Neues Maßnahmenpaket für den Arbeitsmarkt vorgestellt

Glawe: Besondere Berücksichtigung strukturschwacher Teilräume bei Förderung

Nr.228/17  | 03.07.2017  | WM  | Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit

Wirtschafts- und Arbeitsminister Harry Glawe hat in Stralsund im Rahmen des Arbeitsmarktforums neue bzw. erweiterte Förderungen zugunsten einer regionalspezifischen Arbeitsmarktförderung für Mecklenburg-Vorpommern vorgestellt. „Die Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern kommt voran, Betriebe wachsen, die Unternehmer stellen Mitarbeiter ein. Das Handwerk, das verarbeitende Gewerbe, der Dienstleistungsbereich und auch die Gesundheitswirtschaft entwickeln sich weiter positiv. Wir arbeiten an der Verbesserung der Rahmenbedingungen. Wir wollen die Arbeitsmarktförderung in unserem Land künftig generell noch stärker an regionalspezifisch unterschiedliche Bedarfe in Regionen und Orten ausrichten. Die vier Regionalbeiräte in Westmecklenburg, Region Rostock, Mecklenburgische Seenplatte und Vorpommern werden gestärkt. Darüber hinaus soll Bürgerarbeit erstmals auch in Unternehmen ermöglicht werden“, sagte der Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Harry Glawe vor Ort.

 

Arbeitslosigkeit sinkt weiter – regionale Unterschiede werden deutlich

Die Arbeitslosigkeit ist in Mecklenburg-Vorpommern weiter zurückgegangen. Im Land waren im Juni 65.900 Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind 9.900 weniger als im Vorjahresmonat. Die aktuelle Quote liegt bei 8,0 Prozent (Vorjahresmonat Juni: 9,2 Prozent). „Insgesamt ist die Arbeitsmarktbilanz erfreulich, wenngleich die regionalen Unterschiede deutlich werden“, sagte Wirtschafts- und Arbeitsminister Glawe. Im Landkreis Ludwigslust liegt die Arbeitslosenquote im Juni aktuell bei 5,7 Prozent. Das ist die niedrigste Quote im Land. Im Landkreis der Mecklenburgischen Seenplatte ist die Quote mit 10,0 Prozent am höchsten (Vorpommern-Rügen: 8,4 Prozent/Vorpommern-Greifswald: 9,4 Prozent).

 

Analyse des regionalen Arbeitsmarktes – mehr regionalspezifische Ausrichtung der Förderung

Gegenwärtig wird eine umfassende und räumlich differenzierte Analyse der regionalen und sektoralen Arbeitsmärkte in Mecklenburg-Vorpommern erstellt. Darauf aufbauend wird ein Maßnahmenpaket zugunsten einer regionalspezifischen Arbeitsmarktförderung des Landes entwickelt. „Regionalspezifische Arbeitsmarktförderung heißt für mich, dass die Förderentscheidungen in den Regionen vor Ort fallen. Deshalb werden die den vier Regionalbeiräten zur Verfügung stehenden Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) um vier Millionen Euro aufgestockt. Diese Mittel sollen allein den beiden Förderinstrumenten ´Strukturentwicklungsmaßnamen´ sowie ´Integrationsprojekte´ zu Gute kommen. Die Mittelaufteilung zwischen den Regionalbeiräten wird nach einem regionalen Schlüssel erfolgen. Räume mit Strukturschwächen im Arbeitsmarkt sollen hierbei deutlich besser gestellt werden. Und zwar unabhängig davon, ob sie in Vorpommern oder in Mecklenburg liegen“, erläuterte Arbeitsminister Glawe.

Darüber hinaus erhalten die Regionalbeiräte aus der „Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) künftig so genannte Regionalbudgets. Je Beirat und Jahr werden 300.000 Euro zur Verfügung stehen; über zunächst drei Jahre werden dies dann 3,6 Millionen Euro sein. „Die Finanzmittel dafür können für Projekte zur Verbesserung der regionalen Kooperation, zur Mobilisierung und Stärkung regionaler Wachstumspotenziale, zur Verstärkung von Maßnahmen des Regionalmarketings oder auch zur Verbesserung der Fachkräfteversorgung eingesetzt werden“, so Wirtschaftsminister Harry Glawe.

 

Aktionsprogramme zur Existenzförderung

Wirtschaftspolitik und Arbeitsmarktpolitik sind im Ministerium unter einem Dach vereint und können daher miteinander verzahnt werden. Die Regionen und die Regionalbeiräte werden in die Lage versetzt, Aktionsprogramme zur Existenzgründerförderung in strukturschwachen Räumen auf den Weg zu bringen. „Das Ziel besteht in zusätzlicher Wertschöpfung in der Region. Wichtig ist mir dabei, dass die Existenzgründung auch die Existenz des Gründers sichert“, sagte der Minister. Bestehende Förderinstrumente sollen regionalspezifisch flexibler ausgerichtet werden, damit höchstmögliche Effekte für die Regionen entstehen. „Wir wollen den Fördersatz bei ´Strukturentwicklungsmaßnahmen´ für strukturschwache Räume flexibilisieren und von bislang 70 Prozent auf künftig mindestens 80 Prozent erhöhen“, so Arbeitsminister Harry Glawe.

 

Arbeitgeber und geflüchtete Menschen zusammenbringen

Gemeinsam mit den Jobcentern in Mecklenburg-Vorpommern werden wir noch in diesem Sommer zwei zielgruppenbezogene Förderungen auf den Weg bringen. Diese Förderungen werden die jeweils regionalspezifischen Bedingungen berücksichtigen: „22 Joblotsen“ werden Arbeitgeber und geflüchtete Menschen zusammenbringen. Eine schnelle und passgenaue Einmündung in Arbeitsverhältnisse soll damit unterstützt und begleitet werden.

Das Wirtschafts- und Arbeitsministerium, die Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Nord, und der Eigenbetrieb des Jobcenters des Landkreises Vorpommern-Rügen haben sich auf eine Optimierung und Beschleunigung der beruflichen Integration von Geflüchteten verständigt. Neben den Joblotsen als ein wesentlicher Bestandteil des Vorhabens ist geplant, Landes- und vier Regionalkoordinatoren einzustellen, die eng mit den Geschäftsführern der Jobcenter die Bildungsangebote und Verwaltungsabläufe analysieren und optimieren werden.

 

Unterstützung für die Logistikbranche angedacht

Ganz aktuell laufen Gespräche mit den Arbeitsagenturen und Jobcentern einerseits sowie mit Unternehmen der Logistikwirtschaft andererseits: „Ziel dieser Gespräche ist es, 400 Arbeitslose und geflüchtete Menschen in einem Jahr zu Berufskraftfahrern zu qualifizieren und damit gleichzeitig den Arbeitskräftebedarf der Logistikwirtschaft zu befriedigen. Hier laufen die Gespräche“, machte Glawe deutlich.

 

Langzeitarbeitslose durch konkrete Perspektiven integrieren – Bürgerarbeit soll erstmals auch in Unternehmen möglich sein

Nicht alle, die grundsätzlich erwerbsfähig und hilfebedürftig sind, haben realistische Chancen auf eine Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt. Neben der mit der Zeit zunehmenden Entfremdung vom Arbeitsmarkt gesellen sich in der Realität häufig andere Probleme. Beispielsweise durch ungelöste familiäre Probleme oder gesundheitliche Einschränkungen ist die Integration in den Arbeitsmarkt keine leichte Aufgabe. „Die Landesregierung unternimmt zahlreiche Anstrengungen, um von Arbeitslosigkeit betroffene Menschen und Familien bei der Arbeitsmarktintegration zu unterstützen. Mit den Förderinstrumenten der ´Integrationsprojekte´ und dem ´Familiencoach´ leisten wir unmittelbare Hilfestellungen beim Zugang zu Erwerbsarbeit und -einkommen“, sagte Glawe.

Der Wirtschaftsminister warb abschließend für die Programme Qualifizierung und Bürgerarbeit. Beide sollen noch in diesem Sommer starten. „Kluge Fachkräftebindung sowie Fachkräftegewinnung und ein verstärktes Ausbildungsmarketing sind notwendig, um Arbeitskräfte und Auszubildende frühzeitig in unserem Land zu binden. Mit der Qualifizierungsoffensive für Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe und Teilen des Handwerks wollen wir auch ein Zeichen auf dem sich wandelnden Arbeitsmarkt setzen. Mit der Bürgerarbeit haben wir gemeinsam mit den Jobcentern die Möglichkeit, neben kommunalen oder gemeinnützigen Arbeitgebern, erstmals auch in Unternehmen, Langzeitarbeitslose auf dem ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. So geben wir Menschen in der Grundsicherung wieder eine echte Perspektive“, sagte Wirtschafts- und Arbeitsminister Harry Glawe abschließend. Mit der Bürgerarbeit werden wir zusammen mit den Jobcentern in diesem Jahr 200 Arbeitsplätze für arbeitsmarktferne Langzeitarbeitslose fördern.

 

Maßnahmenpaket mit Leben füllen

Unter Einbeziehung aller relevanten Ressorts der Landesregierung, in Abstimmung mit den Arbeitsagenturen und Jobcentern im Land, wird im zweiten Halbjahr 2017 das Maßnahmenpaket zugunsten einer regionalspezifischen Arbeitsmarktförderung des Landes auf den Weg gebracht. Ab Herbst werden die Regionalbeiräte das in seinen Grundzügen vorgestellte Paket regionalspezifischer Arbeitsmarktförderung mit Leben füllen. In vier regionalen Arbeitsmarktforen soll die erarbeitete Arbeitsmarktanalyse vertieft und Vorschläge zur Ausgestaltung dieses Paketes gesucht werden.

Wirtschafts- und Arbeitsminister Harry Glawe machte abschließend deutlich: „Wer arbeitet, muss deutlich mehr Einkommen haben als derjenige, der von Transferleistungen lebt. Wir nehmen auch die in den Blick, die morgens aufstehen, zur Arbeit gehen, sich um ihre Kinder kümmern, ältere Menschen pflegen und in den Vereinen und Organisationen im Ehrenamt für das Funktionieren der Gesellschaft arbeiten. Deshalb ist unsere Hauptaufgabe, die Rahmenbedingungen für mehr Arbeitsplätze weiter zu verbessern - und zwar so, dass Menschen in Arbeit kommen oder auch bleiben können. Mit den vorgestellten Maßnahmen wollen wir hierfür einen ersten wichtigen und nachhaltigen Beitrag liefern“, betonte Glawe.

 

Arbeitsmarktforum in Stralsund

Das Arbeitsmarktforum in der Hansestadt Stralsund ist vom Wirtschafts- und Arbeitsministerium organisiert und veranstaltet worden. Zum Arbeitsmarktforum waren über 160 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung eingeladen. Die Unterstützungsmöglichkeiten für den Arbeitsmarkt wurden gemeinsam mit der Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, Margit Haupt-Koopmann, dem Geschäftsführer „Wirtschaft und Arbeit“ der Vereinigung der Unternehmensverbände, Jens Matschenz, sowie dem stellvertretenden Vorsitzenden des DGB Nord Ingo Schlüter erörtert.