PapalapApp soll Verständnis für die vielfältigen Herausforderungen des Familienlebens schaffen

Ministerin Drese und Vertreter der Unimedizin Greifswald bei der Freischaltung der PapalapApp Details anzeigen
Ministerin Drese und Vertreter der Unimedizin Greifswald bei der Freischaltung der PapalapApp
Ministerin Drese und Vertreter der Unimedizin Greifswald bei der Freischaltung der PapalapApp
Ministerin Drese und Vertreter der Unimedizin Greifswald bei der Freischaltung der PapalapApp
Nr.220  | 03.11.2017  | SM  | Ministerium für Soziales, Integration und Gleichstellung

Sozialministerin Drese gab den Startschuss für ein außergewöhnliches Projekt und der Ärztliche Vorstand testet als Erster die Greifswalder „Papa-App“  

Als Ärztlicher Vorstand und Direktor der Chirurgischen Klinik hat Professor Claus-Dieter Heidecke schon viel um die Ohren. Wie ist es aber, wenn er sich zusätzlich zu seinen umfangreichen beruflichen Aufgaben auch noch um die Versorgung seiner virtuellen Kinder kümmern muss? Das wird der Mediziner und Wissenschaftler die nächsten Wochen erfahren, denn Prof. Claus-Dieter Heidecke, selbst im realen Leben Vater dreier erwachsener Kinder, hat sich als erste Testperson für die neue Greifswalder „Papa-App“ PapalapApp zur Verfügung gestellt. Sozialministerin Stefanie Drese hat heute gemeinsam mit der Gleichstellungsbeauftragten der Universitätsmedizin Greifswald (UMG), Dr. Astrid Petersmann, den Startschuss für ein außergewöhnliches Projekt zur Familienförderung gegeben.

„Frauen übernehmen regelmäßig den größeren Anteil der Familien- und Pflegeaufgaben sowie der Haushaltsarbeit“, so Sozialministerin Stefanie Drese. „Die damit einhergehende Doppelbelastung beschränkt die Möglichkeiten des beruflichen und gesellschaftlichen Engagements. Obwohl Mädchen und Frauen häufig den besseren Bildungsabschluss haben, erreichen sie weniger oft Führungspositionen, verdienen weniger Geld, arbeiten häufiger in Teilzeit und erwerben geringere Altersvorsorgeansprüche.“ Drese: „Die PapalapApp zeigt auf sehr moderne und kreative Weise, was es heißt Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen.“ 

PapalapApp - die Papa-App ist eine Initiative der Unimedizin Greifswald, die für Führungskräfte die Herausforderungen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf erlebbar machen soll. Schaffe ich es, mein Kind rechtzeitig von der Kita abzuholen? Wie organisiere ich eine Kinderbetreuung für meinen nächsten Nachtdienst? Was mache ich, wenn die Kita anruft und mich bittet mein Kind abzuholen, weil es hohes Fieber bekommen hat?

Universitäre Medizin ist auch aus Sicht der Gleichstellung ein herausforderndes Feld. Junge Ärzte, die sich sowohl ihrer Facharztausbildung als auch der Forschung und Lehre widmen möchten, finden häufig nicht ausreichend Zeit für ihre Familie. Ebenso geht es den Frauen und Männern in der Pflege, die mit dem Schichtdienst vor der Familiengründung noch gut zurechtkamen. Und trotzdem wagen viele den Schritt der Familiengründung und mehr und mehr Paare nehmen die Familienaufgaben paritätisch wahr. Damit geraten nun nicht nur Mütter, sondern auch immer häufiger Väter in die klassischen Alltagskonflikte rund um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Das Familienleben hat sich verändert
„Die Idee zur App kam in der alltäglichen Gleichstellungsarbeit, in der immer noch unterschiedliche Lebenswelten aufeinanderprallen“, so Dr. Astrid Petersmann. „Das Familienleben hat sich erfreulich gewandelt, Väter übernehmen heute viel mehr Verantwortung. Allerdings treffen im Klinikbetrieb auch verschiedene Generationen aufeinander und früher war es in der Regel üblich, dass die Frau dem Mann den Rücken freigehalten hat. Unser Anliegen war eine spielerische und konstruktive Auseinandersetzung mit dem Thema, um auch den älteren Führungskräften die veränderten Rahmenbedingungen für ein modernes Familienleben nahezubringen.“

Inhaltlich entwickelt wurde die App durch Mitarbeitende im Gleichstellungsbüro und weitere ehrenamtliche Kräfte. Umgesetzt hat das Projekt das Unternehmen Rocket-Apes aus Essen (Nordrhein-Westfalen). Die finanziellen Mittel konnten mit Drittmitteln aus Vorträgen der Gleichstellungsbeauftragten in der Laboratoriumsmedzin und dank der Unterstützung durch den Leiter der Unfallchirurgie, Prof. Axel Ekkernkamp, aufgebracht werden. Schon vor der Inbetriebnahme ist das Interesse an der App groß, so dass geplant ist, weitere Universitätsmedizin-Standorte zuzuschalten.

Die App sieht alles
Die App wird kostenfrei erhältlich sein und ermöglicht es den Anwendern für bis zu zwei Wochen für maximal drei Kinder „verantwortlich“ zu sein. Das Abenteuer Vereinbarkeit von Familie und Beruf beginnt mit einer Einführungsaufgabe, anschließend benachrichtigt PapalapApp über die anstehenden Pflichten: für Mahlzeiten sorgen, ein Kind zum Musikunterricht oder ein krankes Kind zum Arzt bringen. PapalapApp prüft, ob die Aufgaben erledigt oder die angegebenen Orte erreicht wurden. Am Ende eines jeden individuellen PapalapApp-Projektes bekommen die Nutzer eine übersichtliche Auswertung. Mit PapalapApp kann also eine ganz normale Arbeitswoche zum Vereinbarkeitsabenteuer für jeden werden. Dabei wird es nicht möglich sein, die App auszutricksen. „Wenn die App meldet, dass das Kind aufgrund einer Erkrankung aus dem Kindergarten abgeholt werden muss, ist die Aufgabe nur erfüllt, wenn tatsächlich die Kita aufgesucht worden ist“, erläuterte Petersmann. Das soll gerade den überwiegend männlichen Universitätsprofessoren einen Einblick in die nicht immer leichte Vereinbarkeit von Beruf, Forschung und Familie ermöglichen.

Mehr Verantwortung für Führungskräfte
„Wir brauchen neben den Müttern mehr Väter, die familiäre Verantwortung übernehmen, vor allem mehr Führungskräfte, die aus eigener Anschauung wissen, was es bedeutet, täglich den Spagat zwischen Familie und Beruf zu leben“, bekräftigte auch der Ärztliche Vorstand und erster „virtueller Testvater“, Prof. Claus-Dieter Heidecke. „Das ist auch ein wichtiger Punkt für die Mitarbeiterzufriedenheit und ein gewichtiges Argument im Wettbewerb um die besten Fachkräfte. Schließlich suchen sich junge Leute heute ihr berufliches Umfeld auch danach aus, wie familienfreundlich es aufgestellt ist. Dafür braucht es unter anderem Vorgesetzte, die gute Entscheidungen treffen, am besten auf der Basis eigener Erfahrungen. So hilft es Führungskräften in ihrer täglichen Arbeit, wenn sie bereits selbst familiäre Verantwortung, beispielsweise für die Betreuung von Kindern, getragen haben.“

Doch was tun, wenn in einem Unternehmen viele Führungskräfte aufgrund des eigenen Lebensentwurfes nicht die Chance hatten, diese Erfahrungen zu sammeln? Gerade in der universitären Medizin haben viele Führungskräfte für sich einen anderen Lebensentwurf gewählt als ihre jüngeren Mitarbeitenden. Aber gerade im Alltag entscheidet sich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oft in den kleinen Dingen. Und sie beginnt mit Verständnis, Wertschätzung und Unterstützung von und durch die Vorgesetzten; kurz einer familienfreundlichen Unternehmenskultur. Und genau hier setzt nun die PapalapApp an, die Führungskräften - aber natürlich auch alle anderen Interessierten - einen kleinen Ausflug in die täglichen Herausforderungen ermöglichen möchte, die mit der Verantwortung für Familie und Beruf verbunden sind. „Mit unserer Papa-App möchten wir in der Unimedizin vor allem die Professoren einladen mitzumachen, denn ihre Berufsgruppe gab den Impuls zu diesem Projekt, was als äußerst positives Zeichen zu werten ist“, unterstrich die Gleichstellungsbeauftragte.