Minister Backhaus weist Schutzwald für Lubmin aus

Nr.215/2019  | 28.08.2019  | LM  | Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Dr. Till Backhaus hat heute in Lubmin ein 83 Hektar großes Waldgebiet offiziell zum Schutzwald erklärt. „Der Wald bei Lubmin hat eine ganz besondere Bedeutung für die Ortschaft; er bindet Staub und hält Lärm aus dem benachbarten Industriegebiet zurück“, begründete der Minister die Entscheidung. Waldgebiete können als Schutzwälder entsprechende des Landeswaldgesetzes ausgewiesen werden. Insgesamt wurden mit Lubmin 9 Schutzwälder ausgewiesen, in denen im Vergleich zu anderen Waldgebieten beispielweise keine Kahlschläge vorgenommen werden dürfen.

Um den besonderen Schutzstatus für jedermann sichtbar zu machen, erhält der Schutzwald in Lubmin als erster seiner Art ein spezielles Kennzeichnungsschild nach Forstrecht mit der Aufschrift „Schutzwald“. „Damit wollen wir die unschätzbaren Wert unserer Wälder noch stärker in den Fokus rücken“, so der Minister. Rechtliche Grundlage bildet die im Mai 2019 veröffentliche Waldkennzeichnungsverordnung. Um die Wiedererkennbarkeit von Waldschutzgebieten in Deutschland zu erhöhen, sei es jedoch wünschenswert, wenn sich die Länder auf eine bundeseinheitliche Kennzeichnung verständigen könnten, wie dieses nach Naturschutzrecht mit dem Logo einer Waldohreule bereits erfolgt ist, merkte Backhaus an.

Der Minister betonte, dass Wälder eine Schlüsselrolle beim Klimaschutz spielen: „Wälder produzieren Sauerstoff, reinigen Luft und Wasser, schützen vor Lärm und Erosion; sie sind wichtiger Lebens- und Rückzugsraum für Flora und Fauna und fördern die Gesundheit. An der Küste sind sie wichtige Bestandteile zum Schutz vor Sturmfluten.“ Der Beitrag der deutschen Forst- und Holzwirtschaft zum Klimaschutz betrage derzeit etwa 127 Mio. Tonnen CO2/Jahr (2014). Dieser Kohlenstoffeffekt von Wald und Holz ergibt sich aus 58 Mio. Tonnen CO2/Jahr Waldspeicher, 30 Mio. Tonnen CO2/Jahr stoffliche Substitution, 36 Mio. Tonnen CO2/Jahr energetische Substitution und 3 Mio. Tonnen CO2/Jahr Holzproduktspeicher. An diesen Zahlen könne man erkennen, dass nicht nur die Waldmehrung, sondern auch die stoffliche Substitution durch Holzprodukte eine erhebliche Rolle spielt – zum Beispiel verstärkter Gebäudebau mit Holzprodukten, um damit stark klimabelastende Beton- und Stahlprodukte zu substituieren. Die Gesamtmenge von 127 Mio. Tonnen CO2/Jahr entspricht etwa 14 % der gesamten deutschen Treibhausgas-Emissionen.

Die zunehmend extremen Wetterlagen setzten den Wäldern jedoch immer weiter zu, ergänzte der Minister. Um ihre natürlichen Funktionen zu erhalten, bedürfe es langfristiger Strategien. Mecklenburg-Vorpommern habe die alarmierenden Hinweise der Klimaforscher daher frühzeitig aufgegriffen und bereits 2010 ein Maßnahmenkonzept zur Anpassung der Wälder an den Klimawandel erarbeitet. Dies sehe vor allem vor, dass es im Land mehr standortangepasste Mischwälder mit höheren Laubholzanteilen geben soll. Für entsprechende Waldumbaumaßnahmen werden jährlich rund vier Millionen Euro ausgegeben. Auch gehe es darum, die genetische Vielfalt der Waldgehölze zu erhalten und zu fördern. Mecklenburg-Vorpommern beteiligt sich deshalb an bundesweiten Züchtungsinitiativen, wie „FitForClim“ oder „AdaptForClim“. Dafür werden im Land Samenplantagen für Douglasie, Kiefer und Bergahorn angelegt. Weitere Maßnahmen seien die Wiedervernässung von Waldmooren und die Erprobung bodenschonender Holzernteverfahren. 

Hintergrund

Weitere Schutzwälder in Mecklenburg-Vorpommern

  • Küstenlandschaft zwischen Priwall und Barendorf mit Harkenbäkniederung
  • Quaßliner Moor
  • Kopfhainbuchenniederwald Jassewitzer Busch
  • Schutzwald Lüblow
  • Schutzwald Nossentiner Kiefernheide
  • Schutzwald Ivenacker Hudewald
  • Holzbirnenschutzwald Cramon
  • Schutzwald Strelitzer Kiefernheide

Waldfläche Deutschland: 11,4 Millionen Hektar (32 % der Bundesfläche), häufigste Baumarten: Gemeine Fichte (25 %), Waldkiefer (23 %)

Waldfläche MV: 558.000 Hektar (24 % der Landesfläche), häufigste Baumarten: Waldkiefer (38 %), Buche (13 %) sowie andere Laubbäume niedriger Lebensdauer (Birke, Erle, Pappel) (21 %) – die Gemeine Fichte hat nur 8 % in MV.