Risikomanager auf dem Feld: Dürrefolgen fordern Bauern auch in 2019

Nr.445/2018  | 17.12.2018  | LM  | Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt

„Ein sehr schwieriges Jahr für die Landwirtschaft geht zu Ende. Die wirtschaftliche Situation ist in vielen Unternehmen äußerst angespannt. Die lange Trockenperiode hat zu erheblichen Ertragseinbußen in allen Kulturen geführt. Bisher hat sich die Wassersituation nicht entscheidend verbessert. Ein Großteil der Bestände ist nicht ausreichend entwickelt in die Winterruhe gegangen. Wir können deshalb davon ausgehen, dass die Landwirte mit erschwerten Ausgangsbedingungen in das neue Erntejahr starten werden“, erklärte Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Till Backhaus heute auf der Jahresabschlusspressekonferenz in Schwerin.

Erhebliche Verluste bei allen Kulturen

Beim Getreide seien mit 54 Dezitonnen je Hektar Mindererträge von fast 28 % eingefahren worden, so der Minister. Auch bei den Hackfrüchten seien erhebliche Verluste zu verzeichnen: Bei Kartoffeln liege das Minus bei 26 %, bei den Zuckerrüben zwischen 15 und 20 %. Ähnlich defizitär sehe es beim Grünland aus. Hier fielen die Erträge sogar nur halb so hoch aus als im Vorjahr. Beim Silomais seien Erträge von nur 40 bis 60 % des mehrjährigen Mittels erreicht worden.

23,3 Millionen Euro Dürrehilfen ausgezahlt

„Der entstandene Futtermangel hat erhebliche negative Auswirkungen auf die Tierproduktion des Landes. Teure Futterzukäufe sind erforderlich, ein Abbau der Tierbestände hat eingesetzt“, resümierte Backhaus. Die Dürrehilfen von Bund und Länder seien deshalb richtig und notwendig gewesen. Bisher wurden mehr als 23,3 Millionen Euro an 396 landwirtschaftliche Betriebe gezahlt. Für weitere 6 Betriebe erfolgt heute noch die Zahlungsanweisung in Höhe von rund 614.000 Euro, so dass mit ca. 24 Millionen Euro mehr als die Hälfte Trockenschadenhilfe als Vorschuss in diesem Jahr gezahlt wurden. 

Backhaus: „Staatliche Hilfen keine Dauerlösung“

Staatliche Hilfen seien aber keine Dauerlösung, betonte Backhaus. „Die Landwirte selbst tragen in ihrer Eigenschaft als Unternehmer zuvorderst die Verantwortung für das betriebliche Risikomanagement. Darin waren sich die Agrarminister des Bundes und der Länder im September erneut einig. Der Staat kann dies nur ergänzen“, sagte er weiter.

Keine Versicherung gegen Hochwasser und Dürre

In Deutschland können Ertragsrisiken bei Ackerkulturen wie Hagel, Sturm, Frost und Starkregen allein oder in Kombination (Mehrgefahrenversicherung) versichert werden. Keine Versicherungsangebote hingegen gibt es gegenwärtig gegen Überschwemmungen bzw. Hochwasser und Dürre. Bislang lehnten die Versicherungen ein entsprechendes Angebot ab, da – anders als bei lokal auftretenden Schadensereignissen – ein interner Risikoausgleich fehlt. Es müsste eine derart hohe Versicherungsprämie veranschlagt werden, dass sie für die Betriebe unwirtschaftlich und nicht bezahlbar wäre.

Bund prüft verschiedene Sicherungssysteme

Der Bund sei auf der Agrarministerkonferenz gebeten worden, die konkreten Varianten verschiedener Sicherungssysteme mit und ohne staatliche Bezuschussung darzustellen, sagte der Minister. Ein Bericht des Bundeslandwirtschaftsministeriums nennt schon jetzt einen Fördermittelbedarf von 900 Mio. Euro jährlich. Bei einem Fördersatz von 65 % der Versicherungsprämie könnten damit etwa 60 % der Ackerfläche Deutschlands (ohne Sonderkulturen wie Wein oder Obst) abgesichert werden. „Diese Zahlen macht die Dimension deutlich, über die wir gegebenenfalls entscheiden müssen.“

Landwirtschaftsbetriebe investieren weiter

Trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage in vielen Landwirtschaftsbetrieben, konnte das Fördergeschehen im Rahmen des Agrarinvestitionsförderprogramms weitgehend an das Niveau des Vorjahres anknüpfen, informierte Minister Backhaus. In 2018 seien 107 Vorhaben mit einem Zuschuss in Höhe von rd. 8,3 Millionen Euro bewilligt worden. Das förderfähige Investitionsvolumen habe ca. 28,5 Millionen Euro betragen. Im Vorjahr seien es 114 Vorhaben mit einem Zuschuss in Höhe von etwa 8,2 Millionen Euro und einem förderfähigen Investitionsvolumen von ca. 29 Millionen Euro gewesen.

Tierwohl steht bei Investitionen im Fokus

Die Investitionsbereitschaft der Milchviehbetriebe hat Backhaus zufolge wieder leicht zugenommen. Mit 32 bewilligten Vorhaben konnte zwar zahlenmäßig an das Niveau von 2015 angeknüpft werden, jedoch halbierte sich das Investitionsvolumen auf durchschnittlich 122.000 EUR je Vorhaben. „Statt großer baulichen Investitionen im Milchviehbereich, stehen Fütterungstechnik, Verbesserung des Kuhkomforts und Güllewirtschaft im Fokus der Investitionstätigkeiten“, führte er aus. Auch in der Schweine- und der Geflügelhaltung stehe das Tierwohl bei Investitionen im Vordergrund.

Backhaus: ASP-Bedrohung ist allgegenwärtig

Mit Blick auf die Bedrohung durch die Afrikanische Schweinepest (ASP) sagte der Minister, Mecklenburg-Vorpommern sei in höchster Alarmbereitschaft und beobachte das Geschehen in Ost-Europa und Asien sehr genau. Besonders besorgniserregend sei die Lage in Rumänien. Dort habe sich die ASP innerhalb kürzester Zeit massiv in der Hausschweinepopulation ausgebreitet. Seit dem Erstnachweis der ASP in 2017 wurden in Rumänien ca. 1.100 Ausbrüche in Hausschweinebeständen mit etwa 360.000 betroffenen Tieren angezeigt, darunter der Nachweis in Europas größter Schweinehaltung mit rund 150.000 Tieren in drei Stallkomplexen.

ASP verlangt international abgestimmtes Handeln

Erst kürzlich hat sich Minister Backhaus in Brüssel gegenüber dem EU-Gesundheitskommissar Andriukaitis für ein international abgestimmtes Vorgehen ausgesprochen. Es dürfe nicht nur mit den Umwelt- und Landwirtschaftsministerinnen und -ministern der Mitgliedsstaaten gesprochen werden, auch die Behörden für Transport, Verkehr, Inneres und Grenzkontrollen gehören in die ASP-Vorsorge eingebunden.

Land will Trinkwasserversorgung weiter optimieren

Als eine wichtige politische Aufgabe für die kommenden Jahre bezeichnete Minister Backhaus den Schutz der natürlichen Ressourcen, wie Wasser und Boden. Als oberste Wasserbehörde des Landes arbeitet sein Ressort unter anderem daran, das erreichte, hohe Niveau in der Trinkwasserversorgung zu sichern und weiter zu optimieren. In einem „Statusbericht“ wurde die aktuelle Situation der Wasserversorgung im Land auf Basis eigener Daten dargestellt.

„Grundsatzplan Trinkwasserversorgung 2040“ kommt

Darauf aufbauend soll nun in einem zweiten Teil („Grundsatzplan Trinkwasserversorgung 2040“) speziell die Trinkwasserversorgungssituation bewertet werden. Als Grundlage dienen dabei Konzepte der Wasserversorgungsunternehmen sowie Ergebnisse relevanter fachlicher Projekte. „Im Rahmen dieser Bewertung möchten wir auch den zukünftigen Handlungsbedarf für Investitionen in die öffentliche Trinkwasserversorgung bis 2040 eruieren und Bedarf und Möglichkeiten einer Unterstützung durch das Land prüfen“, unterstrich der Minister.

MV initiiert bundesweite Kartieranleitung Winderosion

Auch im Bodenschutz hat sich im vergangenen Jahr viel getan, erläuterte Minister Backhaus. Auf Initiative von Mecklenburg-Vorpommern wurden in der Bund/Länder Arbeitsgemeinschaft Bodenschutz (LABO) erstmals bundeinheitliche Regeln für die Dokumentation von Winderosionsereignissen erarbeitet und veröffentlicht. „Die Kartieranleitung leistet einen wichtigen Beitrag zur Ableitung standortangepasster Bodenschutzmaßnahmen. Denn Bodenerosion ist ein natürliches Ereignis, das nie ganz zu verhindern ist. Wichtig ist, aktiv Vorsorge zu betreiben“, sagte er weiter.

MV führt Erosionsereigniskataster seit 2011

Mecklenburg-Vorpommern verfügt bereits seit 2011 über ein Erosionsereigniskataster (EEK) für Wind und Wasser und hat seine Erfahrungen auf Bundesebene eingebracht, erklärte der Minister. Mittlerweile seien hierzulande 47 Wind- und 48 Wassererosionsereignisse aufgenommen worden. Dabei bewegten sich die Wassererosionsereignisse durchschnittlich auf einer Flächengröße von 10 Hektar. Bei Winderosionsereignissen seien meist 90 % der gesamten Feldblöcke betroffen. Winderosionsereignisse seien vermehrt im LK Ludwigslust-Parchim und im LK Vorpommern-Rügen, Wassererosionsereignisse vor allem im LK Rostock erfasst worden.

Landesamt untersucht Schokolade und Lachs

Abschließend verwies der Minister auf die Lebensmitteluntersuchungen des Landesamts für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF). Dort seien in den vergangenen vier Wochen 14 weihnachtliche Schokoladen-Hohlkörper (Weihnachtsmänner, Schneemänner und andere Formen) aus dem Lebensmitteleinzelhandel und von zwei Herstellern aus MV, sowie insgesamt 20 Proben von geräuchertem und gebeiztem Lachs untersucht worden.

Beides erreicht beste Ergebnisse

Bei den Naschereien habe es lediglich zwei Beanstandungen gegeben, von denen allerdings kein Risiko ausgeht. So habe es u.a. Deklarationsmängel den Kakaogehalt betreffend gegeben. Der Lachs, wie auch die Schokolade, wurde mit bestem Ergebnis sensorisch auf Geruch, Geschmack, Aussehen und Konsistenz getestet. Die mikrobiologische Analyse der beliebten Fischspezialität ergab eine problemlose hygienische Qualität. Beim Fisch handelte es sich um vorverpackt eingeschweißte Ware aus dem Lebensmitteleinzelhandel in M-V, überwiegend hergestellt in Polen.

 


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