Ärztemangel, Pflegenotstand: ausländische Fachkräfte könnten abhelfen

Integrations- und Ausländerbeauftragte der ostdeutschen Bundesländer fordern eine bessere Anerkennungsstruktur

Nr.124  | 28.06.2018  | SM  | Ministerium für Soziales, Integration und Gleichstellung

Freie Facharztstellen, vakante Hausarztpraxen, Pflegenotstand in der Altenpflege. Der Bedarf an medizinischen Fachkräften ist bundesweit hoch. Insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern fehlt es an diesen Fachkräften, da unter anderem auf Grund der besseren Bezahlung in vielen westdeutschen Bundesländern eine zusätzliche Abwanderung zu verzeichnen ist. Gleichzeitig stehen Ärzte, Apothekerinnen und Pflegekräfte in den Startlöchern um als Fachkräfte in Deutschland zu arbeiten. Sie haben ihre Ausbildung im Ausland absolviert und bringen oft jahrelange Berufserfahrung mit. Was genau verzögert die Anerkennung ihrer Abschlüsse und wie könnte ihr Weg in den Arbeitsmarkt beschleunigt werden?

Diesen Fragen stellen sich heute in der Thüringer Landesvertretung in Berlin die Integrations- und Ausländerbeauftragten der ostdeutschen Bundesländer gemeinsam mit den Vertretungen der Landesnetzwerke „Integration durch Qualifizierung“ (IQ).

Dabei werden die einzelnen Voraussetzungen und Verwaltungsabläufe der Anerkennungsverfahren in den Fokus genommen und Lösungsansätze erarbeitet.

In der Praxis kommt es immer wieder zu Verzögerungen bei der Bearbeitung der Unterlagen zur Berufsanerkennung, obwohl die Bescheidungsfristen dem Gesetz nach maximal vier Monate dauern dürfen. Woran liegt das?

Ausländische Ärztinnen und Ärzte und Pflegefachkräfte müssen neben den fachlichen Nachweisen auch ihre Deutschkenntnisse unter Beweis stellen. Ist das entsprechende Angebot an Sprachkursen ausreichend?

Fachliche Qualifikation ist im Sinne des Patientenschutzes Voraussetzung und muss meist in einer Kenntnisprüfung nachgewiesen werden. Sind die Prüfungsstrukturen bedarfsdeckend vorhanden?

Eine genaue Prüfung liegt im Interesse aller. Die Beauftragten und die Fachleute des Netzwerkes IQ der ostdeutschen Länder betonen, dass eine beschleunigte berufliche Anerkennung keinesfalls auf Kosten von Qualität erfolgen darf. Eine effiziente Zuführung zugewanderter Fachkräfte in den Arbeitsmarkt - gegebenenfalls mit sprachlicher und fachlicher Nachqualifizierung - ist sowohl aus integrations- als auch gesundheitspolitischer Sicht anzustreben.

Konkret wird Verbesserungs- und Handlungsbedarf in folgenden Bereichen gesehen:

  1. Anerkennende Stellen sind mit ausreichend Personal mit Fachkompetenz auszustatten.
  2. Die Verfahren müssen für Antragstellende transparent und planungssicher geregelt sein.
  3. Vorbereitungskurse auf die Kenntnis- und Eignungsprüfungen sowie Anpassungslehrgänge werden durch die IQ Netzwerke angeboten. Strukturen zur Abnahme der Prüfungen und des Fachsprachtests müssen ausreichend zur Verfügung gestellt werden.
  4. Die Ausländerbehörden müssen in den gewollten Zuwanderungsprozess eingebunden sein.

 

Statement der Integrationsbeauftragten der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern, Dagmar Kaselitz:

„Als Integrationsbeauftrage von Mecklenburg-Vorpommern ist es mir wichtig, dass Menschen mit Migrationsgeschichte in unserem Land, sich ein gutes eigenständiges Leben aufbauen und gleichberechtigt in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens einbringen können. Wir wollen und dürfen nicht auf das Wissen und die Fähigkeiten der Migrantinnen und Migranten verzichten. Das Bundesprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)" macht es möglich, hier aktiv zu werden. In allen Bundesländern gibt es dafür Landesnetzwerke. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es zahlreiche Partner, die das Programm umsetzen.“

2017 lebten in MV 73.725 Menschen mit Migrationsgeschichte. Im Mai 2018 waren 13.160 von Ihnen arbeitssuchend. Mehr als die Hälfe von ihnen stammen aus den 8 wesentlichen Asylherkunftsländern. Viele verfügen über berufliche Bildungsabschlüsse oder andere fachliche Qualifikationen, die in Deutschland nicht gleichwertig anerkannt werden.