Schwesig lobt Deutsch-Russisches Forum und zeichnet Gorbatschow aus

Nr.285/2018  | 01.11.2018  | MP  | Ministerpräsidentin

In Moskau hat Ministerpräsidentin Manuela Schwesig heute die Festrede zum 25-jährigen Bestehen des Deutsch-Russischen Forums gehalten. „Das Deutsch-Russische Forum steht für einen respektvollen Dialog auf Augenhöhe“, lobte die Ministerpräsidentin. „Seit 25 Jahren leistet das Forum einen großen Beitrag dazu, dass Vertrauen gepflegt wird. Und dafür, dass es wieder wächst zwischen unseren Ländern, wenn die Zeiten schwieriger sind." 

Schwesig erinnerte in ihrer Rede an die wechselvolle Geschichte zwischen Deutschland und Russland. Mit dem Angriff im 2. Weltkrieg habe Deutschland unermessliches Leid über Russland gebracht. „Niemals darf das vergessen werden. Die Erinnerung muss uns mahnen, heute friedlich miteinander umzugehen“, sagte die Ministerpräsidentin. 

Für ihre Generation seien die Erfahrungen von 1989 und 1990 prägend gewesen. „Die friedliche Revolution. Die Erfahrung des Aufbruchs in die Demokratie. Der Schritt in eine selbstbestimmte Zukunft. Etwas zu wagen. Mutig zu sein. Die neuen Chancen zu nutzen“, sagte Schwesig. „Es waren die Menschen in Berlin, Leipzig oder Rostock, die im Herbst 1989 ihr Schicksal in die eigenen Hände genommen haben. Gleichzeitig war schon damals allen klar: Ohne die Unterstützung der großen Mächte, natürlich auch der Sowjetunion, konnte dieser friedliche Aufbruch nicht gelingen.“ 

Nach 1990 habe es große Hoffnungen auf ein engeres Miteinander gegeben. In den letzten Jahren habe es jedoch wieder eine Entfremdung zwischen beiden Ländern gegeben. „Deutschland und Russland waren schon einmal viel weiter“, sagte Schwesig. 

Die Ministerpräsidentin warb für eine Fortführung des Dialogs zwischen Deutschland und Russland. „Mit Russland zu reden heißt nicht, seine eigenen Wertvorstellungen aufzugeben. Und es heißt niemals, Unterschiede zu leugnen“, sagte Schwesig. Sie erinnerte an den früheren Bundeskanzler Willy Brandt. „Willy Brandt hat daran geglaubt, dass viele kleine Schritte eine echte Annäherung bringen können und dass Verständigung der beste Weg zur Lösung von Konflikten ist. Wir sollten uns an den großen Protagonisten der Ost-West-Annäherung vor einem halben Jahrhundert orientieren. Es geht darum, Räume zu schaffen und zu pflegen, in denen man sich austauschen kann. Die mithelfen, dass echter Austausch gelingt. So wie das Deutsch-Russische Forum das seit 25 Jahren tut“, so die Ministerpräsidentin.

Mecklenburg-Vorpommern leiste auf regionaler Ebene einen Beitrag zum Dialog zwischen Deutschland und Russland. „Als ostdeutsches Bundesland hat Mecklenburg-Vorpommern eine besondere Beziehung zu Russland“, sagte Schwesig. Das Land wolle die wirtschaftlichen Beziehungen, aber auch wissenschaftlichen und kulturellen Austausch mit Russland in den kommenden Jahren weiter ausbauen. Eine besondere Bedeutung habe dabei die Partnerschaft mit dem Leningrader Gebiet rund um die Stadt St. Petersburg. „Für die herausragende Zusammenarbeit unserer Regionen wurden wir im September in Anwesenheit unserer Außenminister Maas und Lawrow vom Deutsch-Russischen Forum ausgezeichnet. Der Preis gibt uns Rückenwind für unsere Partnerschaft. Er zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Es ist und bleibt richtig, auch in schwierigen Zeiten auf Dialog zu setzen.“ 

Im Rahmen der Veranstaltung zeichnete Ministerpräsidentin Manuela Schwesig Michail Gorbatschow mit der "Medaille für besondere Verdienste um das Land Mecklenburg-Vorpommern im vereinten Europa und der Welt" aus. Die Medaille wurde stellvertretend von Professor Ruslan Grinberg als Vertreter der Gorbatschow-Stiftung entgegen genommen. 

„Michail Gorbatschow hat viel dazu beigetragen, dass Deutschland wieder ein Land ist. Dass die Menschen in Ost und West wieder den Weg zueinander gehen konnten. Dass Deutschland heute wieder einen von allen geachteten Platz in Europa einnimmt. Gerade die Menschen in Ostdeutschland erinnern sich dankbar an die Zeit der friedlichen Revolution und der Deutschen Einheit. Wir wollen mit der Auszeichnung würdigen, dass Michail Gorbatschow einen entscheidenden Beitrag zur Deutschen Einheit geleistet hat, ohne die es das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern in seiner heutigen Form nicht geben würde“, sagte Schwesig zur Begründung.