Drese zum Auftakt der Woche der Demenz: „Demenz geht uns alle an – wir müssen hinschauen und handeln“
Neuer Landes-Demenzplan als gemeinsame Grundlage
Was passiert, wenn der vertraute Alltag Schritt für Schritt schwieriger wird? Wenn Erinnerungen verblassen, Selbstverständliches plötzlich Fragen aufwirft und nicht nur ein Mensch, sondern eine ganze Familie ihr Leben neu organisieren muss? Zum Welt-Alzheimertag hat Sozialministerin Stefanie Drese heute bei der Auftaktveranstaltung der Woche der Demenz in Schwerin dazu aufgerufen, Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen stärker in den Mittelpunkt zu rücken.
„Hinter jeder Demenzdiagnose steht ein Mensch mit einer eigenen Lebensgeschichte, mit Wünschen, Hoffnungen und dem Recht auf Teilhabe. Und hinter jedem betroffenen Menschen stehen oft Angehörige, Freunde und Nachbarn, die mittragen, helfen und auffangen. Wir dürfen Menschen mit Demenz nicht allein lassen – sie gehören mitten in unsere Gesellschaft“, sagte Drese.
Das diesjährige Motto des Welt-Alzheimertages „Demenz – (k)eine Frage des Alters“ macht zugleich deutlich: Demenz betrifft nicht ausschließlich hochbetagte Menschen. Zwar sind die meisten Erkrankten älter als 65 Jahre, Demenzerkrankungen können aber auch in jüngeren Jahren auftreten. Zudem sind Angehörige und das soziale Umfeld über alle Generationen hinweg mitbetroffen. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft stellt deshalb in diesem Jahr ausdrücklich die Vielfalt der Lebenssituationen und die gesellschaftliche Teilhabe in den Mittelpunkt.
In Mecklenburg-Vorpommern leben bereits mehr als 40.000 Menschen mit einer demenziellen Erkrankung. Aufgrund des demografischen Wandels wird die Zahl in den kommenden Jahrzehnten weiter steigen. „Wir müssen heute die Weichen dafür stellen, dass Menschen mit Demenz auch morgen möglichst lange selbstbestimmt und würdevoll leben können. Dazu gehören gute Pflege und medizinische Versorgung, aber genauso Beratung, passende Wohnformen, Teilhabe und ein Umfeld, das Demenz versteht und mitdenkt“, so Drese.
Mit dem im August vorgestellten ersten Demenzplan Mecklenburg-Vorpommern hat das Land dafür eine gemeinsame Grundlage geschaffen. Der Plan umfasst zehn Handlungsfelder – von Aufklärung, Prävention und gesundheitlicher Versorgung über Beratung und Unterstützung für Betroffene und Angehörige bis hin zu Wohnen, kommunaler Teilhabe, Netzwerkarbeit und einer demenzsensiblen Krankenhausversorgung. Erarbeitet wurde er unter Beteiligung zahlreicher Fachleute sowie von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen.
„Der Demenzplan ist kein Papier für die Schublade. Er ist ein gemeinsamer Auftrag. Wir wollen vorhandene Angebote besser miteinander verknüpfen, Lücken erkennen und neue Lösungen entwickeln. Vor allem aber wollen wir, dass Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen wissen: Ihr seid nicht allein“, betonte Drese.
Ein wichtiger Teil dieser Unterstützung sind die regionalen Netzwerke und Beratungsangebote. In Schwerin steht dafür seit mehr als zehn Jahren das Zentrum Demenz, das Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen berät, informiert und passende Hilfen vermittelt. Die Woche der Demenz vom 21. bis 27. September bringt zahlreiche Akteure aus Beratung, Pflege, Medizin, Kultur und Ehrenamt zusammen. Mit Begegnungen, Information und Veranstaltungen soll sie dazu beitragen, Berührungsängste abzubauen und Demenz stärker als Teil des gesellschaftlichen Miteinanders zu begreifen.
„Eine demenzfreundliche Gesellschaft zeigt sich nicht nur in Gesetzen und Strukturen. Sie zeigt sich vor allem darin, wie wir miteinander umgehen: ob wir Geduld haben, ob wir helfen, ob wir Menschen weiterhin einbeziehen und ihnen etwas zutrauen“, betonte Drese.
Die Ministerin dankte insbesondere den haupt- und ehrenamtlich Engagierten in Pflege, Medizin, Beratung und Betreuung sowie den Kommunen, Vereinen, Initiativen und Helferkreisen. „Sie sorgen jeden Tag dafür, dass Menschen mit Demenz nicht nur versorgt, sondern gesehen werden. Dafür verdienen sie Anerkennung und unseren Respekt.“



