Wal in der Wismarbucht – Einsatzkräfte begleiten das Tier eng
Die Einsatzkräfte in der Wismarer Bucht begleiten den dort befindlichen Buckelwal weiterhin intensiv und mit großer Sorgfalt.
„Wir erleben hier eine Situation, die viele Menschen bewegt. Mir ist wichtig zu betonen: Wir schauen dem Wal nicht beim Sterben zu. Wir tun alles, was fachlich verantwortbar ist, um ihm zu helfen – behutsam, abgestimmt und mit größtem Respekt vor dem Tier“, erklärte Umweltminister Dr. Till Backhaus, der sich fortlaufend über die Lage informiert.
Der aktuelle Gesundheitszustand des Wals ist geschwächt, gleichzeitig besteht weiterhin die Möglichkeit, dass es sich bei steigendem Wasserstand aus eigener Kraft in tiefere Bereiche bewegen kann. Nach aktuellen Beobachtungen liegt die Atemfrequenz des Wals bei etwa alle vier bis fünf Minuten. Der Wasserstand betrug zuletzt rund 160 Zentimeter und steigt derzeit wieder an. Fachleute prüfen kontinuierlich, ob der Wal bei besseren Bedingungen die Kraft hat, sich freizuschwimmen.
Enge Begleitung und Schutz des Tieres
Seit Tagen wird der Wal durchgehend von Expertinnen und Experten sowie Einsatzkräften begleitet. Auch in den Nächten ist eine sogenannte Walwache eingerichtet, die rund um die Uhr besetzt ist. Ihre Aufgaben sind:
- kontinuierliche Beobachtung des Tieres,
- Schutz vor Annäherungen durch Boote und Schaulustige,
- enge Abstimmung mit der Wasserschutzpolizei.
„Unser oberstes Ziel ist es, Stress vom Wal fernzuhalten und gleichzeitig schnell reagieren zu können, wenn sich eine Chance zur Befreiung ergibt“, so Backhaus.
Ein Sperrgebiet von 500 Metern um den Wal bleibt weiterhin bestehen.
Breite Zusammenarbeit aller Beteiligten
Die Situation wird in enger Zusammenarbeit zahlreicher Institutionen bewältigt. Beteiligt sind das Deutsche Meeresmuseum, das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung, Greenpeace, Sea Shepherd sowie die Wasserschutzpolizei.
„Ich danke allen haupt- und ehrenamtlichen Kräften ausdrücklich. Die Zusammenarbeit ist professionell und vertrauensvoll. Klar ist: Wir sind ein Team – mit einem gemeinsamen Ziel, dem Wal zu helfen“, betonte Backhaus.
Entwicklung der Lage
Der Wal ist seit dem 3. März im Bereich der Ostsee unterwegs. Nach einer ersten Strandung in Schleswig-Holstein konnte er sich zunächst wieder freischwimmen, wurde anschließend vor Mecklenburg-Vorpommern gesichtet und geriet am Samstag erneut im Bereich der Insel Walfisch in flacheres Wasser.
Zwischenzeitlich bewegte sich das Tier bei steigendem Wasserstand in eine tiefere Rinne und schwamm ein Stück in Richtung offenes Fahrwasser, bevor es erneut in flacherem Bereich gesichtet wurde. Seitdem wird es eng begleitet.
Fachliche Einschätzung und weiteres Vorgehen
Derzeit ist nicht zweifelsfrei zu beurteilen, ob der Wal aufgrund seiner Schwäche bewegungsunfähig ist oder ob er bei geeigneten Bedingungen selbstständig reagieren kann. Entsprechend vorsichtig gehen die Einsatzkräfte vor.
„Wir wägen jeden Schritt sehr genau ab. Es geht darum, dem Wal zu helfen – nicht darum, vorschnell einzugreifen oder zusätzliche Risiken zu schaffen“, so der Minister.
Parallel wurden auch mögliche Szenarien für den weiteren Verlauf abgestimmt. Dazu gehören – für den Fall, dass sich der Zustand weiter verschlechtert – auch vorbereitende Überlegungen für eine Bergung. Diese dienen ausschließlich der Vorsorge.
Einordnung zur Diskussion um Marc Lehmann
In den vergangenen Tagen wurde auch die Rolle des Meeresbiologen Robert Marc Lehmann öffentlich diskutiert. Minister Backhaus stellte hierzu klar: „Mir ist wichtig, dass wir hier sachlich und respektvoll miteinander umgehen. Wir wissen, dass viele Menschen emotional betroffen sind.“
Backhaus hat den angekündigten Austausch gesucht und Kontakt aufgenommen. „Ich habe mein Gesprächsangebot eingelöst und mit ihm gesprochen. Fachleute meines Hauses stehen zudem nun mit seinem Umfeld im Austausch, um Möglichkeiten der Zusammenarbeit auszuloten. Auch stehe ich im Austausch mit weiteren nationalen und internationalen Experten und Expertinnen.“
Zugleich betonte der Minister, dass Entscheidungen vor Ort auf Grundlage fachlicher Einschätzungen und klarer Zuständigkeiten getroffen werden: „Unser Handeln orientiert sich daran, was dem Wal hilft – nicht daran, was in sozialen Medien gefordert wird.“
Appell an die Bevölkerung
Das Ministerium appelliert weiterhin eindringlich an alle Bürgerinnen und Bürger, Abstand zu halten und das Sperrgebiet zu respektieren.
„Jede Störung kann die Situation für den Wal verschlechtern. Jetzt kommt es auf Rücksicht und Verantwortungsbewusstsein an“, so Backhaus.
Die Lage bleibt herausfordernd, aber es besteht weiterhin Hoffnung. Die Einsatzkräfte handeln abgestimmt, umsichtig und mit dem klaren Ziel, dem Tier die bestmögliche Chance zu geben.