Backhaus: Milchproduktion hat hohe gesellschaftliche Bedeutung für MV

Nr.045/2019  | 07.03.2019  | LM  | Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt

 

Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus sieht Potenzial für eine weitere Entwicklung der Milchviehhaltung in Mecklenburg-Vorpommern. „Klar ist die Milchproduktion seit der Milchkrise 2016 rückläufig und viele Betriebe haben aus betriebswirtschaftlichen Gründen die Milchproduktion eingestellt, trotzdem bestehen gute Voraussetzungen“, sagte der Minister am Donnerstag auf dem 12. BDM-Milchbauerntag in Güstrow.

Eine erfolgreiche Entwicklung der Milchproduktion setze aber voraus, dass der Schwerpunkt stärker auf ihre Nachhaltigkeit gelegt werde. „Nachhaltigkeit ist das übergreifende Thema bei der weiteren Entwicklung der Milcherzeugung“, betonte der Minister. Jeder Milchbauer müsse daher für sich die Frage beantworten, mit welcher Strategie diese Nachhaltigkeit noch besser erreicht werden kann. Dabei seien die ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekte der Nachhaltigkeit als Einheit zu betrachten.

So sei einer Analyse der LMS Agrarberatung für 2017 zu entnehmen, dass es durchaus Betriebe hier im Land gibt, die unter den aktuellen Bedingungen in der Milchproduktion Gewinne erzielen können. Die Analyse zeige allerdings auch, dass bei den Erzeuger­kosten ein großes Gefälle zwischen den einzelnen Betrieben besteht. „Hier sehe ich erhebliches Potenzial“, sagte Backhaus.

Spielraum sehe er außerdem im Umgang der verschiedenen Interessenlager miteinander. „Denn so schlecht, wie es manchmal dargestellt wird, sieht es ja mit der Ökobilanz der Rinderhaltung im Land gar nicht aus.“ Oftmals ermögliche gerade erst die Rinderhaltung eine sinnvolle Nutzung der ökologisch wertvollen Wiesen und Weiden. Auch betrage der Tierbesatz in MV nur 34 Großvieheinheiten je 100 ha landwirtschaftliche Nutzfläche. In Schleswig-Holstein mit 105 und Niedersachsen mit 125 seien es deutlich höhere Werte.
In den dominierenden modernen Ställen des Landes bestünden zudem gute Haltungsbedingungen. Auch wenn es bei der tiergerechten Haltung noch Luft nach oben gäbe. So profitieren derzeit nur 10 Prozent der Milchkühe vom 2016 aufgelegten Programm zur Förderung der Sommerweidehaltung.

Die milchviehhaltenden Betriebe seien von sozialer Bedeutung für den ländlichen Raum, die weit über den Lebensunterhalt von Landwirt und Arbeitnehmern aus dem Dorf hinausgeht. „Leider wird das in der breiten Öffentlichkeit zu wenig honoriert“, gab Backhaus zu bedenken. Außerdem würde oft ausgeblendet, dass mit der Milcherzeugung ein hochwertiges, gesundes Lebensmittel bereitgestellt werde.

Gerade mit Blick auf die hohe gesellschaftliche Bedeutung einer nachhaltigen Milchproduktion werde das Landwirtschaftsministerium die Milchbauern dahingehend auch weiterhin unterstützen, so Backhaus.
Hinsichtlich der Förderung von Agrarinvestitionen zählt die Milcherzeugung zu den prioritären Bereichen. Priorität genießt sie ebenso bei der Neuverpachtung von Landesflächen. Die Verbesserung der Gesundheit und Robustheit der Milchkühe werde mit dem höchstmöglichen Fördersatz unterstützt.

Das Land fördert Aus- und Fortbildung sowie Forschungs­arbeit und Beratung durch die Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei, das Leibniz-Institut für Nutztierbiologie Dummerstorf sowie die LMS Agrarberatung und den Rinderzuchtverband.

Ziel müsse es weiterhin sein, dass die Milcherzeuger einen besseren Milchpreis erhalten, so der Minister. Allerdings könne Politik immer nur begrenzt Einfluss auf die grundlegenden Mechanismen des Milchmarktes nehmen. Das treffe vor allem auch auf die Neugestaltung der Lieferbeziehungen sowie für die Verteilung der Preisrisiken in der Wertschöpfungskette zu. „Ich kann daher nur alle Milcherzeuger auffordern, sich zügig auf ein gemeinsames Ziel zu verständigen und damit in die Verhandlungen zu gehen“, sagte der Minister.

 

Hintergrundinformation:

In MV halten 709 Betriebe Milchkühe mit insgesamt 167.000 Tieren (Stand Mai 2018). Die Hälfte der Tiere (84.000) steht in den 102 Betrieben mit mehr als 500 Milchkühen. November 2014 waren es noch 850 Betriebe mit insgesamt 182.000 Tieren, wovon 76.000 Kühe in 95 Betrieben mit mehr als 500 Milchkühen lebten.

474 Betriebe mit rund 156.000 Milchkühen sind Mitglied im Landeskontrollverband für Leistungs- und Qualitäts­prüfung Mecklenburg-Vorpommern eG (LKV). In 97 Prozent dieser Betriebe leben die Tiere in Laufstall­haltung.

Die durchschnittliche jährliche Milchleistung je Kuh beträgt in MV 9.669 kg, in Deutschland 8.864 kg. Die durchschnittliche Lebensleistung einer Milchkuh beträgt in MV 26.707 kg (Quelle: LKV Nov. 2018).