Ministerpräsidentin Schwesig verleiht den Verdienstorden des Landes

Nr.11/2018  | 14.01.2018  | MP  | Ministerpräsidentin

„Mit dem Landesorden, mit dieser hohen Auszeichnung wollen wir Menschen ehren, die etwas ganz Besonderes, etwas Herausragendes geleistet haben für unser Land und für unser Miteinander hier in Mecklenburg-Vorpommern. So wie es die drei Ordensträger getan haben, denen wir heute mit dieser Ehrung danken wollen“, betont Ministerpräsidentin Manuela Schwesig auf ihrem Neujahrsempfang. 

„Jeder Mensch ist einzigartig und wertvoll“ – unter dieses Motto habe Hans-Joachim Grätsch aus Mölln sein Leben gestellt im Privaten und besonders im Beruflichen. Alle Menschen hätten Talente und Begabungen und es verdient, ein Leben in Würde zu führen, „in Selbstbestimmung und gleichberechtigter Teilhabe. Leider ist das in unserem alltäglichen Leben nicht immer ganz selbstverständlich. Herr Grätsch hat sich ein Leben lang dafür eingesetzt, dass sich das ändert. Mit großem Erfolg“, sagt die Ministerpräsidentin. 

1975 begann der 66-jährige seine berufliche Laufbahn beim Diakonischen Werk in Schleswig-Holstein und wurde zehn Jahre später Geschäftsführer des Lebenshilfewerkes im Kreis Herzogtum Lauenburg. Nach der Wende suchte er schnell Kontakt ins neue Nachbarland nach Hagenow. Schwesig: „Ihm war klar: Nach dem politischen Umbruch braucht es aktive Mitverantwortung auch aus den Nachbarkreisen. Mit großem Enthusiasmus und Engagement wurde schon 1991 auf seine Initiative das Lebenshilfewerk Hagenow aufgebaut, mit einem dichten Netz vielfältiger Unterstützungsleistungen für jedes Alter – von Wohngruppen und Werkstätten über Pflege- und Fördereinrichtungen bis hin zu ambulanten Hilfen. Was Herr Grätsch im Altkreis Hagenow aufgebaut und später im Verbund mit dem Lebenshilfewerk Mölln gestärkt hat, ist wirklich beispielhaft.“ 

Bei seinem Handeln sei ihm besonders wichtig, Menschen mit und ohne Behinderung in Kontakt zu bringen, bei Festen und Veranstaltungen, vor allem im alltäglichen Leben. Seit vielen Jahren engagiere sich der Ausgezeichnete auch ehrenamtlich, z.B. als Vorstandsvorsitzender der Stiftung Lebenshilfewerk Mölln-Hagenow. So kämpfe er regional und auf Landesebene für Inklusion und Barrierefreiheit und habe sich stark gemacht für eine Überarbeitung des Bundesteilhabegesetzes. „Ein besonderes Anliegen ist ihm, Menschen mit Behinderung für politische Themen zu sensibilisieren.“ So habe er die Projektreihe „Politik in leichter Sprache“ ins Leben gerufen, um Menschen mit Behinderungen besser auf Wahlen vorzubereiten. 

„Als Auszeichnung für sein langjähriges, berufliches wie ehrenamtliches Engagement für das Wohl der Menschen mit Behinderung in unserem Land verleihe ich ihm den Verdienstorden des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Herzlichen Glückwunsch!“ 

Seit 1990 ist Brigitte Thielk aus Elmenhorst im Landkreis Rostock beruflich und ehrenamtlich für die Gleichstellung von Frauen und Männern engagiert. Sie war eine der ersten kommunalen Gleichstellungsbeauftragten im Land, zunächst im damaligen Landkreis Rostock und seit 24 Jahren in der Hansestadt Rostock. 

Dank des Engagements von Frau Thielk hatte sich Rostock 2001 als erste Stadt in Mecklenburg-Vorpommern verpflichtet, die Gleichstellung von Frau und Mann als Querschnittsthema wahrzunehmen und bei allen Entscheidungen die Auswirkungen auf Frauen und Männer zu berücksichtigen. „Sie hat immer parteiübergreifend gearbeitet und konnte so zum Beispiel mit Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitikern in Rostock den „Frauenpolitischen Tisch der Hansestadt Rostock“ schaffen.“ Als Mitglied der Lokalen Agenda und des Lokalen Bündnisses für Familien habe die 63-jährige Einfluss auf die Stadtentwicklung und die Vereinbarkeit für Beruf und Familie genommen und erreicht, dass Rostock als erste Kommune im Land die „Europäische Charta für Gleichstellung von Frauen und Männern auf kommunaler und regionaler Ebene“ umsetzt. 

Frau Thielk engagiere sich weit über die Stadtgrenzen Rostocks hinaus. Sie ist Vorsitzende des „Regionalbeirats zur Umsetzung des Operationellen Programms des Europäischen Sozialfonds, Mitbegründerin der Landesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Gleichstellungbeauftragten in Mecklenburg-Vorpommern und seit 1994 deren Sprecherin. Schwesig: „Auch auf Bundesebene war Frau Thielk schon erfolgreich aktiv. Ich war sehr stolz darauf, dass eine kommunale Gleichstellungsbeauftragte aus meinem Bundesland im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gut bekannt war.“ Auch als Mitglied in der Frauenkommission des Deutschen Städtetages habe sie ihre umfangreichen Erfahrungen eingebracht und war von 1996 bis 2000 die erste ostdeutsche Sprecherin der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten in der Bundesarbeitsgemeinschaft. „Sie war eine Stimme der ostdeutschen Frauen in der frauen- und gleichstellungspolitischen Debatte.“ 

Die Ausgezeichnete habe für die Gleichstellung in unserem Land hart gekämpft und gekonnt argumentiert, auf diesem Weg manche Anfeindung erfahren, aber auch unzählige Verbündete gewonnen. Die Ministerpräsidentin: „In Anerkennung ihrer Leistungen und ihres beachtlichen Engagements für Gleichberechtigung, Demokratie und Toleranz verleihe ich Brigitte Thielk den Verdienstorden des Landes.“ 

Rainer Tschirner aus Benitz im Landkreis Rostock erhält den Landesorden für seinen langjährigen Einsatz im Verwaltungsrat der Tierseuchenkasse und damit für den wichtigen Beitrag, den er für eine funktionierende Solidargemeinschaft unter den Tierhaltern des Landes geleistet hat. „Als engagiertem Landwirt war ihm immer klar: Das Tierwohl ist entscheidend für den Erhalt der Bestände. Und damit auch für eine ökonomisch erfolgreiche Landwirtschaft.“ Auch wenn die Gefahren der großen Krankheiten noch nicht gebannt seien, habe Herr Tschirner entscheidend daran mitgearbeitet, „dass wir in Mecklenburg-Vorpommern gut gerüstet sind. Dass die Vorbeugung groß geschrieben wird und die Bekämpfung effektiv abgestimmt werden kann.“ 

Als 1990 die staatlichen Tiergesundheitsdienste abgeschafft wurden, sei Herrn Tschirner sehr schnell klargeworden, dass es da eine große Lücke bei der Beratung der Tierhalter gab. So hat er die Wiedereinrichtung von Tiergesundheitsdiensten maßgeblich vorangebracht. Zunächst für Schweine und Rinder, später für Bienen.“ Er sei vorangegangen, von 1999 bis 2017 als Vorsitzender des Verwaltungsrates der Tierseuchenkasse. Die Aufgabe des 65-jährigen war nicht leicht: „Als Bindeglied zwischen Landwirten und Tierärzten, zwischen Landwirtschaftsministerium und Tierhaltern, als Berater in schwierigen Lagen hat der Fachmann Widersprüchliches versöhnt und unterschiedliche Meinungen zusammengeführt. Unermüdlich hat er Betriebe besucht und Überzeugungsarbeit geleistet und als geschickter Verhandler alle Akteure mitgenommen. Eine wirklich große verdienstvolle Arbeit für eine Landwirtschaft mit Zukunft“, betont die Regierungschefin. 

Als Stratege mit Rundumblick habe sich der Landwirt - im Ehrenamt wie im eigenen Betrieb - für eine moderne Landwirtschaft stark gemacht, für sie geworben und die anspruchsvollen Berufsbilder vorgestellt. „Und er hat zusammen mit seiner Familie, seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Verantwortung für die Menschen im Umfeld übernommen.“ 

Neben dem beruflichen Engagement und seinem Einsatz in der Tierseuchenkasse engagierte sich Herr Tschirner in verschiedenen Gremien des Bauernverbandes und im Rinderzuchtverband. Schwesig: „Es ist sehr verdient, dieses große, langjährige Engagement im Ehrenamt und Beruf heute mit dem Verdienstorden des Landes Mecklenburg-Vorpommern zu ehren. Herzlichen Glückwunsch.“