Kommission legt Empfehlungen für die Entwicklung der Wissenschaftslandschaft in MV vor
Heute (15. Januar) legte Wissenschaftsministerin Bettina Martin die Empfehlungen der „Kommission zur strategischen Entwicklung der Wissenschafts- und Forschungslandschaft in Mecklenburg-Vorpommern“ vor. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden der achtköpfigen Kommission, Professor i.R. Dr. Peter Strohschneider, stellte sie die Ergebnisse einer umfassenden Untersuchung der Wissenschaftsstrukturen in MV der Öffentlichkeit vor.
„Der Bericht bescheinigt unseren Hochschulen und Forschungseinrichtungen eine herausragende Rolle für die Innovationsfähigkeit unseres Landes. Sie sind nicht nur Motoren für die zukünftige Entwicklung unserer Wirtschaft, sondern für die Stabilität und Prosperität unserer Gesellschaft insgesamt. Ein stark aufgestelltes Wissenschaftssystem in MV ist Voraussetzung und Antreiber für Wohlstand, Lebensqualität und demokratischen Zusammenhalt. Es muss deshalb unser gemeinsames Ziel sein, das große Potenzial unserer Hochschulen und Forschungsinstitute, das uns von der Kommission bescheinigt wurde, in Zukunft strategisch noch besser zu nutzen. Dafür hat uns die Kommission sehr gute Empfehlungen mit auf den Weg gegeben“, so Ministerin Martin.
Für ihren Bericht führte die Kommission Gespräche mit über 60 Akteuren aus Wissenschaft, Politik, Landwirtschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Die Betrachtung fand in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext statt, d.h. die unterschiedlichen Stakeholder des Wissenschaftssystems wurden mit einbezogen. Bereits bestehende Landesstrategien, wie zum Beispiel die Regionale Innovationsstrategie (RIS) oder die aktuellen Wissenschaftsstrategien der Hochschulen wurden berücksichtigt.
Im Ergebnis attestiert die Expertengruppe den Hochschulen in ihrem Bericht, „eine gute, in einigen Bereichen eine beachtliche Leistungsfähigkeit“ und damit eine tragfähige Grundlage für die Zukunft. Sie sind – so der Bericht – „gesellschaftliche Anker in ihren Regionen und für das Bundesland“ und „maßgebliche Gestaltungskräfte für Lebensqualität, kulturelle Aktivität und die demokratische Stabilität“.
„Ein von Komplementarität und Kooperation geprägtes Wissenschaftssystem, das die Eigenlogik der Wissenschaft klug mit den externen Erwartungen an sie ausbalanciert, verstehen wir als einen zentralen Akteur für den Fortschritt des Landes und das Wohlergehen seiner Menschen. Dafür schlagen wir einen in der deutschen Wissenschaftspolitik durchaus neuen strategischen Ansatz vor. Er soll und kann zu einer besseren und wirkungsreicheren Integration sowohl der Hochschulen und Forschungseinrichtungen wie auch von Wissenschaft, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik in Mecklenburg-Vorpommern führen“, so der Kommissionsvorsitzende, Prof. Dr. Strohschneider.
Laut Kommission hat das Wissenschaftssystem in MV das Potenzial sich mittel- bis langfristig zu einem beispielgebenden Modell dafür zu entwickeln, wie ein integriertes und dadurch sowohl leistungsfähigeres als auch wirksameres Wissenschaftssystem gesellschaftliche und ökonomische Wandlungsprozesse unter schwierigen Rahmenbedingungen zu befördern vermag. Die Empfehlungen für einen langfristig angelegten Strategieprozess für ein integriertes Wissenschaftssystem in Mecklenburg-Vorpommern umfassen folgende fünf Schwerpunkte:
- Hochschulen und außeruniversitäre Einrichtungen sollten im Zuge des Strategieprozesses Lehrangebote, Forschungsaktivitäten sowie den Betrieb von Infrastrukturen besser abstimmen und ein koordiniertes Netz von zunehmend dauerhaften und verbindlichen Kooperationen aufbauen.
- Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sollten wirksamer als Mitgestalter zu zukunftsfähiger gesellschaftlicher Entwicklung beitragen.
- Angesichts einer Wirtschaftsstruktur mit vorwiegend kleinen und kleinsten Unternehmen sollten sich wissenschaftliche Einrichtungen als unverzichtbare Innovationskräfte verstehen. Gefordert ist eine Ausweitung und Intensivierung wirkungsvoller Kooperationen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft.
- Das Land sollte über langfristig angelegte internationale Zusammenarbeit seine spezifische Kompetenz für den Ostseeraum und dessen Anrainerstaaten ausbauen. Angesichts erheblicher ökologischer und politischer Verwerfungen gibt es wachsenden Bedarf an entsprechender Kompetenz und damit große Chancen für die spezifische Weiterentwicklung von Wissenschaft in MV.
- Es wird ein auf Integration des Wissenschaftssystems zielender strategischer Entwicklungsprozess empfohlen, der neben anderem auch verbesserte Ressortabstimmung und Ressortgrenzen überschreitende Zusammenarbeit innerhalb der Landesregierung erfordert.
„Die Vorschläge fügen sich hervorragend in den laufenden Prozess der Landesregierung ein, die Wissenschaftslandschaft zukunftsfähig aufzustellen. Digitalisierung, KI, geopolitische Veränderungen und die neuen Schwerpunkte in der Forschungsförderung in Bund und EU stellen die Wissenschaft vor neue Herausforderungen. Wir werden die Empfehlungen nun zunächst mit den Vertreterinnen und Vertretern der Hochschulen und Forschungseinrichtungen beraten. Die Empfehlung, den weiteren Entwicklungsprozess interdisziplinär, also ressortübergreifend und mit Stakeholdern aus Wirtschaft und Gesellschaft zu führen, werden wir aufgreifen.“, so Ministerin Martin:
Die achtköpfige Kommission hatte Ihre Arbeit im Oktober 2024 aufgenommen. Für die Arbeit, die Reisen und sonstige Aufwendungen der Kommission hat die Landesregierung insgesamt 113.000 aufgewandt
Die Kommission umfasste folgende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler:
Prof. i.R. Dr. Peter Strohschneider (Vorsitzender), Ludwig-Maximilians-Universität München, Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften,
Prof. Dr. Julia Fischer, Deutsches Primatenzentrum und Georg-August-Universität Göttingen
Prof. Dr. Ursula Münch, Direktorin der Akademie für Politische BildungTutzing
Prof. Dr. Wolfgang Marquardt, ehem. Vorsitzender des Vorstands des Forschungszentrum Jülich GmbH
Prof. Dr. Michael Schulz, Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, Universität Bremen
Dr. Andreas Stucke, ehem. Abteilungsleiter Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates, Köln, Mitglied im Universitätsrat der Universität Erfurt
Prof. Dr. Peer Pasternack, Institut für Hochschulforschung (HoF) an der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg
Mitglied mit besonderen Aufgaben:
Dr. Annette Barkhaus, Stellv. Leiterin der Abteilung Forschung / Leitung Agrar- und Ernährungsforschung des Wissenschaftsrates