Schwesig: Große Fortschritte in der Gleichstellung, dennoch bleibt viel zu tun

Nr.52/2019  | 07.03.2019  | STK  | Staatskanzlei

„Frauenrechte sind Menschenrechte – keine Gnade, für die frau dankbar sein muss, sondern eine Selbstverständlichkeit“, betonte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig heute auf ihrem Empfang anlässlich des Internationalen Frauentages im Schweriner Staatstheater vor rund 300 Gästen.

 Sie würdigte das seit 100 Jahren bestehende Frauenwahlrecht: „Vor 100 Jahren waren Frauen zum ersten Mal in der deutschen Geschichte Staatsbürgerinnen mit aktivem und passivem Wahlrecht. Das brachte Frauenrechtlerinnen aus dem linken und dem bürgerlichen Lager zusammen. Mit Mut, Klugheit und viel Ausdauer erstritten sie in den Umbruchsmonaten am Ende des Ersten Weltkrieges gemeinsam die vollen staatsbürgerlichen Rechte für Frauen.“

 In den letzten 100 Jahren seien große Fortschritte gemacht worden. Dennoch seien Frauen in den Parlamenten noch immer in der Minderheit. Manches schrecke Frauen ab. „Sie wollen keine langen Debattensitzungen, sondern Lösungen.“ Andererseits gebe es vieles, was Frauen und Männer daran hindere, sich zu engagieren. Job, Kinder, die Pflege kranker Angehöriger und Engagement – „das ist für Frauen und Männer viel. Deshalb meine klare Forderung: Unsere Kultur der Teilhabe muss sich ändern. Sitzungszeiten und Kommunikationsformen müssen sich den Bedürfnissen von Frauen und Männern mit Betreuungsaufgaben anpassen. Ich finde es richtig, dass jetzt diskutiert wird, wie man die Situation verbessern kann.“

 Die Ministerpräsidentin sprach sich für mehr Frauen in Führungspositionen und gleichen Lohn für Frauen aus: „Frauen bekommen in Deutschland 21 Prozent weniger Gehalt als Männer. Warum bekommt eine Pflegerin weniger Gehalt als ein Mechatroniker? Das ist nicht gerecht und hat mit Chancengleichheit nichts zu tun.“ Wer wirtschaftliche Eigenständigkeit für Frauen wolle, müsse neben besseren Löhnen und besserer Vereinbarkeit auch ein gutes flächendeckendes Betreuungsangebot schaffen. In diesem Zusammenhang verwies Schwesig auf den Fahrplan zur für Eltern kostenfreien Kitas: „Mecklenburg-Vorpommern ist das erste Bundesland, das die Beiträge für einen Kitaplatz vollständig abschafft und auch noch den Hort einbezieht.“

 Schwesig appelliert in ihrer Rede, den Weg für die Grundrente freizumachen: „Frauen haben im Schnitt ihr Leben lang weniger verdient als Männer. Und so ist die Rente entsprechend gering. Nach vorsichtigen Schätzungen haben allein in unserem Land 70.000 Menschen weniger als 900 Euro monatlich Rente, obwohl sie 35 Jahre gearbeitet haben. Zwei Drittel davon sind Frauen. Geringere Renten sind in erster Linie ein Frauenproblem. Deshalb ist es auch ein besonderer Impuls für ältere Frauen, wenn die Grundrente jetzt hoffentlich bald kommt, wie es der Bundesarbeitsminister vorschlägt.“

 Stellvertretend für alle Frauen ehrte die Ministerpräsidentin Marion Löning aus Ludwigslust mit der Auszeichnung „Frau des Jahres des Landes Mecklenburg-Vorpommern“. Frau Löning habe „mit Mut und Hartnäckigkeit die Schließung der Edith-Stein-Schule in Ludwigslust verhindert und einen Neuanfang bewirkt. Das hat mich sehr beeindruckt und das hat auch die Jury überzeugt“.

Mit der Auszeichnung werde künftig jedes Jahr eine Frau gewürdigt, die aufgrund ihrer Leistungen und ihres Engagements im beruflichen, gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Bereich sehr aktiv ist, Verantwortung übernimmt und sich für ihre Mitmenschen einsetzt. Die Statue für den Preis wurde von der Künstlerin Marie Madeleine Saludas geschaffen, die in der Nähe von Ueckermünde arbeitet.

 Die Laudatio auf Marion Löning hielt Sozialministerin Stefanie Drese. Drese hob das außergewöhnliche Engagement Lönings zur Rettung der Edith-Stein-Schule hervor. „Die Fäden liefen bei Marion Löning zusammen. Sie war der Ankerpunkt, die Energiequelle, die beharrliche Macherin. Und Marion Löning gründete auf eigenes Risiko die Edith-Stein christliche gGmbH, um einen potenziellen Träger vorweisen zu können, die Voraussetzung um überhaupt mit potentiell neuen Trägern und weiteren Akteuren über eine Zukunft und einen Neubau der Schule sprechen zu können. Plötzlich war Marion Löning also nicht nur Schulleiterin, Lehrerin, Moderatorin, Trösterin, Initiatorin, sondern auch Unternehmerin“, betonte Drese in ihrer Laudatio.