Warum wird an so vielen Straßen gleichzeitig gebaut?

Straßenwalze und Bauarbeiter mit Besen bei der AsphaltfertigungDetails anzeigen
Straßenwalze und Bauarbeiter mit Besen bei der Asphaltfertigung

Straßenwalze und Bauarbeiter mit Besen bei der Asphaltfertigung

Straßenwalze und Bauarbeiter mit Besen bei der Asphaltfertigung

Die Straßenbauverwaltung des Landes M-V verwaltet im Auftrag des Bundes die Bundesautobahnen sowie Bundesstraßen im Land und ist auch verantwortlich für Landesstraßen. Insofern beziehen sich folgende Aussagen zunächst auf diese, dürften aber in Teilen auch auf Kreis- und Gemeindestraßen übertragbar sein.

Die Gründe für die verstärkten Maßnahmen im Straßenbau:

1. Investitionshochlauf

Ein Großteil der Straßenbauarbeiten bei uns im Land ist auf den Investitionshochlauf zurückzuführen, den die Bundesregierung der vergangenen Legislaturperiode eingeleitet hat. Dies bedeutet: Es steht deutlich mehr Geld für die Erhaltung von Straßen und Brücken zur Verfügung als in der Vergangenheit. Wir investieren erstmals annäherungsweise jährlich das Geld in die Unterhaltung, das dem jährlichen Verschleiß entspricht. Dies gilt nicht nur für Mecklenburg-Vorpommern, sondern die ganze Bundesrepublik.

Land und Bund haben ihre Investitionen in die Landes- und Bundesfernstraßen in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert. Mehr als 240 Millionen Euro Bundes- und Landesmittel flossen 2017 in die Straßeninfrastruktur des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Davon wurden 83,7 Millionen Euro Bundesmittel in Neubau, Erhaltung, Um- und Ausbau der Bundesautobahnen investiert. Das ist im Vergleich zu den Vorjahren mit 52 Millionen im Jahr 2013, 71 Millionen im Jahr 2014 und 78 Millionen im Jahr 2015 eine deutliche Erhöhung, vor allem bedingt durch den Bau der Autobahn A 14.

102,2 Millionen Euro wurden 2017 in die Bundesstraßen im Land investiert. In den Vorjahren lagen die Werte hier noch bei 76 Millionen im Jahr 2013, 85 Millionen in 2014 und 70 Millionen Euro im Jahr 2015.

Mehr als 54 Millionen Euro wurden 2017 in Neubau, Erhaltung und Um- und Ausbau von Landesstraßen investiert.

2. Erhalt vor Neubau

Bund und Land haben sich mit Fokus auf das bestehende Straßennetz und die Bedeutung eines angemessenen Straßenzustands den Grundsatz "Erhalt vor Neubau" auferlegt und investieren schwerpunktmäßig in diesen Bereich. So wird jetzt einer der ältesten und meist befahrenen Abschnitte der Autobahn 20 saniert, der 9,6 Kilometer lange Abschnitt zwischen Autobahnkreuz Wismar und Anschlussstelle Wismar Mitte. Die Sanierung der Fahrbahn ist dringend erforderlich. Bei Asphaltuntersuchungen wurden starke Schäden festgestellt, die Bitumenschichten weisen Risse auf. Dieser Abschnitt der A 20, im Jahr 1997 fertiggestellt, ist einer der höchstbelasteten Straßenabschnitte in M-V mit täglich 35.000 bis 40.000 Fahrzeugen.

Grundsätzlich sollten Fahrbahndecken auf Autobahnen, Bundes- und alle zwölf bis fünfzehn Jahre erneuert werden, um Schäden im Unterbau zu vermeiden, die erheblich aufwändiger und somit auch teurer zu beheben wären.

So wie der Bund für die Bundesfernstraßen hat es sich die Landesregierung für die Landesstraßen zum Ziel gemacht, im Rahmen der finanziellen und kapazitiven Möglichkeiten schwerpunktmäßig in Erhaltungsmaßnahmen zu investieren und die Mittel dafür deutlich erhöht. Lagen die Ausgaben für Erhaltungsmaßnahmen an Fahrbahnen und Ingenieurbauwerken in der Baulast des Landes im Jahr 2013 noch bei 20 Millionen Euro, wurden diese für 2015 auf 22,6 Millionen und für 2018 auf 32 Millionen Euro erhöht. Dieses Volumen soll auch in den kommenden Jahren beibehalten werden. Einhergehend mit diesen Investitionen wird sich auch der Gesamtzustand der Straßen weiter spürbar verbessern.

Als Träger der Straßenbaulast für die Landesstraßen veranlasst das Land eine regelmäßige Zustandsermittlung aller Straßenabschnitte, seit 2010 in Intervallen von vier Jahren. Spezielle Messfahrzeuge fahren dann die Straßen ab und erfassen den Zustand anhand der sogenannten Gebrauchs- und Substanzwerte. Anschließend erfolgt die Auswertung nach einem standardisierten System. Die Ergebnisse der Zustandsermittlung 2014 waren Grund dafür, den Investitionshochlauf des Bundes und den Grundsatz "Erhalt vor Neubau" auch auf Landesebene umzusetzen. Die Ergebnisse zeigten damals für 46 Prozent der Straßen einen sehr guten bis noch befriedigenden Zustand auf, bei etwa der Hälfte der erfassten Abschnitte ergab die Zustandserfassung Handlungsbedarf. Durch die seither verstärkte Konzentration auf den Erhalt bilden die Zahlen von 2014 heute jedoch in keiner Weise mehr den Ist-Zustand der Landesstraßen ab. Eine seriöse Einschätzung dazu wird 2019 mit Vorliegen des Ergebnisses der kommenden turnusmäßigen Erfassung möglich sein. Durch die seit 2014 durchgeführten und in den kommenden Jahren andauernden Unterhaltungs- und Erhaltungsmaßnahmen ist klar von einem positiven Trend auszugehen.

3. Saisonale Einschränkungen

Grundsätzlich müssen Straßenbauarbeiten bei verlässlich frostfreier Witterung erfolgen. Sie werden daher stets außerhalb des Winters durchgeführt. Von den verbleibenden neun Monaten eines Jahres wird für touristisch bedeutsame Strecken möglichst auch die Sommersaison ausgespart. Somit verbleiben für viele – allesamt erforderliche – Baumaßnahmen nur noch die Frühjahrs- und Herbstmonate, was zu einer Häufung von Baumaßnahmen in diesen beiden Jahreszeiten führen kann.

Zusätzlich zu diesen jahreszeitlichen Betrachtungen werden Bauprojekte auch im regionalen Zusammenhang betrachtet und geplant. So erfolgten vor der jetzigen Erneuerung der A 20 am Kreuz Wismar ähnliche Bauarbeiten in vergleichbarer Manier und Dauer am ebenfalls erneuerungsbedürftigen A 20-Abschnitt zwischen Rostock-Südstadt und Autobahnkreuz Rostock. Die Maßnahme Wismar beginnt nach Abschluss der Maßnahme Rostock, um den Verkehr auf der A 20 nicht durch zwei Baustellen in relativ kurzem Abstand hintereinander zu beeinträchtigen.

4. Akuter Handlungsbedarf

Zu den im Rahmen der Straßenerhaltung geplanten Baustellen wie z. B. der Ersatz der Brücke Petersdorfer See  im Zuge der A 19 und Neubauten wie zum Beispiel der A 14 kommen Baustellen wie die A 20 bei Tribsees, die unerwartet akutes Handeln erfordern und nicht aufschiebbar sind.

5. Fazit

Grundsätzlich ist uns bewusst, dass Straßenbauarbeiten die Verkehrsteilnehmer beeinträchtigen – und nicht nur diese.  Angrenzende Städte und Gemeinden müssen in vielen Fällen Ausweichverkehre aufnehmen. Planer und Durchführende geben stets ihr Möglichstes, die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten. Und Straßenbauarbeiten werden in der Vorbereitung grundsätzlich mit in besonderem Maße mit betroffenen Anliegern/Institutionen/Unternehmen sowie Polizei und Verkehrsbehörden abgestimmt.

Würden wir all diese Straßenbauarbeiten nicht durchführen, wären unsere Straßen in absehbarer Zeit in einem unzumutbaren Zustand – und die Beeinträchtigungen für den Verkehr gravierender bis hin zu dauerhaften Sperrungen wegen mangelnder Verkehrssicherheit.