Hospiz- und Palliativversorgung in Mecklenburg-Vorpommern diskutiert

Glawe: Selbstbestimmung und Würde des Patienten muss im Mittelpunkt stehen

Die Charta zur Betreuung sterbender und schwerstkranker Menschen in Deutschland wurde unterzeichnet (© WM) Details anzeigen
Die Charta zur Betreuung sterbender und schwerstkranker Menschen in Deutschland wurde unterzeichnet (© WM)
Die Charta zur Betreuung sterbender und schwerstkranker Menschen in Deutschland wurde unterzeichnet (© WM)
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Nr.376/18  | 09.11.2018  | WM  | Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit

„Sterben in Würde ist möglich“ – unter diesem Motto stand der Hospiz- und Palliativtag der Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz- und Palliativmedizin Mecklenburg-Vorpommern e.V. am Sonnabend in Schwerin. „Jeder von uns möchte darauf vertrauen, dass wir in der letzten Lebensphase mit unseren Vorstellungen, Wünschen und Werten respektiert werden. Ziel muss es sein, die Selbstbestimmung und die Würde des Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Deshalb unterstützen wir die Hospiz- und Palliativversorgung in Mecklenburg-Vorpommern“, sagte der Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Harry Glawe vor Ort.

Gute Struktur der Hospiz- und Palliativversorgung im Land – stärkere Vernetzung nötig

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es derzeit elf SAPV-Teams (SAPV=spezialisierte ambulante Palliativversorgung), die sich aus Palliativmedizinern, Palliativ-Care-Pflegekräften, Hospiz-diensten, Seelsorgern und Sozialarbeitern zusammensetzen. So wird die allgemeine ambulante Palliativversorgung von Hausärzten oder niedergelassenen Fachärzten und Pflegediensten ergänzt. Speziell für Kinder ist das Team „Mike Möwenherz“ gegründet worden, das sich auf die Palliativversorgung von Kindern und Jugendlichen spezialisiert hat und an der Universitätsmedizin Rostock angesiedelt ist. Für die stationäre Palliativversorgung stehen in 18 Krankenhäusern Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Dazu kommen 22 ambulante Hospizdienste. Des Weiteren gibt es neun stationäre Hospize in Greifswald, Bergen/Rügen, Rostock, Neubrandenburg, Schwerin, Neustrelitz, Stralsund, Eggesin und Bernstorf. 88 niedergelassene Ärzte im Land haben die Zusatz-Weiterbildung „Palliativmedizin“. „Wir haben eine gute Struktur in der Hospiz- und Palliativversorgung im Land. Aber: die Angebote dürfen nicht isoliert von den Strukturen der Gesundheitsversorgung insgesamt betrachtet werden. Notwendig ist eine Vernetzung in die allgemeine ambulante und stationäre Gesundheitsversorgung sowie in die pflegerischen Versorgungsleistungen. Nur eine kontinuierliche und ineinander greifende Betreuung kann bestmöglich zur Erleichterung der finalen Lebensphase beitragen“, sagte Glawe.

Handlungsempfehlungen aus erster Evaluation der Hospiz- und Palliativversorgung werden abgearbeitet

Um Handlungsfelder für einen weiteren Ausbau zu identifizieren, hat das Gesundheitsministerium im Juni den ersten Bericht „Die Hospiz- und Palliativversorgung in Mecklenburg-Vorpommern“ vorgelegt. Inhaltlich geht es dabei um die Bedarfsentwicklung in der ambulanten sowie stationären Palliativ- und Hospizversorgung im Hinblick auf eine bedarfsgerechte Versorgung. Das Gesundheitsministerium beauftragte das Institut für Community Medicine der Universitätsmedizin Greifswald, diesen Bericht zu erstellen. In den „Standards und Richtlinien für Hospiz- und Palliativversorgung in Europa: Teil 2“ wird der Bedarf für eine spezialisierte stationäre Versorgung auf acht bis zehn Betten pro 100.000 Einwohner geschätzt. Mecklenburg-Vorpommern erfüllt diesen Bedarf mit insgesamt 9,74 spezialisierten Betten pro 100.000 Einwohnern. Als Handlungsempfehlungen definiert der Bericht unter anderem einige strukturelle Lücken insbesondere in den ländlichen Regionen, die durch eHealth und telemedizinische Funktionalitäten abgedeckt werden können. Zur Verbesserung der Kooperation zwischen den Leistungserbringern können insbesondere entsprechend qualifizierte Mitarbeiter im ambulanten Bereich eine Standardisierung des Entlassmanagements für Palliativpatienten sowie die Einrichtung von Palliativkonsildiensten auf Ebene der Landkreise beitragen. „Mit dem Bericht haben wir wertvolle Hinweise erhalten, wie wir besser werden können. Gemeinsam mit den engagierten Akteuren und in den Sitzungen des Runden Tisches Hospiz- und Palliativversorgung gehen wir die Handlungsfelder an“, sagte Glawe.

Dank an Mediziner, Pflegekräfte und Ehrenamtliche

Gesundheitsminister Glawe dankte abschließend den Organisatoren der Veranstaltung, der Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz und Palliativmedizin M-V (LAG). „Sterbenden ein menschenwürdiges Leben bis zur letzten Stunde zu ermöglichen, ist ein wesentliches Element einer humanen Gesellschaft. Alle in diesem Umfeld Tätigen – Mediziner, Pflegekräfte und vor allem die Ehrenamtlichen - tragen wesentlich zu diesem wichtigen Teil Menschlichkeit bei. Ihnen gebührt hohe Anerkennung für ihre anspruchsvolle und wertvolle Arbeit“, so Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsminister Harry Glawe abschließend.

Die LAG ist ein Zusammenschluss der im Bereich Hospiz- und Palliativmedizin tätigen Dienste und Einrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern. Hierzu zählen ambulante Hospizdienste, stationäre Hospize, Träger von Hospizdiensten, Palliativstationen, SAPV-Teams, Einzelmitglieder und mehr. Sie wurde im November 2000 gegründet. Ziel der LAG ist die Förderung der Hospizarbeit und Palliativversorgung in Mecklenburg-Vorpommern und die Verknüpfung der einzelnen Dienste untereinander.