unterliegen die Alleen einem ständigen Wandel. So mussten im Zeitraum zwischen 2008 und 2013 ca. 26.600 Bäume gefällt werden. Im gleichen Zeitraum wurden allerdings auch knapp 32.800 neu gepflanzt.

Ein wesentlicher Grund für die Fällungen sind Schäden an den Bäumen. Diese ergeben sich nicht selten durch den Standort der Bäume. Wesentliche Einflüsse sind dabei der Salzeintrag im Rahmen des Winterdienstes, die versiegelnde Wirkung der Straße, Kronenschnittmaßnahmen oder Kappungen des Wurzelwerkes. Auch Unfälle von Fahrzeugen mit Bäumen tragen ihren Teil bei. Daneben mussten viele Bäume auch aufgrund der zunehmenden Motorisierung und des zunehmenden Schwerlastverkehrs weichen. Noch 1990 wiesen etwa 48 % der Fern- und 60 % der Bezirksstraßen den ursprünglichen, heute zu schmalen Fahrbahnquerschnitt auf. Nach 1990 erhöhte sich durch den raschen Anstieg des motorisierten Individual- und LKW-Verkehrs der Druck auf das bestehende Straßennetz. Aufgrund der sprunghaft gestiegenen Anforderungen des Verkehrs an die Straßen begann der grundhafte Ausbau des Straßennetzes. Die Fahrbahnen wurden an die Alleebäume „herangebaut“ und die benötigten Lichtraumprofile frei geschnitten. Mit der massiven Verlegung von Versorgungsleitungen Anfang der 90er-Jahre wurden teilweise die Straßenrandbereiche radikal ausgefräst und das Wurzelwerk der Straßenbäume gekappt.

Die vor 1990 gepflanzten Altalleen haben deshalb ein überaltertes Erscheinungsbild und sind häufig abgängig. Die überragend wichtige Aufgabe der Straßenmeistereien, die Sicherheit der Menschen im Straßenverkehr zu gewährleisten, führt angesichts der stark abnehmenden Vitalität der Bäume deshalb auch regelmäßig zu Konflikten mit dem Alleenschutz.

Alleen im Blick - Aufbau eines Baumkatasters

Um Entwicklungsperspektiven abzuleiten, ist eine Bestandsaufnahme dringend nötig. Deshalb werden durch die Straßenbauämter des Landes gründliche Sichtkontrollen des straßenbegleitenden Baumbestandes im Kronen-, Stamm- und Wurzelbereich vom Boden aus durchgeführt. Die Baumkontrolle wird nach Beendigung der Jugendphase des Baumes – also circa nach 15 Jahren Standzeit – mindestens einmal jährlich, abwechselnd im belaubten und im unbelaubten Zustand durchgeführt. Die Bäume werden in einem Baumkataster mit exakter Standortangabe verzeichnet. Für jeden Straßenbaum werden darin die Anzahl der erfolgten Kontrollen und das Kontrollergebnis, zum Beispiel auch festgestellte Baumschäden oder Baumkrankheiten, aktenkundig gemacht. Nach Auswertung der Kontrollergebnisse wird über möglichen Handlungsbedarf und die Dringlichkeit entschieden und es werden entsprechende Maßnahmen veranlasst.

Werden bei der Regelkontrolle auffällige Bäume festgestellt, bei denen nicht Gefahr im Verzug vorliegt, wird eine Baumschau unter Einbeziehung der Unteren Naturschutzbehörde veranlasst, bei der eine gemeinsame Festlegung von Maßnahmen zur Erhaltung der Verkehrssicherheit erfolgt.

Beim Großteil der Bäume, die abgenommen werden müssen, erfolgt dies aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht.

Maßnahmen zum Alleenerhalt

Um dennoch eine Entwicklung der Alleen zu gewährleisten, schlägt der Alleenbericht der Landesregierung unterschiedliche Maßnahmen vor. Danach sollte die Eignung der Baumart für den Pflanzstandort berücksichtigt, ein Mindestpflanzabstand zur Fahrbahnkante und ein Sicherheitsabstand der Leitungen der Versorgungsträger zu den Bäumen eingehalten werden. Um Schwierigkeiten beim Grunderwerb von meist landwirtschaftlichen Nutzflächen zu begegnen, die gebraucht werden, um überhaupt Alleen anzulegen, ist darüber hinaus das Mitziehen der Landwirtschaft erforderlich, um einen wichtigen Beitrag zum Alleenerhalt leisten zu können.

Ein wesentlicher Beitrag zum Erhalt unserer Alleen ist der Alleenfonds. Die Straßenbauverwaltung hat in den Jahren 2008 bis 2013 für Baumentnahmen insgesamt 1,4 Mio. Euro in den Alleenfonds eingezahlt. Darüber hinaus wurde für bis Ende 2013 angefallene und nicht realisierbare Nachpflanzungen für Fällungen aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht von ca. 10.000 Bäumen sowie weitere ausstehende Ersatzgeldzahlungsverpflichtungen zwischen Energie und Landwirtschaftsministerium eine Abgeltungszahlung von 4,9 Mio. Euro in den Alleenfonds vereinbart.

Mit dem Geld sollen Neuanpflanzungen von Alleen und einseitigen Baumreihen finanziert werden. Die Finanzierung von Schutz- und Pflegemaßnahmen in besonders wertvollen Alleen und einseitigen Baumreihen sind zur Bewahrung des Altbestandes ebenfalls Teil der Aufgabe des Alleenfonds.

Die Mittel sind darüber hinaus auch für andere dem Alleenschutz dienende Maßnahmen sowie für Flächenankäufe oder Ausfallentschädigungen für die Landwirtschaft zu verwenden.

Gut geplant, gut geschützt - Konzept zum Alleenschutz

Unabdingbar für den effektiven und effizienten Einsatz von Finanzmitteln und Ressourcen sind überörtliche und örtliche Planungskonzepte, welche in eine landesweite mittel- und langfristige Strategie eingebettet sein sollten. Für den Alleenschutz erörtert die Landesstraßenbauverwaltung die Entwicklung einer Alleenstrategie. Als Grundlage für die Alleenstrategie kann die Straßenbauverwaltung die aktuelle, laufend betreute Bestandserhebung des Straßenbaumbestandes an Bundes- und Landesstraßen, das bereits erwähnte Baumkataster, nutzen.

Darauf aufbauend wird ein Konzept zur Sicherung des Alleenbestandes, ein Alleensicherungsprogramm, durch das Infrastrukturministerium erarbeitet, welches sowohl Maßnahmen zum Schutz des vorhandenen Baumbestandes wie auch zur Gewährleistung von Nach- und Neupflanzungen in Alleenstrecken beinhalten soll. Zudem sollen in Abstimmung mit den für Naturschutz und Landschaftspflege zuständigen Landesbehörden in einem Planungshandbuch Alleen Planungshinweise für die Alleen des Landes entwickelt werden, die bei Neupflanzungen generell und bei Neubau-, Umbau- und Erhaltungsmaßnahmen an Bundes- und Landesstraßen mit Alleenbestand zu berücksichtigen sein werden. Dies sollte an kommunalen Straßen ebenfalls Anwendung finden.