Schwesig erinnert an November 1989: Es waren verrückte, unvergessliche Tage

Nr.303/2019  | 09.11.2019  | MP  | Ministerpräsidentin

Am Abend des 9. November 1989 wurde auch im Norden die Grenze zwischen DDR und Bundesrepublik Deutschland geöffnet. Die Landesregierung erinnerte mit einem Festakt in Dassow an den Mauerfall und die Öffnung der Grenzen. 

Bereits um 21.53 Uhr habe am 9. November 1989 der erste Trabi die Grenze bei Lübeck-Schlutup passiert. „In den nächsten Stunden und Tagen bildeten sich Autoschlangen zwischen Schlutup und Selmsdorf. Ostdeutsche fuhren in den Westen. Westdeutsche kamen an die Grenze. Es wurde angestoßen mit Sekt und Bier, es gab Hupkonzerte und Umarmungen. Es waren Tage voller Begeisterung, voller Hoffnung, voll ungläubigen Staunens. Verrückte, unvergessliche Tage“, erinnerte Schwesig an die Ereignisse am Abend des 9. November und in den Tagen danach. 

„Ich glaube, kaum jemand hat sich am 9. November 1989 vorstellen können, dass Deutschland nur ein Jahr später vereint sein würde. Aber eines war klar: Aus der friedlichen Revolution mit ihren Demonstrationen und ihren Kerzen war eine Massenbewegung geworden. Viele hatten sich getraut, auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren. Wir haben erlebt, dass es möglich ist, etwas zu verändern, wenn man gemeinsam aufsteht. Es ist sogar möglich, etwas zu verändern, was so betonfest scheint wie die DDR und die Mauer. Das nehmen wir mit aus dem November 1989“, erklärte die Ministerpräsidentin. 

Mauer und Grenzbefestigungen seien schon bald abgebaut gewesen. „Aber was danach kam, waren für viele erstmal bewegte Zeiten“, sagte Schwesig mit Blick auf die Jahre nach 1990. „Alle, die sich im Herbst 89 auf den Weg gemacht haben, mussten ihr Leben neu einrichten und die Regeln einer anderen Gesellschaft lernen. Das ging nicht ohne Verletzungen und Enttäuschungen. Und weil die Hoffnungen 1989 so groß waren, taten diese Enttäuschungen besonders weh.“ 

Insgesamt sei die Entwicklung seit 1990 jedoch eindeutig positiv. „Mecklenburg-Vorpommern ist heute ein Land, in dem die Menschen gern leben. 88 Prozent finden, dass sich Mecklenburg-Vorpommern in den vergangenen 30 Jahren gut entwickelt hat. Die Menschen in Ostdeutschland haben eine gewaltige Aufbauleistung vollbracht, die Anerkennung und Respekt verdient.“ 

Die Ministerpräsidentin warb in ihrer Rede für Offenheit und einen respektvollen Umgang in der Demokratie. Auch das gehöre zum Erbe des Herbstes 1989. „Demokratie ist die Vielfalt von Meinungen. Das auszuhalten, kann anstrengend sein. Aber es ist auch spannend. Die Aufgabe von Politik ist es, in der Vielfalt der Meinungen einen Weg zu finden, auf dem möglichst viele mitgehen können. Das ist es, was Demokratie stark macht“, erklärte die Ministerpräsidentin. 

„Die Mutigen, die im Herbst 1989 auf die Straße gegangen sind, haben Meinungsfreiheit und Demokratie für uns erkämpft. Die Neugierigen, die sich am 9. November 1989 auf den Weg in den Westen gemacht haben, wollten Grenzen überwinden, keine neuen Grenzen ziehen. Das lassen wir uns nicht nehmen. Wir lassen uns nicht spalten. Wir können unterschiedlicher Meinung sein und uns doch respektieren. Und wir können gemeinsam etwas verändern. Das haben wir 1989 gezeigt“, so Schwesig. Die Landesregierung werde in den kommenden Monaten unter dem Motto „Gemeinsam 30“ an die Ereignisse vor 30 Jahren und das 30-jährige Bestehen des heutigen Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern erinnern. Im Vordergrund stehe dabei der Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern, auch über die Zukunft des Landes. Der Landesgeburtstag werde mit einem MV-Tag im September in Greifswald gefeiert. 

Im Anschluss an die Festveranstaltung in Dassow reiste die Ministerpräsidentin Schwesig weiter nach Lübeck-Schlutup, wo sie mit ihrem schleswig-holsteinischen Amtskollegen Daniel Günther zusammentraf. Auf dem Programm standen hier die Eröffnung eines Festes am ehemaligen Grenzübergang und ein Besuch des Grenzmuseums. „Ich finde es wichtig, dass wir mit einem gemeinsamen Fest an die Grenzöffnung erinnern. Es ist ein großes Glück und noch immer Anlass zur Freude, dass wir heute wieder in einem vereinten Deutschland leben“, sagte Schwesig in Schlutup. „Wir erinnern uns, wir freuen uns, wir feiern gemeinsam: Nachbarn, Freunde, Menschen aus Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Zusammen sind wir Norddeutsche. Das verbindet uns.“