Treffen zwischen Kirchenleitung und Landesregierung in Schwerin

Nr.241/2018  | 18.09.2018  | MP  | Ministerpräsidentin

Die Erste Kirchenleitung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) ist heute mit Mitgliedern der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns zum turnusmäßigen Gespräch in Schwerin zusammengetroffen. Im Mittelpunkt stand dabei die gemeinsame Verantwortung für das Miteinander im Land.

Landesbischof Gerhard Ulrich würdigte in seiner Begrüßung die regelmäßigen Gespräche zwischen Landesregierung und Kirche: „So können wir uns gemeinsam den aktuellen Herausforderungen unserer Zeit stellen – in partnerschaftlicher Verbundenheit.“

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig sagte zu Beginn der Begegnung: „Die Treffen zwischen der Landesregierung und den Kirchen sind mir wichtig. Die Kirchen engagieren sich auf vorbildliche Weise im sozialen Bereich und geben vielen Menschen Orientierung. Regierung und Kirchen haben unterschiedliche Aufgaben. Es ist wichtig, dass wir regelmäßig miteinander im Gespräch sind.“

Kirchenleitung und Landesregierung wollen künftig stärker kooperieren, um besonders im ländlichen Raum den gesellschaftlichen Diskurs vor Ort zu fördern und die regionale Identität zu stärken. Dazu sollen bestehende Angebote genutzt und geeignete neue Formate des Bürgerdialogs auch in kirchlichen Räumen entwickelt werden.

Der Landesbischof erklärte: „Nach dem christlichen Menschenbild ist jeder Einzelne Geschöpf Gottes, das mit unverlierbarer Würde begabt ist. Als Nordkirche werden wir daher weiterhin ein verlässlicher Partner all derjenigen sein, die eine offene und freie Gesellschaft für alle Menschen gestalten. Wo aber Gewalt und Rassismus an die Stelle einer demokratischen Streitkultur treten, werden wir klar wiedersprechen.“ Ulrich hob hervor: „Gerade in Zeiten des Wandels müssen wir den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. Dies gilt insbesondere für Regionen in unserem Bundesland, wo die schwindende Infrastruktur kaum die Lebensqualität aller Bewohnerinnen und Bewohner sichern kann.“

Auch die Ministerpräsidentin ging auf die besonderen Herausforderungen bei der Entwicklung des ländlichen Raumes ein und betonte: „Mecklenburg-Vorpommern ist zu 90 Prozent ländlicher Raum, deshalb liegt hier auch seit langem unser Schwerpunkt bei der Förderung. Wir wollen das Land in den nächsten Jahren weiter voranbringen. Die gilt ausdrücklich auch für den ländlichen Raum. Wir brauchen gleichwertige Lebensverhältnisse in Ost und West, in der Stadt und auf dem Land. Das ist in Deutschland Verfassungsauftrag. Deswegen ist es gut, dass die „Kommission gleichwertige Lebensverhältnisse“ in der kommenden Woche ihre Arbeit aufnimmt.“

Justizministerin Katy Hoffmeister hob während des Gespräches die besondere Rolle der Kirche insbesondere auf dem Land hervor: „Das Engagement der Nordkirche ist gerade im ländlichen Raum von unverzichtbarem Wert. Das habe ich auf meiner Sommertour durch Kirchengemeinden unseres Landes wieder erleben dürfen. Ich besuchte kleine Orte, in denen das Ehrenamt der Kirchgemeinde Alltag und Freizeit am Leben hält. Das Engagement der kirchlichen Gemeinden bringt aber auch Generationen zusammen. Das fördert die Gemeinschaft und das Verständnis füreinander.“

Bischof Dr. Andreas v. Maltzahn verwies auf die positiven Erfahrungen aufsuchender Sozialarbeit, wie sie von Projekten wie dem „Volxmobil“ mit Angeboten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Kleinstädten und der „Alpha Arbeit“, einem sozialdiakonischen Arbeitszweig auf dem Großen Dreesch in Schwerin, geleistet werde. Ein weiteres Beispiel sei die politische Bildungsarbeit der Regionalzentren für demokratische Kultur in Trägerschaft der Evangelischen Akademie. Bischof v. Maltzahn: „Solche Angebote werden in hohem Maße nachgefragt und bedürfen nachhaltiger Unterstützung und Stärkung.“

Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit verwies unter anderem auf die Abwanderung vieler Menschen in den ersten beiden Jahrzehnten nach der deutschen Wiedervereinigung besonders aus Vorpommern und strukturelle Defizite vor allem auf dem Lande: „Durch die vergleichsweise gute Präsenz der Kirche vor Ort konnten manche negativen Folgen aufgefangen werden. Die Kirche im Dorf trägt in hohem Maße zur Identifikation vieler Menschen mit ihrer Region bei, trotz begrenzter Kräfte und vielfach auch unabhängig von Kirchenzugehörigkeit.“

Weitere Themen der Begegnung waren die Umsetzung der Inklusion und die Kooperation zwischen staatlichen und freien Schulträgern sowie die Sicherung der Leistungsfähigkeit der Freien Wohlfahrtspflege. Auch die gegenwärtige Situation in der Landwirtschaft vor dem Hintergrund der Folgen der Dürre und Maßnahmen zur Unterstützung betroffener Landwirtschaftsbetriebe kamen zur Sprache.                      

Die jährlichen Gespräche zwischen Landesregierung und Kirchenleitung sind Bestandteil des Güstrower Vertrages von 1994, der das Verhältnis von Staat und evangelischer Kirche in Mecklenburg-Vorpommern regelt. In diesem Jahr fand das Treffen auf Einladung der Ersten Kirchenleitung statt.