Wieviel MV steckt in Berlin?

Die #mvhältzusammen-Tour durch die Bundeshauptstadt

Das Gebäude der Landesvertretungen Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg in den Ministergärten in Berlin. Über dem Foto ist das herzförmige Logo mit #mvhältzusammen zu sehen.Details anzeigen
Das Gebäude der Landesvertretungen Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg in den Ministergärten in Berlin. Über dem Foto ist das herzförmige Logo mit #mvhältzusammen zu sehen.
Staatssekretärin Dr. Antje DraheimDetails anzeigen
Staatssekretärin Dr. Antje Draheim

Dr. Antje Draheim startete die Tour #mvhältzusammen - MVler in Berlin im August

Dr. Antje Draheim startete die Tour #mvhältzusammen - MVler in Berlin im August

Die Staatssekretärin und Bevollmächtigte des Landes Mecklenburg-Vorpommern beim Bund Dr. Antje Draheim hat im August die Tour #mvhältzusammen – MVler in Berlin gestartet. Sie trifft sich in den kommenden Monaten mit in Mecklenburg-Vorpommern geborenen Berlinerinnen und Berlinern, die noch einen großen Bezug zum Land haben. Schon nach den ersten Terminen gab es viel Lob und für die Landesvertretung eine Bandbreite an Impulsen für das eigene Bundesland.

Wieviel Mecklenburg-Vorpommern steckt eigentlich in der Hauptstadt? Was ist davon sichtbar, wo treffen Urbanität und „Land zum Leben“ aufeinander? Was hält sie in Berlin und was würde sie überzeugen, zurück nach Mecklen­burg-Vorpommern zu kommen? Welche Chancen sehen sie in der Deutschen Einheit und was ist ihre persönliche Sicht auf die letzten 30 Jahre? Diese Fragen werden mit verschiedenen Personen aus Wirtschaft, Kultur und Politik diskutiert. Mit mehr als 80.000 in MV gebürtigen Berliner*innen (Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, 2018) verbirgt sich - in Relation zur Bevölkerung – hier die größte Gruppe aller Bundesländerzuzügler.

Die Idee zu dieser Besuchs­reihe wurde schon im letzten Jahr geboren, bekam aber mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie nochmal eine neue Bedeutung. Die Vernetzung – analog und digital - zeigt auf, wie wichtig der gegenseitige Austausch ist und das neue „Heimaten“, auch ein stärkeres Zusammen­gehörig­keits­gefühl innerhalb der Community und großes Engagement hervorbringen können. Diesen Mehrwert will auch die Landesvertretung verstärkt in den Fokus nehmen.

Welche Menschen konnten wir im Rahmen der Tour "#mvhältzusammen - MVler in Berlin" bisher kennenlernen?

Nico Gramenz, Geschäftsführer Factory Works GmbH

Nico Gramenz und Dr. Antje Draheim vor der Factory BerlinDetails anzeigen
Nico Gramenz und Dr. Antje Draheim vor der Factory Berlin

Nico Gramenz und Dr. Antje Draheim vor der Factory Berlin

Nico Gramenz und Dr. Antje Draheim vor der Factory Berlin

Nico Gramenz ist auf Rügen geboren. Mittlerweile lebt er in Berlin und seine Mission ist es, die Welt zu verändern. Die Energie und Erfahrung dafür bringt er zweifelsohne mit. Als ehemaliger Strategie- und Innovationschef von Siemens Mobility war es sein Job, immer wieder Veränderungen anzustoßen und in neuen, ungewöhnlichen Bahnen zu denken. Wo tun sich zukunftsträchtige Chancen auf? Mit welchen Partnern kann man Weiterentwicklung umsetzen? Das sind Fragen, die ihn in seiner beruflichen Laufbahn ständig begleiten und auch privat stellt er sich immer wieder neuen Herausforderungen. Nach seinem Diplom als Wirtschaftsingenieur, einem Master of Business Administration, diversen Spezialisierungen und einem Studium der Wirtschaftspsychologie studiert Nico Gramenz aktuell Politikwissenschaft, denn er ist überzeugt nur wer seine Perspektive ändert, kann auch etwas Neues schaffen.

Das fasst auch die Firmenidee der Factory Berlin zusammen, die Nico Gramenz seit 2019 als Geschäftsführer leitet und in der ihn Staatssekretärin Dr. Antje Draheim besucht hat. Die Factory ist ein Bürocampus für bekannte Tech-Firmen und Großkonzerne zum einen sowie kleine, innovative Start-Ups zum anderen. Sie fungiert als Plattform, um Macher und Kreative aus den unterschiedlichsten Bereichen aktiv zu vernetzen. Das Angebot für die knapp 4.000 Mitglieder umfasst Arbeitsplätze, Netzwerke, Events, Werkstätten und Beratung. Die etablierten Firmen agieren als Inkubatoren und Mentoren für die Neugründer*innen. Nicos Team engagiert sich sehr, um die richtigen Menschen auf die richtige Weise zusammen zu bringen. Mit Erfolg: 20% der Berliner Start-Ups wurden hier gegründet – das Output ist groß. Auch Künstler*innen sind dabei und finden wichtige Partner für ihr kreatives Schaffen. Mittlerweile gibt es zwei Standorte in Berlin, einen in Hamburg und ein weiterer in Leipzig ist in Planung.

Dabei ist sich Nico Gramenz seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst. Nach dem Abitur verpflichtete er sich für elf Jahre und neun Monate bei der Bundeswehr und diente als Offizier in Afghanistan. Auch heute möchte er etwas zurückgeben – vor allem seiner Heimat Mecklenburg-Vorpommern, mit der er trotz der vielen Auslandsaufenthalte immer stark verbunden geblieben ist. Er unterstützt Coworking Projekte in Lietzow und Prora, hält Vorträge auf Kongressen in MV und hat viele Ideen für Rügen und darüber hinaus. Er setzt sich dafür ein, dass nicht nur in den Großstädten moderne Konzepte für Arbeits-, Kultur- und Lernorte entstehen, sondern diese auch für den ländlichen Raum erfolgreich adaptiert werden. Hier sind der CEO und die Staatssekretärin ganz auf einer Wellenlänge und diskutieren ihre Visionen von Bildungscampus, Gemeinde- und Justizzentren und den digitalen Arbeitsplätzen von Morgen. Ganz nach dem Leitsatz der Factory Berlin: Wir vernetzen und stärken Macher, die die Welt verändern wollen.

Lars Jaeger, Geschäftsführer EGE GmbH und Projektleiter Internationale Grüne Woche bei der Messe Berlin GmbH

Lars JaegerDetails anzeigen
Lars Jaeger

Lars Jaeger

Lars Jaeger

Wir alle müssen Veranstaltungs­formate neu denken. Viel zu oft geschah dies in den letzten Monaten branchenübergreifend nur alibimäßig und nicht konsensual. Zu unterschiedlich wird interpretiert, was aus dem Analogen ins Digitale adaptiert werden kann. Mit dieser Kernaussage beginnt das Gespräch mit Lars Jaeger, dem Geschäfts­führer der EGE GmbH und Projektleiter der Internationalen Grüne Woche bei der Messe Berlin GmbH. Seit März 2020 befasst er sich mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Messe- und Ausstellerbranche und seit der Umplanung und Neukonzeption ist er sich sicher, dass es mehr Angebote braucht, die einen wirklichen Mehrwert für die Besucher*innen und die Veranstalter*innen dieser Großveranstaltungen und internationalen Präsentationen haben. Neue digitale und hybride Angebote müssen passgenau sein, wichtige Themen der Zukunft ansprechen und das Netzwerken – wenigstens – im kleinen Rahmen möglich machen. Und ja, nicht alle Fans der Grünen Woche werden im Januar 2021 auf ihre Kosten kommen, denn den obligatorischen „Probierhappen“ oder den gemeinsamen „Schnack auf der Bierbank“ wird es nicht geben. Die Messe wird im kommenden Jahr nur digital stattfinden. Ziel ist es, so Lars Jaeger: hochkarätige Akteure aus der Agrar- und Ernährungs­wirtschaft mittels kleiner Symposien, Fachseminare und Diskussionsforen zu vernetzen und den Austausch zu Themen der Produktion, Tierwohl, Ernährung und Nachhaltigkeit auf nationaler und internationaler Ebene zu ermöglichen. Die früheren Bühnen der Hallen, werden erstmals zu interaktiven TV-Studios.

Viel Energie wird in die Entwicklung der Formate gesteckt und in den anderen Punkten heißt es „Geduld haben“, denn auch dem seit vielen Jahren erfolgreichen Netzwerker Lars Jaeger fehlen die direkten beruflichen Kontakte und der persönliche Moment. Sind sie doch ein, wenn nicht der, Schlüssel zum beruflichen Erfolg, des Mannes, der in Waren geboren und Penzlin aufgewachsen ist. Rostock, Mühlengeez, München, Düsseldorf, Berlin - das sind die beruflichen Stationen von denen es auch zu Konferenzen und Treffen in der ganzen Welt ging. Aber Heimat das war immer Mecklenburg-Vorpommern und Heimathafen ist und bleibt die Stadt Rostock. Nicht verwunderlich deshalb, dass der größte Vorteil der Pandemie – wenn man einen benennen müsste – mehr Zeit mit der Familie ist.

In all den Jahren war er auch im beruflichen Kontext immer sehr stolz auf das, was MV auf die Beine stellt. Ganz vorne steht da sicher die Mecklenburg-Vorpommern-Halle der Grünen Woche. Die enge Zusammenarbeit mit dem Landwirtschafts­ministerium MV hat stets gezeigt, wie wichtig dem Land die eigenen Unternehmen und Betriebe sind. Toll ist zudem, was in den vergangenen Jahren an modernen Produkte und neuen Herstellungs­prozessen hinzugekommen ist und wie zentral nachhaltiger Umgang mit den Ressourcen sowie Regionalität geworden sind. Vieles wurde sich nach der Wende von den Menschen des Landes hart erarbeitet und die Erfolgsgeschichten müssen noch sichtbarer werden, da ist sich Lars Jaeger sicher. Ansonsten ist das Thema Ost/West im 30. Jahr nach der Wiedervereinigung keine große Sache für ihn: Es gibt viele positive Erinnerungen. Geprägt hat mich sicher am meisten, dass es ein sehr solidarisches Miteinander gab. Geben ohne nehmen zu wollen. Das sollte auch heute wieder mehr zählen.

Nadine Meliß, stellvertretende Geschäftsführerin des Berliner Büros von APCO Worldwide

Portrait von Nadine MelißDetails anzeigen
Portrait von Nadine Meliß

Nadine Meliß

Nadine Meliß

Mecklenburg-Vorpommern ist ein Land der Chancen. Dies zeigt sich nun insbesondere in der Corona-Pandemie. Für Nadine Meliß ist Mecklenburg-Vorpommern eine echte Herzens­angelegenheit. Sie glaubt an das Potential dieses jungen dynamischen ostdeutschen Bundeslandes und ist nicht nur deshalb eine „Rückkehrerin“.

Vor knapp einem Jahr entschied sie sich bewusst, für die Zeit der Pandemie ihren Hauptwohnsitz in ihre Heimat in der Mecklenburgischen Schweiz zu verlegen und und ihre Berliner Wohnung zum Zweitwohnsitz zu machen. Die Corona-Pandemie hat für die studierte Politik­wissen­schaftlerin in gewisser Weise Türen geöffnet. Ohne diese schwierigen Umstände, hätte sie die Entscheidung vielleicht nicht so konsequent umsetzen können, als stellvertretende Geschäfts­führerin des Berliner Büros von APCO Worldwide. Seit Beginn der Pandemie arbeitet sie im Homeoffice und leitet die Geschicke des Büros per Telefon- und Videokonferenzen. Regelmäßig schaut sie in Berlin vorbei, aber ein Hauptteil der Arbeit geht problemlos aus MV. Nadine Meliß ist sich sicher, dass die Pandemie den Charakter des bisherigen Büroalltags nachhaltig verändern wird. Die Kommunikation innerhalb des Teams aber auch mit den Kunden (egal ob analog oder digital) ist in dieser herausfordernden Zeit mehr denn je der Schlüssel für produktives Arbeiten.

Die Beraterin verfügt über eine langjährige Erfahrung in den Bereichen Unternehmens­kommunikation, Kampagnen und Public Affairs. Sie leitete PR-Aktivitäten und Kampagnen für Bundesministerien und Behörden, wie das Bildungsministerium und das Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die Beratung von Unternehmen in Krisensituationen zählt zu ihren großen Stärken. Ihre Kundenarbeit wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit einem European Excellence Award, einem German PR Award und einem International German PR Award. Zudem war Nadine Meliß 2005 Mitherausgeberin eines der ersten deutschen Bücher über Politikberatung. Das Buch „Politikberatung in Deutschland – Perspektive und Praxis“ beleuchtete erstmals intensiv die Entwicklung der Politikberatung in der Bundesrepublik, ihre Inhalte und die unterschiedlichen Kanäle und Wege, über die sich Berater*innen und Beratene treffen.

Nadine Meliß ist eine echte Powerfrau. Berufliche Herausforderungen sind Motivation und Motor für neue Erfolge. Sie strahlt viel positive Energie und Leidenschaft für ihren Beruf aus, die auch über eine Videokonferenz spürbar wird.

Die Politikwissenschaftlerin kann auf die Frage der Staatssekretärin Dr. Antje Draheim im Hinblick auf die Herausforderungen und Potentiale des Landes MV viele Anregungen geben. Aus ihrer Sicht hat MV ein breites Potpourri an Kunst- und Kulturangeboten zu bieten. Sie wünscht sich, dass diese in der breiten Öffentlichkeit sichtbarer gemacht werden. Die Angebotswahrnehmung und Eigenwerbung des Landes hat noch Spielraum nach oben. Wie alle Gesprächs­partner*innen im Rahmen dieser Reihe wünscht sie sich auch einen fokussierten und schnelleren Ausbau der Infrastruktur. Dazu zählt in ersten Linie der Ausbau der Internetverbindung und Zugstrecken. Dies würde das Land noch attraktiver machen für andere Menschen, die entweder in die Heimat zurückkehren wollen oder aus den Ballungszentren herausziehen wollen. Seit Nadine Meliß wieder in ihre Heimat gezogen ist, sind diese Herausforderungen noch spürbarer geworden. Nichtdestotrotz liebt sie ihre Heimat und genießt es, wieder ihre Familie und Freunde um sich zu haben. Ihre Eltern und viele Freunde leben ebenfalls in MV und so können sie auch während der Pandemie gemeinsam Zeit verbringen und füreinander da sein.

Die Wiedervereinigung war für sie und ihre Eltern ein positiver Wendepunkt im Leben. Lächelnd gesteht sie, dass sie keine Dokumentation über den Mauerfall schauen kann, ohne eine kleine Träne zu vergießen. Es macht ihr erneut bewusst, was der Fall der Mauer für sie persönlich aber auch für viele Ostdeutsche möglich gemacht hat: Ein Studium der Politikwissenschaften in Berlin, ein Auslandssemester in Spanien, eine freie persönliche und berufliche Entwicklung als junge unabhängige Frau. In diesem Zusammenhang ist es ihr ein großes Anliegen, dass auch Ostdeutsche stärker in Führungs­positionen vertreten sein sollten. 30 Jahre nach der Deutschen Einheit ist noch kein tatsächliches Gleichgewicht hergestellt worden. Frauen in MV haben ein neues und starkes Selbstbewusstsein entwickelt. Dieser neue Spirit kann sicher genutzt werden, um den Weg zu mehr Frauen in Führungs­positionen zu unterstützen und das Land MV wirtschaftlich und soziokulturell noch weiter voranzubringen.

Felix Falk, Geschäftsführer Game-Verband der deutschen Games-Branche e.V.

Felix Falk, auf dem Bildschirm zugeschaltetDetails anzeigen
Felix Falk, auf dem Bildschirm zugeschaltet

Felix Falk

Felix Falk

Die Hansestadt Wismar ist für Felix Falk nicht nur Geburtsort, sondern Heimat und Anker. Im digitalen Schnack im Rahmen der #mvhältzusammen-Tour in Berlin wird deutlich, wie sehr er die Natur und die Menschen dieses Bundeslandes liebt. Und Felix Falk hat sogar einen „Lieblingsort“ in MV: Schwaanhavel - ein etwa 3,5 Kilometer langer kleiner Zufluss zur Havel in der Nähe von Wesenberg – hat es ihm einfach angetan. Und es liegt irgendwie nah, bedeutet es doch so viel wie „Lebender Fluss“ und dieses Lebendige, Umtriebige und Interessierte trägt auch Felix Falk in sich. Hauptberuflich Geschäfts­führer vom Game-Verband der deutschen Games-Branche. Nebenberuflich Jazzmusiker und Komponist. Zudem leidenschaftlicher Netzwerker und Familienvater. Viele verschiedene Facetten und Energie pur, die sich trotz der kühlen Webex-Atmosphäre überträgt.

Die MV-spezifischen Themen sind schnell gefunden, doch natürlich geht es am Anfang erst einmal um den Weg von MV nach Berlin. Direkt nach dem Abitur zog es den gebürtigen Wismarer in die Hauptstadt, um in die Jazzszene einzutauchen. 2002 gründete er eine eigene Jazz-Funk-Band, zeichnete sich dabei für viele Kompositionen verantwortlich und produzierte ein Album. Als Gastmusiker wirkte er bei unterschiedlichen Produktionen, u.a. ist er als Bestandteil der Ninja Horns auf dem Album Schiffsverkehr von Herbert Grönemeyer zu hören.

In dieser intensiven ersten Zeit in Berlin lernte er nicht nur die Jazzszene kennen und lieben, sondern entdeckte auch seine Faszination für die Politik. Von 2004 bis 2009 leitete er sogar das Ausschussbüro für Kultur und Medien im Deutschen Bundestag. In dieser Funktion verantwortete er u.a. das Thema Computerspiele und tauchte in die Welt der interaktiven Unterhaltungs­software ein, die ihn bis heute fasziniert. Als Geschäfts­führer des Game-Verbandes der deutschen Games-Branche wird er in diesem Kontext derzeit häufig mit der Frage nach der Geselligkeit bei Videospielen und im e-Sport konfrontiert. Aus seiner Sicht hat Corona gezeigt, dass Menschen häufiger Videospiele nutzen, um auch mit Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben. Sie tauschen sich in Chaträumen nicht nur über das Spiel, sondern auch über den Alltag oder Probleme aus. Zudem sieht man große Entwicklungs­möglichkeiten im Hinblick auf die Ressourcen­nutzung von Computerspielen. Am Beispiel der Demokratie­entwicklung veranschaulicht Felix Falk, dass Computerspiele aktiv genutzt werden können, um Themen spielerisch umzusetzen und verschiedenste Zielgruppen zu erreichen. Er macht deutlich, dass die digitale Bildung insgesamt stärker in den Fokus der Schulen rücken sollte. Kinder nutzen digitale Lernspiele, um beispielsweise das 1x1 zu üben. Spiele bringen positive Lernerfahrungen und motivieren zum Lernen. An den Schulen wird die Lernform bisher aber selten zugänglich gemacht. Die Staatssekretärin Dr. Antje Draheim und Felix Falk sind sich einig, dass die digitale Bildung auch eine entsprechende Fortbildung der Lehrerinnen und Lehrer voraussetzt.

An diesem Punkt schlägt Felix Falk eine Brücke und spricht sich für einen Ausbau entsprechender Studiengänge an der Universität Rostock aus. Vor dem Hintergrund der notwendigen digitalen Kompetenzen macht es Sinn, den Computerspielbereich auch an den Universitäten zu etablieren. Zudem unterstützt es die (kreativ-)wirtschaftliche Entwicklung anderer Branchen in Mecklenburg-Vorpommern. Insgesamt wünscht sich der Berliner, dass der Digitalisierungs­ausbau offensiver vorangetrieben wird. Gut, wenn MV dies als Chance begreift.

Auf die Frage nach weiteren Herausforderungen für das Bundesland MV, hat Felix Falk eine konkrete Anregung. Er wünscht sich einen stärkeren kulturellen Zusammenhalt. Bei seinen Heimatbesuchen fällt ihm auf, dass ein generations­übergreifender Zusammenhalt - auch im Hinblick auf Ehrenamts­strukturen - teilweise fehlt. Es wäre schön, wenn sich das in naher Zukunft ändern würde. Auf die Frage, ob er sich vorstellen kann, wieder irgendwann nach MV zurückzugehen, antwortet er augenzwinkernd Wer weiß… und es hätte alle überrascht, wenn er da heute schon festgelegt wäre.

Anke Hoffmann, Hoffmann & Partner

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Dr. Antje Draheim mit Anke Hoffmann

Dr. Antje Draheim mit Anke Hoffmann

Dr. Antje Draheim mit Anke Hoffmann

Bereits vor zehn Jahren kürte das Handelsblatt Anke Hoffmann, die Geschäftsführerin von Hoffmann & Partner, zu einer der Top 100 Frauen der deutschen Wirtschaft. Doch mit dem Titel war sie lange nicht am Ziel ihrer beruflichen Karriere. Mit den Jahren wuchs ihr Wirkungskreis und Renommee weiter und heute zählt sie mit ihrer Agentur - einer auf Executive Search spezialisierten Boutique-Beratung - zu den wichtigsten Personalvermittlern für Führungs­positionen in ganz Deutschland. Geboren und aufgewachsen in Mecklenburg-Vorpommern. Eine Ehre für die Bevollmächtigte des Landes beim Bund, Dr. Antje Draheim, dass es die Chance zum gegenseitigen Austausch im Rahmen der #mvhältzusammen-Tour durch Berlin gibt.

Der erste Eindruck bestätigt sich im Laufe des konstruktiven Gespräches. Mit beiden Beinen steht Anke Hoffmann im Leben, strahlt viel positive Energie aus und steckt voller Ideen, die fast immer über den „eigenen Tellerrand“ gehen. Ihre Vita liest sich selbst wie eine Erfolgsgeschichte: Egal ob man über Frauen in Führungs­positionen, Ostdeutsche Vorbilder oder erfolgreiche Menschen aus Mecklenburg-Vorpommern sprechen möchte, jedes dieser Themen kann man mit Anke Hoffmann abendfüllend diskutieren. Und so ist es nicht verwunderlich, dass es in dem Treffen zwischen den zwei gebürtigen Rostockerinnen schnell um die Sichtbarkeit von echten Persönlichkeiten und den damit verbundenen positiven Erzählungen geht – vor allem hinsichtlich der starken Persönlichkeiten aus Mecklenburg-Vorpommern. Wem fällt nicht gleich der Fußballer Toni Kroos, Schauspieler Charly Hübner oder der DJ Felix Jähn ein. Es sind diese Geschichten, die dem wirtschaftlichen, sportlichen und kulturellen Nachwuchs Schwung geben, die Stolz auf das eigene Land bzw. die eigene Herkunft machen und junge Frauen wie Männer ermutigen, neue Wege zu gehen.

Etwas zu wagen, heißt natürlich nicht, dass es nicht schwer ist, die Heimat zu verlassen, den Kampf gegen verkrustete Strukturen zu kämpfen und bei allem Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Das weiß Anke Hoffmann aus eigener Erfahrung, aber es lohnt sich. Bei der Frage „Was muss Mecklenburg-Vorpommern bieten, damit man nach einem beruflichen Exkurs wieder nach Mecklenburg-Vorpommern zurückkehrt?“, ist es für die Headhunterin in erster Linie eine Verbesserung der Infrastruktur. Straße und Schiene sind ausbaufähig und die schnelle Verbindung zwischen den Städten und Regionen Grundvoraussetzung. Sie selbst ist heute fest in Berlin verankert, fährt oft zu sportlichen Events nach MV oder um Freunde zu besuchen, aber es gibt wieder vermehrt Menschen, die ganz ins Land (zurück-)ziehen und viel Know-how und Expertise mitbringen. Was sich in ein paar Jahren zum echten Standortvorteil entwickeln kann. Vorhanden ist aus ihrer Sicht bereits „ein dickes Plus in Sachen Bildungs- und Betreuungsangebot, das auch für die Akquise von Führungs­personal ausschlaggebend ist. Hier braucht sich Mecklenburg-Vorpommern nicht hinter anderen Bundesländern verstecken.“ Insgesamt steht Mecklenburg-Vorpommern für Anke Hoffmann gut da: Viele erfolgreiche Firmen haben sich in den letzten Jahren angesiedelt und es braucht nun eine mutige Politik, die es so einfach wie möglich macht, dass sich aus dem Land selbst noch mehr Kraft entwickelt.

Ein besonderes Herzensanliegen ist Anke Hoffmann seit vielen Jahren der Sport. Er gibt ihr persönlich Kraft, ist wichtiger Teil ihres Familienlebens (auch die Söhne sind erfolgreiche Sportler) und sie weiß um die Stärke und den Einfluss auf die Persönlichkeits­entwicklung durch die Teilhabe in Mannschaften, Vereinen und Verbänden. Ehrenamtlich setzt sie sich u.a. mit dem VBKI für viele wichtige Sportthemen ein, vom Olympiateam über Sportprogramme für Schulen bis hin zu dualen Karrieren für Leistungs­sportler*innen. Es gehört einfach dazu, den Menschen etwas zurückzugeben: Gesellschaftliche Engagement ist ein fester Bestandteil meines Verständnisses von verantwortungs­bewusstem Handeln und ist auch in unserer Unternehmenskultur fest verankert.

Gesine Mannheimer, Jetzt & Morgen GbR

Im Gespräch auf einer Bank sitzend: Dr. Antje Draheim mit Gesine MannheimerDetails anzeigen
Im Gespräch auf einer Bank sitzend: Dr. Antje Draheim mit Gesine Mannheimer

Im Gespräch mit Gesine Mannheimer

Im Gespräch mit Gesine Mannheimer

Gesine Mannheimer ist in Rostock groß geworden und zur Schule gegangen. Noch immer ist Mecklenburg-Vorpommern für sie die „Heimat“ und sie fühlt sich als „MVlerin im Herzen“, doch zu Besuch ist sie dort nur mal am Wochenende oder wenn es die Ferien zulassen. Mit dem beruflichen Leben ist Mecklenburg-Vorpommern für sie und ihre Familie einfach noch nicht vereinbar.

Seit über zehn Jahren begeistert sie Menschen für Filme und verknüpft Akteure verschiedenster Bereiche für bestmögliche Synergien. 2018 gründetet sie gemeinsam mit ihrer Geschäfts­partnerin Saskia Vömel die Filmmarketing-Agentur JETZT & MORGEN, wo die beiden sich verschiedenen gesellschafts­politischen Themen­bereichen und Projekten widmen, die ihnen besonders am Herzen liegen und die sie mit voller Aufmerksamkeit begleiten und weiterentwickeln wollen.

Gesine Mannheimer möchte etwas bewirken, etwas tun, das die Menschen bewegt, vielleicht die Welt ein wenig besser macht. Das spürt man. Es geht ihr um die Diskussion zentraler Gesellschafts­fragen - wie Zusammenhalt und dem Kampf gegen Intoleranz und Fremdenhass - aber eben auch um strukturelle Dinge, wie den „Kulturort“ Kino zu stärken, ihn in vielen Regionen erst einmal zu sichern. Der Blick auf Mecklenburg-Vorpommern gehört beruflich immer dazu. Gesine Mannheimer wünscht sich, dass in MV eine Programm­kino­struktur entsteht und nicht noch mehr Kinobetreiber aufgeben. Gerade im ländlichen Raum wäre dies eine Katastrophe. Im Jubiläumsjahr 30 Jahre Deutsche Einheit kämpft sie für mehr Sichtbarkeit von Ostthemen in westdeutschen Kinos. Ihr Ziel ist es, die Leidenschaft für Ostthemen zu wecken, die eben nicht nur für die Menschen der einen „Hälfte“ des Landes relevant sind. Für Sprüche wie „Sie sind aus dem Osten, Sie Arme!“ hat sie wenig Verständnis. Gesine Mannheimer ist stolz auf ihre Wurzeln: Mecklenburg-Vorpommern hat mich geprägt und zu dem Menschen gemacht, der ich bin.

Dr. Karsten Müller, Google Deutschland

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Dr. Karsten Müller

Dr. Karsten Müller

Dr. Karsten Müller

Karsten Müller, weiß, wovon er spricht: Schnelles Netz, schneller ICE und eine gute Anbindung an die kulturellen Angebote der umliegenden Metropolen. Dann komme ich zurück…. Der in Rostock gebürtige Berliner, hat in Hamburg und Flensburg studiert und benennt klar, was in Mecklenburg-Vorpommern besser werden muss, damit wieder mehr Menschen mit ihrer internationalen und beruflichen Expertise in die „Heimat“ zurückkehren, um dort zu leben und zu arbeiten. Corona hat wie ein „Brennglas“ aufgezeigt, was im Bereich Digitalisierung – in der Bildung und im Berufsleben –ausbaufähig ist bzw. was sich verändern muss, um in Deutschland anschlussfähig zu bleiben. Da geht es um mehr, als nur um neue Hardware für Bildungs­einrichtungen. Es geht um moderne Ausbildungs­schwerpunkte für Lehrerinnen und Lehrer, Erzieher und Erzieherinnen und um Schulen und Universitäten, die auf digitale Themen setzen und damit Kinder und Studierende und deren Familien „begeistern“. Mit Sicherheit würden so auch viele Familien nach Mecklenburg-Vorpommern ziehen, da ein großer Mehrwert mit diesen Ausbildungsoptionen verbunden ist.

Seit Oktober 2015 ist Dr. Karsten Müller bei Google Deutschland. 2014 war er Managing Director bei dem Berliner Technologie-Startup Sociomantic Labs Deutschland, dort hat er die Weiterentwicklung von Programmatic Display in Deutschland und international vorangetrieben sowie die Geschäfte in der DACH-Region geleitet. Mit diesem beruflichen Kontext und als Vater von zwei Kindern, die bis vor kurzem im Homeschooling beschult wurden, ist er sich sicher, dass die Themen Digitalisierung + Bildung in Mecklenburg-Vorpommern glaubwürdig voranzutreiben sind, vielleicht auch in kleineren Test- bzw. Modellregionen. Es braucht nur mehr Mut bei den politisch Verantwortlichen und deutlich mehr Tempo. Auf die Frage nach der Heimat sagt Karsten Müller: Ich bin Norddeutscher und im Dreieck HAMBURG-ROSTOCK-BERLIN zu Hause. Vielmehr noch, ich bin Europäer. Europa ist meine Heimat.

Philipp Sälhoff, Geschäftsführer und Florian Löffler, Leiter der technischen Entwicklung und Kreation bei polisphere e.V.

Philipp SälhoffDetails anzeigen
Philipp Sälhoff

Philipp Sälhoff

Philipp Sälhoff

Zwei Männer. Zwei Norddeutsche. Zwei Heimaten. Das Gespräch mit Philipp Sälhoff und Florian Löffler vom Politik- und Beratungs­netzwerk polisphere [passion for politics] macht schnell deutlich, warum und wie „Heimatliebe“ entsteht, was einen emotional bindet und woran man sich gern erinnert, wenn man an die eigene Jugend denkt. Für Philipp Sälhoff – geboren in Karlsburg, aufgewachsen in Leopoldshagen und Ueckermünde – ist Heimat heute "Begriff", den er fühlt und oft verwendet.  Er fährt selten in die Region, in der er aufgewachsen ist. Auch weil es dort mittlerweile wenig Familie und Freunde gibt. In politischen Diskussionen zeigen sich eher Gegensätze als Gemeinsamkeiten.  Das heißt nicht, dass ihn Mecklenburg-Vorpommern oder „der“ Osten nicht beschäftigen. Im Gegenteil - Philipp Sälhoff ist sogar Mitbegründer der Initiative WIR SIND DER OSTEN. Diese macht Menschen in und aus Ostdeutschland sichtbar, die die Zukunft des Landes positiv gestalten. Sie zeigt Macherinnen und Macher, die Herausforderungen anpacken. Es sind Erfolgs­geschichten mit Identifikations­garantie. Mit reflektiertem Blick schaut er seit Jahren auf Mecklenburg-Vorpommern, beobachtet interessiert die Entwicklung junger Nachwuchskräfte in der Politik, u.a. die von Claudio Müller, Patrick Dahlemann und Lily Blaudszun und  bringt sich selbst in die öffentlichen Debatten über das Erstarken des Rechtspopulismus – insbesondere in Ostdeutschland – ein. Ihm geht es um gesellschaftlichen Zusammenhalt, nicht um Quoten oder Kategorien wie Ost/West. Es geht darum eine Strategie zu entwickeln, wie wir als Land zusammenwachsen und Herausforderungen wie Digitalisierung, Klimaschutz und ein solidarisches Miteinander – nicht zuletzt auch die Corona-Krise - meistern.

Immer noch tief mit der Region verbunden

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Florian Löffler

Florian Löffler

Florian Löffler

Die Herausforderungen für Deutschland insgesamt sieht auch Florian Löffler, ebenso Teil einer starken Nachwuchs­generation, die viel Kraft und Enthusiasmus mitbringt. Für den gebürtigen Parchimer ist Mecklenburg-Vorpommern „Heimat“, auch wenn er gern in Berlin wohnt und lebt. Er spürt noch eine tiefe Verbundenheit zu der Region, in der er aufgewachsen und zur Schule gegangen ist. Hier in der Hauptstadt trifft er viele Freunde aus MV, ist interessiert an der lokalen Entwicklung in Parchim und beobachtet genau, wer zurückkehrt und warum. Ohne eine bessere Infrastruktur im Land – Schiene, Straße und Netz – und gute Jobs werden viele nicht den Weg zurück ins Land wagen. Da ist er sich sicher. Das Potential ist da, aber die Anforderungen sind groß. Für Mecklenburg-Vorpommern ist Luft nach oben. Für beide ist klar, diesen Prozess begleiten sie gern, z.B. beim Austausch mit anderen Multiplikatoren, Vertreterinnen und Vertretern der Landesregierung in der Landesvertretung MV in Berlin.

Wer aus Mecklenburg-Vorpommern stammt - derzeit in Berlin lebt - und eine spannende Geschichte zu erzählen hat, meldet sich gerne bei:

Stefanie Lemke
Vertretung des Landes Mecklenburg-Vorpommern beim Bund
Referatsleiterin Veranstaltungen, Sponsoring, Öffentlichkeitsarbeit und Social Media
Telefon: 030 - 20604-720