Warum wird an so vielen Straßen gleichzeitig gebaut?

Straßenwalze und Bauarbeiter mit Besen bei der AsphaltfertigungDetails anzeigen
Straßenwalze und Bauarbeiter mit Besen bei der Asphaltfertigung

Straßenwalze und Bauarbeiter mit Besen bei der Asphaltfertigung

Straßenwalze und Bauarbeiter mit Besen bei der Asphaltfertigung

Die Straßenbauverwaltung des Landes M-V verwaltet im Auftrag des Bundes die Bundesautobahnen sowie Bundesstraßen im Land und ist auch verantwortlich für Landesstraßen. Insofern beziehen sich folgende Aussagen zunächst auf diese, dürften aber in Teilen auch auf Kreis- und Gemeindestraßen übertragbar sein.

Die Gründe für die verstärkten Maßnahmen im Straßenbau:

1. Investitionshochlauf

Ein Großteil der Straßenbauarbeiten bei uns im Land ist auf den Investitionshochlauf zurückzuführen, den die Bundesregierung der vergangenen Legislaturperiode eingeleitet hat. Dies bedeutet: Es steht deutlich mehr Geld für die Erhaltung von Straßen und Brücken zur Verfügung als in der Vergangenheit. Wir investieren erstmals annäherungsweise jährlich das Geld in die Unterhaltung, das dem jährlichen Verschleiß entspricht. Dies gilt nicht nur für Mecklenburg-Vorpommern, sondern die ganze Bundesrepublik.

Die Investitionen in die Landes- und Bundesfernstraßen durch Land und Bund bleiben auf dem hohen Niveau der Vorjahre. Etwa 237 Millionen Euro Bundes- und Landesmittel flossen 2019 in die Straßeninfrastruktur des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Davon wurden 71,7 Millionen Euro Bundesmittel in Neubau, Erhaltung, Um- und Ausbau der Bundesautobahnen investiert. Ein Schwerpunkt liegt wie in den Vorjahren auf der Instandsetzung des im Herbst 2017 abgesackten Autobahnteilstücks der A 20 bei Tribsees.

111,1 Millionen Euro wurden 2019 in die Bundesstraßen im Land investiert. In den Vorjahren lagen die Werte hier noch bei 103,1 Millionen im Jahr 2018 und 102,2 Millionen Euro im Jahr 2017.

Insgesamt 54 Millionen Euro wurden 2019 in Neubau, Erhaltung und Um- und Ausbau von Landesstraßen investiert.

2. Erhalt vor Neubau

Bund und Land haben sich mit Fokus auf das bestehende Straßennetz und die Bedeutung eines angemessenen Straßenzustands den Grundsatz "Erhalt vor Neubau" auferlegt und investieren schwerpunktmäßig in diesen Bereich.

Grundsätzlich sollten Fahrbahndecken auf Autobahnen, Bundes- und alle zwölf bis fünfzehn Jahre erneuert werden, um Schäden im Unterbau zu vermeiden, die erheblich aufwändiger und somit auch teurer zu beheben wären.

So wie der Bund für die Bundesfernstraßen hat es sich die Landesregierung für die Landesstraßen zum Ziel gemacht, im Rahmen der finanziellen und kapazitiven Möglichkeiten schwerpunktmäßig in Erhaltungsmaßnahmen zu investieren und die Mittel dafür deutlich erhöht. Lagen die Ausgaben für Erhaltungsmaßnahmen an Fahrbahnen und Ingenieurbauwerken in der Baulast des Landes im Jahr 2013 noch bei 20 Millionen Euro, betragen diese im Jahr 2019 30,2 Millionen Euro. Dieses Volumen soll auch in den kommenden Jahren beibehalten werden. Einhergehend mit diesen Investitionen wird sich auch der Gesamtzustand der Straßen weiter spürbar verbessern.

Als Träger der Straßenbaulast für die Landesstraßen veranlasst das Land eine regelmäßige Zustandsermittlung aller Straßenabschnitte, seit 2010 in Intervallen von vier Jahren. Spezielle Messfahrzeuge fahren dann die Straßen ab und erfassen den Zustand anhand der sogenannten Gebrauchs- und Substanzwerte. Anschließend erfolgt die Auswertung nach einem standardisierten System. Die letzte Zustandsermittlung wurde im Jahr 2018 durchgeführt. Handlungsbedarf besteht demnach bei rund 39 Prozent der Straßen. Dies ist ein geringerer als noch im Jahr 2014, als bei etwa der Hälfte der erfassten Abschnitte Handlungsbedarf bestand. Bereits 42 Prozent der Straßen weisen einen guten oder sehr guten Zustand auf. Hier zeigt sich der Erfolg des Grundsatzes "Erhalt vor Neubau", der seit einigen Jahren auf Landesebene verfolgt wird.

3. Saisonale Einschränkungen

Grundsätzlich müssen Straßenbauarbeiten bei verlässlich frostfreier Witterung erfolgen. Sie werden daher stets außerhalb des Winters durchgeführt. Von den verbleibenden neun Monaten eines Jahres wird für touristisch bedeutsame Strecken möglichst auch die Sommersaison ausgespart. Somit verbleiben für viele – allesamt erforderliche – Baumaßnahmen nur noch die Frühjahrs- und Herbstmonate, was zu einer Häufung von Baumaßnahmen in diesen beiden Jahreszeiten führen kann.

Zusätzlich zu diesen jahreszeitlichen Betrachtungen werden Bauprojekte auch im regionalen Zusammenhang betrachtet und geplant. So wird stets genau geprüft, wann welche Maßnahmen stattfinden können, um den Verkehr nicht durch zwei Baustellen in relativ kurzem Abstand hintereinander zu beeinträchtigen.

4. Akuter Handlungsbedarf

Zu den im Rahmen der Straßenerhaltung geplanten Baustellen wie z. B. der Ersatz der Brücke Petersdorfer See im Zuge der A 19 kommen Baustellen wie die A 20 bei Tribsees, die unerwartet akutes Handeln erfordern und nicht aufschiebbar sind.

5. Fazit

Grundsätzlich ist uns bewusst, dass Straßenbauarbeiten die Verkehrsteilnehmer beeinträchtigen – und nicht nur diese.  Angrenzende Städte und Gemeinden müssen in vielen Fällen Ausweichverkehre aufnehmen. Planer und Durchführende geben stets ihr Möglichstes, die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten. Und Straßenbauarbeiten werden in der Vorbereitung grundsätzlich mit in besonderem Maße mit betroffenen Anliegern/Institutionen/Unternehmen sowie Polizei und Verkehrsbehörden abgestimmt.

Würden wir all diese Straßenbauarbeiten nicht durchführen, wären unsere Straßen in absehbarer Zeit in einem unzumutbaren Zustand – und die Beeinträchtigungen für den Verkehr gravierender bis hin zu dauerhaften Sperrungen wegen mangelnder Verkehrssicherheit.