Gedenken und Stolpersteine in Pasewalk
Die Stolpersteine in Pasewalk sind verlegt und können nun auch digital per App erkundet werden.
Am Donnerstag (12. Februar) wurde in Pasewalk mit einer Gedenkveranstaltung an die 13 jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger aus Pasewalk erinnert, die am 12. Februar 1940 vom Bahnhof der Stadt aus gemeinsam mit 1120 anderen Menschen nach Lublin deportiert wurden. Keiner von Ihnen überlebte.
Nach einer morgendlichen Kranzniederlegung am Bahnhof fand das Gedenken am Nachmittag an einem der Stolpersteine statt, die im Gedenken an die jüdischen Opfer der Nationalsozialisten in Pasewalk verlegt wurden. Eine Stolperschwelle am Bahnhof zur direkten Erinnerung an die Deportation wurde bereits im vergangenen Jahr durch den Künstler Gunter Demnig verlegt – insgesamt liegen nun 78 Stolpersteine in Pasewalk.
An der Gedenkveranstaltung nahmen neben Stadtvertretern auch der Landesrabbiner Yuriy Kadnykov und Kulturministerin Bettina Martin sowie der Leiter der Landeszentrale für Politische Bildung, Jochen Schmidt teil.
„Erinnern heißt, diesen Menschen ihre Namen, ihre Geschichten und ihre Würde zurückzugeben. Genau dafür stehen die Stolpersteine in Pasewalk. Sie holen die Opfer des Nationalsozialismus aus der Anonymität der Zahlen zurück in unseren Alltag – dorthin, wo sie gelebt haben, gearbeitet haben, Teil dieser Stadt waren“, so Ministern Martin in ihrem Grußwort.
Stolpersteine digital erschlossen
Ministerin Bettina Martin stellte aus Anlass des Gedenkens auch die „Stolperstein-App“ für Pasewalk gemeinsam mit dem Direktor der Landeszentrale für politische Bildung, Jochen Schmidt, und der ausführenden Firma Dataport vor.
Mit der App lassen sich die Stolpersteine per Smartphone scannen und die Lebensgeschichten digital aufbereitet nachlesen. Außerdem kann eine virtuelle Kerze an den Steinen platziert werden.
„Wir stehen heute vor der Aufgabe, Erinnerung weiterzutragen – auch in einer Zeit, in der immer weniger Zeitzeuginnen und Zeitzeugen unter uns sind und sich deshalb auch Formen des Gedenkens verändern müssen. Genau hier setzt die App ‚Stolpersteine Digital´ an. Es bedeutet, dass Erinnerung sichtbar bleibt – auch für jüngere Generationen. Namen werden zu Geschichten. Daten werden zu Schicksalen. Die App verbindet Orte mit Biografien, Geschichte mit Gegenwart“, so Bettina Martin: „Gerade in einer Zeit, in der antisemitische Einstellungen leider wieder zunehmend offen artikuliert werden, in der demokratische Grundwerte unter Druck geraten, ist diese Arbeit wichtiger denn je.
Erinnerung ist kein Blick zurück aus Nostalgie. Sie ist eine Verpflichtung für die Gegenwart.“
Das Projekt wird durch die Bundes- und durch die Landeszentralen für politische Bildung gefördert und seit November 2025 in ganz Deutschland vorangetrieben. In Mecklenburg-Vorpommern wird ergänzend zur App umfangreiches pädagogisches Material von unterschiedlichen Bildungsträgern auf der Webseite https://stolpersteine.digital/ bereitgestellt.
Bis 2023 sollen alle Stolpersteine in Mecklenburg-Vorpommern inklusive der Biografien in die App integriert sein.
Das Land MV beteiligt sich an der Förderung mit 20.000 Euro.
Stand Ende Februar 2026 sind rund 400 Stolpersteine in der App abrufbar – die Hälfte der Stolpersteine in Mecklenburg-Vorpommern.
Im Januar 2025 war die App in Schwerin für die dortigen Stolpersteine vorgestellt worden. Auch Stralsund, Greifswald, Wismar und Waren (Müritz) sind inzwischen integriert. In den kommenden Monaten sollen die Stadt Rostock und weitere Landkreise folgen.