Verkehrsunfallstatistik 2018

Weniger Unfälle und dennoch mehr Verkehrsunfallopfer

Verkehrssicherheitslage MV 2018 Details anzeigen
Verkehrssicherheitslage MV 2018
Verkehrssicherheitslage MV 2018
Verkehrssicherheitslage MV 2018
Nr.104  | 30.04.2019  | IM  | Ministerium für Inneres und Europa

Die polizeiliche Verkehrsunfallstatistik für das Jahr 2018 in Mecklenburg-Vorpommern ist geprägt von folgenden Kernaussagen: 

  1. Rückgang der Verkehrsunfälle insgesamt
  2. mehr Verkehrstote und Verletzte
  3. mehr verunglückte motorisierte Zweiradfahrer
  4. mehr festgestellte Geschwindigkeits- und „Handyverstöße“ bei Anhaltekontrollen
  5. mehr geahndete Alkohol- und Drogenverstöße
  6. Weiterführung der themenorientierten Verkehrskontrollen und der Verkehrskampagne „Fahren.Ankommen.LEBEN!“ 

Eine traurige Trendwende zeigt der Blick auf die Verkehrsunfallbilanz 2018. Nach dem historischen Tiefstand im Jahr 2017 stieg die Zahl der bei Verkehrsunfällen Getöteten in Mecklenburg-Vorpommern um 8,9 Prozent auf 86 Getötete an. „Trotz des Anstiegs im vergangenen Jahr zeigt die Langzeitentwicklung allerdings eine weiter rückläufige Tendenz“, bilanziert der Inspekteur der Landespolizei Wilfried Kapischke das Verkehrsunfalllagebild der Landespolizei für das Berichtsjahr 2018. 

Inspekteur Kapischke weiter: „Die Verkehrssicherheitsarbeit unseres Landes ist deshalb nach wie vor darauf ausgerichtet, das Risiko für Leib und Leben aller Verkehrsteilnehmer trotz steigenden Verkehrsaufkommens zu minimieren und Verkehrsunfälle zu verhindern. Daher gilt auch weiterhin: Kein Pardon bei Rasern und Dränglern, kein Pardon bei Alkohol und Drogen im Straßenverkehr. Das Entdeckungsrisiko ist zu erhöhen und eine schnellstmögliche Sanktionierung wird angestrebt.“ 

Unfalllage 

Für das Jahr 2018 konnte ein Rückgang der Anzahl der Verkehrsunfälle insgesamt festgestellt werden. 2018 wurden insgesamt 57.477 (- 1,5 Prozent) Verkehrsunfälle registriert. Das sind absolut 886 Verkehrsunfälle weniger als im Vorjahr. Der Rückgang ist ausschließlich auf die sinkende Anzahl der angezeigten Unfälle mit Sachschaden zurückzuführen. In allen anderen statistischen Werten musste eine Zunahme festgestellt werden. 

Die Anzahl der durch Verkehrsunfälle verunglückten Personen im vergangenen Jahr stieg gegenüber dem Jahr 2017 um 1,3 Prozent. Es ereigneten sich 5.328 Verkehrsunfälle mit Personenschaden, bei denen insgesamt 7.097 Personen verunglückt sind. Das sind 203 Personen mehr als 2017. 

Die Zahl der leichtverletzten Personen stieg in Mecklenburg-Vorpommern mit insgesamt 5.634 im Vergleich zum Vorjahr um 2,1 Prozent. Im Jahr 2018 wurden außerdem 80 Personen mehr schwerverletzt als im Jahr 2017. Das entspricht einem Anstieg von 6,2 Prozent.[1] 

Die positive Entwicklung der Vorjahre bei der Anzahl der im Straßenverkehr getöteten Menschen konnte 2018 leider nicht fortgesetzt werden. Die Anzahl der tödlichen Verkehrsunfälle lag mit insgesamt 86 zwar noch unter der Zahl der tödlich verunglückten Personen im Jahr 2016. 86 Verkehrstote im vergangenen Jahr bedeuten aber auch 7 mehr als 2018. 

In der Langzeitbetrachtung ergibt sich allerdings ein etwas positiveres Bild. Seit dem Jahr 2012 setzt sich der bestehende Trend mit unter 100 tödlich verunglückten Verkehrsunfallopfern in unserem Bundesland fort. Grundsätzlich hat sich trotz steigenden Verkehrsaufkommens die Verkehrssicherheit im Land in den letzten Jahren verbessert. Gleichwohl bedarf es mit Blick auf die aktuellen Zahlen weiter großer Anstrengungen, um die die Zahl der Verkehrsunfallopfer wieder zu reduzieren und diesen Trend in den Folgejahren wieder halten zu können. 

Rund 40% aller Unfalltoten, das sind 34 Menschen, sind 2018 bei sogenannten Baumunfällen ums Leben gekommen. Im Vorjahr waren es 32 tödlich verunglückte Verkehrsteilnehmer im Zusammenhang mit Baumberührung. 

„Schon ein seitlicher Aufprall an einen Baum mit 55 km/h hat für die Fahrzeuginsassen schwerste oder gar tödliche Verletzungen zur Folge. Bei einem Crash mit 90 km/h, eine durchaus realistische Geschwindigkeit in Alleen, in denen die Bäume ungeschützt am Straßenrand stehen, zerteilt oder zerfetzt der Baum das Auto regelrecht: Die Insassen haben dann keine Überlebenschance mehr.“[2] 

Wilfried Kapischke: „Da viele Autofahrer Alleen subjektiv als wenig gefährlich empfinden und es uns bisher scheinbar nicht gelungen ist, eine Sensibilisierung bei allen Fahrern zu erreichen, bedarf es weiterhin regelmäßiger und zielgerichteter Maßnahmen der Verkehrsüberwachung und Verkehrsprävention.“

Umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit soll auch zukünftig zur Sensibilisierung der am Verkehr Teilnehmenden und zur Akzeptanz der Maßnahmen beitragen. Auch der im „Konzept der Landesregierung zur Verkehrssicherheitsarbeit“ formulierte Weg zur Bekämpfung von Baumunfällen in Altalleen mit dem vorrangigen Einbau von Schutzplanken und auch anderweitigen straßenbaulichen oder straßenverkehrsrechtlichen Maßnahmen muss daher zielstrebig fortgesetzt werden. 

Unfallursachen 

Es hängt häufig von verschiedenen Faktoren ab, ob ein Unfallbeteiligter stirbt oder schwer verletzt wird. Deshalb betrachtet die Polizei bei den Unfallursachen die Gruppe der Getöteten und Schwerverletzten grundsätzlich zusammen. Trotz eines Rückgangs um 1,8 Prozent auf 267 ist nicht angepasste Geschwindigkeit weiterhin die Hauptunfallursache bei Verkehrsunfällen mit schweren Folgen. Es ist daher wichtig, die Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer nachhaltig zu sensibilisieren, nicht nur die zulässige Höchstgeschwindigkeit einzuhalten, sondern die gefahrene Geschwindigkeit am Verkehrsgeschehen zu orientieren. An zweiter Stelle stehen mit 167 Fällen nach wie vor Vorfahrtsfehler und mit einem Anstieg von knapp 50% auf 122 Fälle war ein zu geringer Abstand im Jahr 2018 die dritthäufigste Unfallursache bei uns im Land. 

Verkehrsbeteiligung 

PKW-Insassen bilden mit 3.946 weiterhin den Hauptanteil der Verunglückten im Straßenverkehr, gefolgt von der Gruppe der Radfahrer mit 1.556 Verunglückten sowie der Gruppe der motorisierten Zweiradfahrer mit 630 verunglückten Personen.

Während damit im Jahr 2018 ein leichter Rückgang der verunglücken Pkw-Insassen und Fußgänger (-20 auf 494) festgestellt wurde, stieg insbesondere die Zahl der verunglückten motorisierten Zweiradfahrer um ca. 21% auf 630 (+110) Verunglückte an. Unter den 86 Menschen, die im vergangenen Jahr ums Leben kamen, waren auch 14 motorisierte Zweiradfahrer. Das ist eine Steigerung von 55,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 

„Das Unfallgeschehen in diesem Bereich wird nicht unerheblich von den meteorologischen Gegebenheiten bestimmt. Die warmen Temperaturen im Frühling, der lange sonnige trockene Sommer und auch der schöne ausgedehnte Herbst lockten viele Zweiradfahrer im letzten Jahr auf die Straßen“, erklärt Wilfried Kapischke. 

Von den 14 Getöteten motorisierten Zweiradfahrern haben 12 (85,7 Prozent) den Unfall selbst verursacht. Auch bei den Schwer- und Leichtverletzten liegt der Verursacheranteil jeweils bei über 61,1 bzw. 66,5 Prozent. 

Es bleibt darüber hinaus festzustellen, dass der Anteil der zur Gruppe der Fahrradfahrer gehörenden verunglückten Pedelecfahrer erneut gestiegen ist, wobei hauptsächlich die Anzahl der leichtverletzten Pedelecfahrer stieg (von 60 auf 68). Im vergangenen Jahr wurden 78 Fahrer von Pedelecs infolge eines Verkehrsunfalls leicht- bzw. schwerverletzt (2017: 71), während sich die Zahl der verunglückten S-Pedelec-Fahrer von 14 auf 7 halbierte. 

Risikogruppen 

Vergleicht man die Anteile der Verunglückten nach Altersklassen, so wird deutlich, dass hier die Altersgruppe der 25- bis unter 35-Jährigen mit 1.124 Verunglückten die Rangfolge nicht mehr anführt.

„Das ist auch ein Erfolg unserer Unfallprävention“, hebt Wilfried Kapischke hervor. „Nach wie vor sind aber junge Erwachsene zu häufig an Verkehrsunfällen beteiligt. Daher gilt es diese Zielgruppe frühzeitig zu erreichen und weiter an den bestehenden Präventionsmaßnahmen und Initiativen in der vorbeugenden Verkehrssicherheitsarbeit festzuhalten.“ 

Im Jahr 2018 verunglückten insgesamt 1.211 Menschen im Alter von über 65 Jahren im Straßenverkehr. Das waren 8 Prozent mehr als ein Jahr davor. Der Bundesdurchschnitt weist hier einen annähernden Wert von +7,4% auf. Trotz des kontinuierlichen Anstiegs sind die Senioren, gemessen an einem Bevölkerungsanteil von ca. 24%, deutlich unterrepräsentiert. 

Nach einer rückläufigen Tendenz in den Jahren 2016 und 2017 stieg die Anzahl der Verunglückten in der Altersgruppe der jungen Erwachsenen (zwischen 18 und 24 Jahren) wieder auf 846 an. 

Junge Fahrer sind und bleiben gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil bei den Verursachern von Verkehrsunfällen immer noch eine nicht zu vernachlässigende Risikogruppe. Sie fahren risikofreudiger und wollen sich und anderen häufig etwas beweisen.

Anders verhält es sich bei der Altersgruppe der „über 65-Jährigen“. Hier ist nach wie vor festzustellen, dass diese Altersgruppe zwar am häufigsten als Verursacher von schweren Verkehrsunfällen festgestellt wurde, mit einem Bevölkerungsanteil von 24,1 Prozent sind sie aber sowohl in der Gruppe der bei Verkehrsunfällen verunglückten Verkehrsteilnehmer als auch in der Gruppe der Unfallverursacher deutlich im Vergleich zum Anteil in der Bevölkerung unterrepräsentiert. 

Hauptzielgruppe der Repressions- aber auch der Präventionsarbeit im Land bleibt die Gruppe der jungen Erwachsenen im Alter von 18-24 Jahren. Nachdem die Zahlen in den letzten Jahren rückläufig waren, müssen wir für 2018 einen Anstieg von 9% bei den Unfallverursachern feststellen. Mit einem Bevölkerungsanteil von ca. 5% und einem Verursacheranteil von 12% am Unfallgeschehen ist diese Gruppe deutlich überrepräsentiert. Aufgrund des besonderen Risikopotenzials müssen wir für dieser Altersgruppe nach wie vor einen Schwerpunkt in unserer Verkehrssicherheitsarbeit setzen. 

Polizeiliche Verkehrssicherheitsarbeit 

Der Schwerpunkt der Verkehrssicherheitsarbeit der Landespolizei ist die Bekämpfung von Hauptunfallursachen. Allgemeine Ziele der Verkehrssicherheitsarbeit sind hierbei, Gefährdungen im Straßenverkehr abzubauen, das Verkehrsverhalten zu verbessern sowie vor allem die Zahl der Unfälle mit besonders schlimmen Folgen zu senken. Die Verkehrsüberwachung gehört daher zum unverzichtbaren Kernbereich polizeilicher Aufgaben. Dies wird auch weiterhin durch verstärkt durchgeführte Anhaltekontrollen der Landespolizei erfolgen. 

Durch Anhaltekontrollen können Fahrzeugführer unmittelbar nach dem festgestellten Verstoß mit dem Fehlverhalten konfrontiert werden, wodurch der präventive Ansatz nachhaltiger zum Tragen kommt. Darüber hinaus ist es durch Anhaltekontrollen möglich, auch die Belange der Verkehrssicherheit und der Kriminalitätsbekämpfung miteinander zu verknüpfen. 

Wilfried Kapischke: „Im vergangenen Jahr haben wir unser Ziel, die personalintensiven Anhaltekontrollen bei Geschwindigkeitsverstößen weiter zu erhöhen, erreicht.“ 

Im Rahmen der Anhaltekontrollen stellten die Polizistinnen und Polizisten des Landes insgesamt 55.142 Verstöße gegen die Einhaltung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit fest. Das sind 4.804 bei Anhaltekontrollen festgestellte Verkehrsverstöße mehr als im Vorjahr.

Mit 11.299 festgestellten Handyverstößen konnten im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls erheblich mehr Verstöße registriert werden, als noch im Vorjahr. 

„Auch wenn es sich nach einem schweren Unfall oftmals nicht mehr nachweisen lässt, gehen wir bei vielen Verkehrsunfällen davon aus, dass die Fahrer beispielsweise durch ein Smartphone abgelenkt waren“, erklärt Wilfried Kapischke. „Es hat sich zu einer regelrechten Unsitte entwickelt, im Straßenverkehr ständig das Smartphone nutzen zu müssen, um schnell mal die Mails zu checken, den Beitrag eines Bekannten zu teilen oder kurz eine Nachricht zu versenden. Das betrifft Autofahrer und Lkw-Fahrer genauso wie Fahrradfahrer und auch Fußgänger, die teilweise so beschäftigt mit ihrem Handy sind, dass sie vom Verkehrsgeschehen um sich herum gar nichts mehr mitbekommen.“ 

Die Anzahl der festgestellten Verstöße unter Einfluss von Alkohol bei der Teilnahme am Straßenverkehr ist im Jahr 2018 um 11,7 Prozent auf insgesamt 4.053 gestiegen. Eine deutlich steigende Tendenz ist auch bei den „Drogenkontrollen“ festzustellen. Mit 1.557 Straf- bzw. Ordnungswidrigkeitenanzeigen wurden insgesamt 16,9 Prozent mehr Strafanzeigen bzw. Ordnungswidrigkeitenanzeigen in diesem Deliktsfeld zur Anzeige gebracht. Der Grund für die starke Zunahme liegt jedoch nicht unbedingt an gestiegenem Drogenkonsum, sondern an den Kontrollen durch die Polizeibeamten, die in diesem Bereich immer besser und speziell geschult sind. 

Aufklärung, Sensibilisierung und Vorbeugung sind das Ziel der präventiven Verkehrssicherheitsarbeit. Dabei stehen die zielgruppenorientierte Aufklärung und Vermittlung sicherheitsfördernder Handlungsweisen im Vordergrund. Zur gezielten Förderung der Sicherheit in der Zielgruppe der Jungen Fahrer wird neben dem 1998 von der Landespolizei initiierten sogenannten „Fifty-Fifty-Taxi-Ticket“ insbesondere auch das Präventionsprojekt „CrashKurs MV“ weiterhin angeboten. 

„Um eine nachhaltige Verbesserung auch der individuellen Einstellungen aller Verkehrsteilnehmer zum Straßenverkehr zu erreichen, werden wir unsere präventiven und repressiven Maßnahmen im Rahmen der landesweit stattfindenden monatlichen themenorientierten Verkehrskontrollen und der Kampagne „Fahren.Ankommen.LEBEN!“ weiter verzahnen“, kündigt der Inspekteur der Landespolizei an. „ Denn Unfälle sind kein Schicksal! In den meisten Fällen sind sie auf Fehlverhalten, auf Regelverstöße von Menschen zurückzuführen.“ 

Zur Reduzierung der Verkehrsunfallopfer bedarf es weiterhin wirkungsorientierter Maßnahmen, um einen gesamtgesell­schaftlichen Wandel hin zu regeltreuem Verhalten im Straßenverkehr zu erreichen. Verkehrssicherheitsarbeit ist eine Daueraufgabe, die alle betrifft und die deshalb auf möglichst breiter gesellschaftlicher Basis stehen muss.

[1] Unfälle mit Personenschaden:

Bei Unfällen mit Personenschaden sind Personen getötet, schwer-oder leichtverletzt worden. Als Getötete werden Personen erfasst, die unmittelbar oder innerhalb von 30 Tagen nach Unfallereignis an den Unfallfolgen starben.

Als schwerverletzt werden Personen erfasst, die unmittelbar zur stationären Behandlung – mindestens für 24 Stunden – in einem Krankenhaus aufgenommen wurden. Als leichtverletzt werden alle übrigen verletzten Personen erfasst, bei denen eine stationäre Behandlung nicht erforderlich ist.  

[2] https://udv.de/de/strasse/landstrasse/baumunfaelle