Mecklenburg-Vorpommern setzt Aalbesatzprogramm fort

Nr.137/2019  | 29.05.2019  | LM  | Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt

 

Im Rahmen der diesjährigen Aalbesatzmaßnahmen hat Fischereiminister Dr. Till Backhaus am Mittwoch an der Aussetzung von vorgestreckten Aalen in den Holzendorfer See bei Dabel durch den Fischerei- und Verarbeitungs­betrieb Dehmel teilgenommen. „Solche Besatzmaßnahmen führen wir seit 2009 durch. Sie sind ein wesentliches Element des Aalmanagements in Mecklenburg-Vorpommern, um die Ziele der Europä­ischen Aalverordnung zu erreichen“, sagte Backhaus. „Ich bin froh, dabei solche aktiven Binnenfischer wie den Fischer Dehmel als Partner an der Seite zu haben.“

Der Fischereibetrieb Dehmel nimmt regelmäßig an den jährlichen Aalbesatzmaßnahmen des Landes teil. Geplant hat er dieses Jahr den Besatz seiner Gewässer (Dabeler See, Glammsee, Tempziner See, Großer Wariner See, Bibower See und Holzendorfer See) mit 500 kg vorgestreckten Aalen. Bei einem mittleren Stückgewicht der Fische von 10 g sollen mithin rund 50.000 kleine Aale ausgesetzt werden.

In MV wurde Anfang April mit den diesjährigen Besatz­maßnahmen begonnen, die Mitte Juni abgeschlossen sein werden. Dann werden insgesamt etwa 6 Tonnen Jungaale in Gewässer des Landes ausgesetzt worden sein. Dafür stellt MV über 310.000 Euro Fördermittel aus dem Europäischen Meeres- und Fischereifonds (EMFF) und aus dem Landeshaushalt zur Verfügung.

Beim ersten Besatz wurden durch drei Binnenfischerei­unternehmen rund 320 kg Glasaale ausgebracht. Dies entspricht einer Gesamtzahl von 1,1 Millionen Stück. Anfang Mai wurden weitere 511 kg vorgestreckte Aale ausgesetzt, was einer Gesamtzahl von rund 227.000 Stück entspricht.

Der Landesanglerverband M-V hat dieses Jahr bereits rund 1.700 kg vorgestreckte Aale in verbandseigene Seen und Fließgewässer ausgesetzt. Bei einem mittleren Stückgewicht von 7 g entspricht dies einer Stückzahl von etwa 243.000 Aalen.

Die Qualität des Besatzmaterials wird vom Institut für Fischerei der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei M-V (LFA) überwacht. Die Dokumentation der Maßnahmen ist mit weiterführenden wissenschaft­lichen Fragestellungen verbunden. So gibt das Institut Besatzempfehlungen, um in Abhängigkeit der spezifischen Gewässereigenschaften optimale Aufwuchsbedingungen für die Aale zu sichern.

 

HINTERGRUND:

Alleinige „Kinderstube“ des Europäischen Aals ist die Sargassosee im Atlantik östlich von Florida. Die Larven werden im Zeitraum von drei Jahren mit der Golfströmung 6000 Kilometer über den Atlantik an die Küsten Westeuropas getrieben. Weil sie pigmentlos sind, werden sie in dieser Altersstufe Glasaale genannt. Die Jungaale steigen über die Flüsse in die Binnengewässer auf und pigmentieren sich (Gelbaale). Nach etwa 20 Jahren wandern die laichbereiten und silbern glänzenden Aale (Blankaale) wieder in die Sargassosee. Nach dem Ablaichen sterben sie.

Seit den 1980er-Jahren wird eine ständige Abnahme des Bestandes festgestellt. Mittlerweile steht dieser Fisch auf der Liste der bedrohten Tierarten. 2007 erließ die EU deshalb eine Verordnung, die die Mitgliedstaaten verpflichtet, Managementpläne zu erarbeiten und umzusetzen, die den Bestand des Europäischen Aals sichern.

Ziel der EU ist es, eine solche Populationsdichte in den europäischen Gewässern zu erreichen, dass die Zahl der in die Laichgebiete abwandernden Blankaale wieder etwa 40 Prozent des Umfangs erreicht, wie er in den 1970-er Jahren erfolgte. Das Land Mecklenburg-Vorpommern ist dabei allein verantwortlich für die Bestandsentwicklung im Flusseinzugsgebiet Warnow/Peene und handelt gemäß einem gesamt­deutschen Rahmenplan in den Einzugsgebieten von Elbe, Trave und Oder.

Der Europäische Aal ist nicht künstlich reproduzierbar und die Flüsse sind oft so verbaut, dass die Jungaale nicht selbst in die Oberläufe der Flüsse gelangen können. Deswegen müssen die Glasaale an den Küsten des Ostatlantik gefangen und in den Binnengewässern ausgesetzt werden. In der Regel werden Glasaale erst in Farmen „vorgestreckt“, um sie dann gestärkt auszusetzen. Nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen werden sie aber auch direkt nach dem Fang im März bis April wieder ausgesetzt.